Jetzt startet endlich die Wehringhausen-Erneuerung

Die beiden Teile Wehringhausens diesseits und jenseits der Bahntrasse sollen wieder zusammenwachsen. Das noch unbebaute durch die Bahnhofshinterfahrung entstandene Areal im Vordergrund des Bildes – genannte „die Bohne“.
Die beiden Teile Wehringhausens diesseits und jenseits der Bahntrasse sollen wieder zusammenwachsen. Das noch unbebaute durch die Bahnhofshinterfahrung entstandene Areal im Vordergrund des Bildes – genannte „die Bohne“.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Seit acht Jahren wird über die Erneuerung des Stadtteils Wehringhausen in Hagen diskutiert. Jetzt starten die Vier-Millionen-Euro-Investitionen. Wir erklären Hintergründe.

Hagen-Wehringhausen.. Die Wehringhauser Bürger sind langsam ungeduldig. Das spürt Martin Vöcks, Quartiersmanager für den Stadtteil: „Aber jetzt geht es wirklich los mit dem Projekt ‘Soziale Stadt’ Wehringhausen. Bildlich gesprochen: In 2015 werden die Planungen gemacht, ab 2016 werden die Bagger rollen.“ Und damit wird das konkret umgesetzt, was in Wehringhausen seit acht Jahren diskutiert worden ist.

Mehr als die Hälfte der geplanten Fördermittel von insgesamt 4 Millionen Euro wird in der ersten Welle für unterschiedliche Projekte verbaut werden. An diesem (21. Februar) und am kommenden Samstag (28. Februar) haben die Bürger die Möglichkeit, sich in Planungswerkstätten und Ideenschmieden in die konkrete Planung einzubringen. Alle Interessierten sind eingeladen.

Die Stadtredaktion beantwortet die wichtigsten Fragen zum Projekt.

1. Warum hat es so lange bis zur Umsetzung gedauert?

Bereits vor acht Jahren ist ein „Integriertes Handlungskonzept“ erarbeitet worden für den als kreativ und alternativ geltenden Stadtteil, der aber auch große soziale Probleme hat. Lange wurde dann vergeblich versucht, in Förderprogramme zu kommen. Seit 2012 ist Wehringhausen nun aber Teil des Förderprogramms „Soziale Stadt“, das von Europäischer Union, Bund, Land und Kommune getragen wird. Mitte 2014 wurde das Quartiersmanagement eingerichtet, das den Prozess der Bürgerbeteiligung und des Projektmanagements organisiert. Drei Planungsbüros sind zudem für die Bereiche Freiraum, Verkehr und Mobilität beauftragt .

2. Um welche Projekte geht es konkret?

Die „Ideenschmiede“ am Samstag beschäftigt sich mit den Spielplätzen an der Rehstraße, an der Pelmkestraße und mit der Rollschuhbahn Dömbergstraße. Eine (Teil)-Sanierung ist vorgesehen, in die Detailplanung können sich die Bürger noch einbringen. Die Planungswerkstatt am Samstag, 28. Februar, beschäftigt sich mit:

- der Lange Straße (z.B. Erneuerung Gehwege an Kreuzungs- und Überwegbereichen, um sie barrierefrei zu machen)

- dem Bodelschwinghplatz (Umgestaltung/Verschönerung),

- dem Tunnel von der Augustastraße zum Bodelschwinghplatz (optische Aufwertung/Umgang mit der Trinker- und Drogenszene)

- der Wehringhauser Straße, die durch die Bahnhofshinterfahrung quasi verkehrsberuhigt wurde

- das durch die Bahnhofshinterfahrung neu entstehende Areal, das den Namen „Bohne“ verpasst bekommen hat, und dessen Nutzung noch völlig offen ist (siehe Foto)

- den Bereich Villa Post (Volkshochschule) bis zur Ennepe.

3. Wie groß ist die Sicherheit, dass die Projekte tatsächlich umgesetzt werden?

Ziemlich groß. Stadtrat und Bezirksvertretung müssen zwar noch über die Detailplanung abstimmen und alle Projekte werden von Bezirksregierung und Land geprüft. Generell gibt es aber die Zusage für die Fördermittel. Verwaltung, Quartiersmanagement sowie Planungsbüros achten darauf, dass die Ideen umsetzbar und förderfähig sind.

Stadtteil soll für alle Generationen lebenswerter werden

4. Welche Ziele verfolgt das Programm?

Der gesamte Stadtteil soll aufgewertet und für alle Generationen lebenswerter werden. Das Profil Wehringhausens soll geschärft werden. Zum Beispiel arbeitet das Quartiersmanagement gerade mit vielen Kreativen daran, ob und wie Wehringhausen sich auch als Kreativquartier positionieren kann. Vor allem aber sollen die beiden Teile diesseits und jenseits der Bahntrasse wieder besser verbunden werden.

Zudem sollen die Investitionen in den öffentlichen Raum private Investitionen auslösen: Durch ein positiveres Umfeld sollen Immobilienbesitzer animiert werden zu investieren. Auch hierfür stehen über das Fassadenprogramm Fördermittel bereit. Martin Vöcks: „1 Euro an öffentlicher Investition löst 4 bis 7 Euro an privaten Investitionen aus.“

5. Welche Stellung hat das Projekt „Garten.Reich“?

Es soll Wehringhausen grüner machen und das Gemeinschaftsgefühl als Nachbarschaftsprojekt stärken. „Garten.Reich“ ist schon in vollem Gange. Unter Anleitung eines Planungsbüro ist in dem leer stehenden Laden von Früchte Nübel eine provisorische Werkstatt eingerichtet worden. Bürger basteln dort Hochbeete und andere Gartenmöbel. Die sollen mobil im Stadtteil einsetzbar sein, Paten bekommen, die sie bepflanzen und pflegen. Die ersten Hochbeete sollen im Frühjahr am Bodelschwinghplatz als Nachbarschaftsgarten aufgebaut werden, dem derzeitigen „Schmuddelplatz“ eine besser Optik verpassen und so vor den großen Baumaßnahmen das Zeichen setzten: Jetzt geht’s los. Ende März wird das Ganze zu einer Freiluft-Werkstatt auf dem Bodelschwinghplatz. Der nächste Workshop findet am Donnerstag, 26. Februar, um 18.30 Uhr an der Lange Straße 36 statt.

6. Gibt es auch kleinere Aktivitäten?

Ja, es gibt einen Verfügunsgfonds (30.000 Euro) aus dem kleinere Aktionen finanziert werden: Etwa die Wandmalereien, die entstanden sind (z.B. Lautrec-Bild an der Augustastraße). Für die Initiative „L(i)ebenswertes Wehringhausen“ wurden Besen etc. gekauft. Und im Ex-Schlecker-Ladenlokal sind die Bänke zu sehen, die die Händlerschaft „Wir in Wehringhausen“ beantragt hat. Diese werden mit engagierten Bürgern bemalt und im Stadtteil aufgestellt. Über die Verteilung der Mittel aus dem Fonds entscheidet ein Lenkungskreis, in dem u.a. Wehringhauser Initiativen und die Politik vertreten sind.

7. Welche Projekte werden in der zweiten „Welle“ folgen?

Bis zum Herbst müssen die Anträge für die restlichen gut 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern gestellt werden. Dann wird es unter anderem um den Wilhelmsplatz und um Mobilität gehen. Und dabei auch um die Frage, wie Senioren in dem durch recht steile Straßen geprägten Stadtteil mobil bleiben. Ziel ist es: Bis 2016/17 sollen alle förderfähigen Projekt umgesetzt sein.