Jahrhunderthochwasser zog Spur der Verwüstung durch Elsey

So sah nach dem Hochwasser die Dunkelkammer von Hanspeter Dittrich statt.
So sah nach dem Hochwasser die Dunkelkammer von Hanspeter Dittrich statt.
Foto: WP

Elsey..  Es war der 1. Juni des Jahres 1975. Ein drückender Tag, an dem der Jahrhundertregen kam. Ein Sonntag. „Am Mittag“, so erinnert sich Rudolf Möller, „verfärbte sich der Himmel.“ Nicht für möglich gehaltene Wassermassen prasselten dann auf Hohenlimburg nieder. Besonders betroffen der Ortsteil Elsey. „Es war das schlimmste Hochwasser, das die Möllerstraße jemals getroffen hat“, versichert Rudolf Möller, der eigentlich an diesem Tag zum Schützenfest gehen wollte, dann aber dieses Vorhaben verwarf und mit seiner Ehefrau zur Möllerstraße zurückkehrte, wo das Ehepaar ein Textilgeschäft führte.

Dort drohte am Nachmittag die Situation zu eskalieren. „Die Wassermassen schossen von Famila und vom Schlesierland die Möllerstraße hinunter. Aus einem von zwei Personen bewohnten Haus an der oberen Möllerstraße wurde das gesamte Mobiliar herausgespült und mitgerissen“, berichtet der Zeitzeuge, der sich auch daran erinnert, dass in einem Hinterhof am heutigen Elseyer Dorfplatz das Erdgeschoss und die erste Etage eines Hauses mit Wasser vollgelaufen waren. Auch das Lager und die Werkstatt eines Elektrohandels waren bis zu den Decken voll. Möller: „Die Wassermassen war so heftig, dass der Parkplatz des Fuhrunternehmens Holtschmidt einsackte, weil die Stützmauer weggespült worden war und ein Lastwagen deshalb umkippte.“

Ebenfalls betroffen war der Fotograf Hanspeter Dittrich. Der kam an diesem Sonntagnachmittag von einer Urlaubsreise zurück und sah das für ihn Unfassbare. Im Kellergeschoss der väterlichen Drogerie befand sich das Equipment seines Fotostudio. So auch die Entwicklungsmaschinen für Negative und Papierbilder. „Davon war nichts mehr zu sehen. Die braune Brühe stand bis zu den Kellerschächten. Sogar die Tanks für die Altchemie wurden vom Wasser hochgedrückt und haben die Tische zerstört.“

Gesamtes Fotoarchiv vernichtet

Das gesamte Archiv wurde dadurch vernichtet. Mehr als ein Jahrzehnt an Foto-Arbeit, auch als Mitarbeiter für diese Zeitung, war zerstört. „Unser Schaden belief sich damals auf rund 30 000 D-Mark“, blickt Hanspeter Dittrich zurück.

Schwer geschädigt war auch die Sparkasse Elsey. „Das Wasser stand bis zu den Schließfächern“, erzählt der ehemalige Sparkassenleiter Hartwig Stenda. „Die Tresore waren vollgelaufen. Aus diesem Grund haben wir die Geldscheine in die Sparkasse-Geschäftsstelle zur Stennertstraße gebracht, dort mit klarem Wasser gewaschen und zum Trocknen aufgehängt.“

Einer jener Männer, die für die Feuerwehr gegen die Wassermassen kämpften, war Hans-Peter Schmahl. „Wir waren damals 28 Stunden ohne Pause im Einsatz.“