Italienische Gäste treffen Hagens Italien
04.03.2009 | 19:54 Uhr 2009-03-04T19:54:00+0100
Hagen. Es könnte der Beginn einer wunderbaren neuen deutsch-italienischen Freundschaft sein: 18 Schüler und Schülerinnen aus Tradate in der Lombardei wohnen derzeit bei gleichaltrigen Schülern der Fritz-Steinhoff Gesamtschule (FSG).
Die italienische Gemeinde
- 3319 Menschen, die auf dem Stiefel geboren sind, leben in Hagen (Stand 31. Dezember 2008).
- Aufgeteilt nach Geschlecht: 1478 Italienerinnen, 1841 Italiener.
- Nach Alter: Die größte Gruppe stellen die 40 bis 60-Jährigen (1240), bei den Klein- und Grundschulkindern gibt es mehr Mädchen/Bambine (70) als Jungen/Bambini (53).
Im Oktober vergangenen Jahres waren die Hagener in Italien, zurzeit läuft der Gegenbesuch. Das gemeinsame Programm ist prall. Neben Besichtigungstouren nach Köln oder Düsseldorf auf den Spuren Jahrhunderte alter Geschichte der italienischen Immigration, neben Stadtrundgängen in Hagen, vielen privaten Stunden mit Deutsch- und Italienisch-Lektionen in den Gastfamilien, steht auch das Thema Einwanderung nach Hagen auf dem Stundenplan.
Von der Ankunft in
einem neuen Leben
Gestern hatte Italienisch-Lehrer Luigi Rossi seine Landsleute Emilia Linardi, Mauro Bucco und Ines Bellati-Ritzenhoff in die Schule eingeladen. Die berichteten als Zeitzeugen den deutschen und italienischen Teenagern von ihrer Ankunft und ihrem neuen Leben in Deutschland. Das nicht immer einfach war.
In Argentinien geboren, kam Emilia Linardi über Genua, die Heimat der Eltern, nach Köln und dann nach Hagen. „Alles war grau hier, das war das Schlimmste.” Mauro Bucco, besser bekannt als Sänger Angelo Fabiani, kam mit seinen Eltern aus Apulien an die Volme. Und weiß heute: „Die meisten Italiener wollten nur ein paar Jahre in Deutschland bleiben.” Aber sie leben immer noch hier, weil sie hier längst zuhause sind. In den 1970er Jahren hatte seine Familie noch einmal die Koffer gepackt, um zurückzukehren - in das Land, wo die Zitronen blühen. Piemont war das Ziel. „Es hat nichts geklappt”, erinnert sich Bucco. Solange aus der Heimat fort, fanden sich die Italiener nicht mehr zurecht und sind wiedergekommen. Hagen war eben schon Heimat.
Auch für Ines Bellati-Ritzenhoff aus Mantua, Dichterin, die einst in Haspe landete. Das Leben der Arbeiter im Hagener Westen war hart, erzählt sie, und doch faszinierend, weil atmosphärisch so dicht, „manchmal verwandelt sich etwas Unangenehmenes ins Romantische”, sagt sie heute. Auch sie ist nach anfangs schwierigen Jahren geblieben und fühlt sich hier heute wohl.
Gespannt lauschten die Schüler den deutsch-italienischen Geschichten, den persönlichen Erzählungen über Immigration (Einwanderung) oder Emigranten (Auswanderer): ein wichtiges, auch politisches Thema, das beim Zentralabitur 2010 gefragt sein wird. Weiß Doris Martino, die an der FSG die Jahrgangsstufe 12 in Italienisch unterrichtet. So wie ihre italienische Kollegin Giula Pazzaglia ist sie überzeugt davon, dass die die jungen Italiener und Deutschen nicht nur sprachlich viel lernen in dieser Woche, sondern das Thema Einwanderung mit ihren Austausch-Erfahrungen ganz anders angehen und bewerten können. Die jungen Leute, sagt Doris Martino, „sind unsere Hoffnung”.
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