Jedes vierte Kind in Hagen lebt von Hartz IV

Jochen Marquardt, Geschäftsführer des DGB in Hagen, warnt vor den Folgen von Kinderarmut.
Jochen Marquardt, Geschäftsführer des DGB in Hagen, warnt vor den Folgen von Kinderarmut.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Für DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt ist die Armut von Kindern in Hagen eine große Herausforderung, die aktiv bekämpft werden muss. In Hagen leben 6704 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen.

Hagen.. Fast jedes vierte Kind in Hagen lebt von Hartz IV: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Region Ruhr Mark hat eine aktuelle Übersicht über die Entwicklungen in den Städten und Kreisen erarbeitet und verweist speziell auf die Datenlage in Hagen. Für DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt ist die Armut von Kindern in Hagen eine große Herausforderung, die aktiv bekämpft werden muss. In Hagen leben 6704 Kinder in Hartz-IV-Verhältnissen – das sind 28,2 Prozent aller in Hagen lebenden Kinder unter 15 Jahren bzw. fast jedes vierte Kind.

Damit ist die Hartz-IV-Armut unter Kindern fast so stark verbreitet wie bei Menschen im Erwerbsalter. Dort ist „nur“ jede/r Siebte auf Hartz IV angewiesen. Nach zehn Jahren Hartz IV ist die Armut von Kindern in Hagen gering gesunken. Die Zahl der Kinder im Hilfebezug ist von über 7000 in 2005 zuerst auf 7580 angestiegen, um in den Folgejahren auf 6346 zu sinken. Seit 2013 ist die Zahl auf 6700 angestiegen. Die Armutsforschung zeige deutlich, dass längere Lebensphasen in Armut bei Kindern berufliche und persönliche Chancen im gesamten Leben nachhaltig schädigen.

Hilfebezug für alle

In Hagen sind 47,7 Prozent der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher vier Jahre oder länger im Hilfebezug. Deshalb fordert der DGB ein Aktionsprogramm gegen Kinder- und Familienarmut. Der Bund solle die Hälfte seiner Mehreinnahmen durch die Einführung des Mindestlohns dafür aufwenden. Ziel sei, dass kein Kind in einer Familie aufwachse, in der beide Eltern dauerhaft keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

Bei Alleinerziehenden sollte zumindest eine sozialversicherte Teilzeitarbeit das Ziel sein. „Hartz IV darf nicht zum ,Lebensstil’ oder gar vererbt werden, sondern sollte endlich zu dem werden, was ursprünglich politisch intendiert war: Hilfestellungen aus einer Hand zur Überwindung einer vorübergehenden Notlage“, so Marquardt.