In letzten Kriegstagen sterben noch 15 Menschen

Breckerfeld..  Es ist ein trauriger Rückblick: Vor 70 Jahren erreichte der Zweite Weltkrieg am 12. und 13. April 1945 mit Tod und Zerstörung kurz vor seinem Ende die Hansestadt Breckerfeld. Von da an bis zum 8. Mai kamen 15 Menschen zu Tode.

Bis dahin hatte Breckerfeld direkt wenig vom Kriegsgeschehen abbekommen. In Zurstraße wurde beim Fallen von Bomben das Gebäude der Volksschule an der Waldbauerstraße beschädigt. Zum Glück explodierte die größte Bombe nicht, der Blindgänger konnte entschärft werden. Am Rande des Ortskerns Breckerfeld brannte Mählers Scheune an der vorderen Epscheider Straße nach einem Treffer ab. Beide Male war das eigentliche Ziel der Bomberangriffe die Stadt Hagen. Bekannt sind auch Bombeneinschläge in einem Wäldchen nahe der Ortschaft Breloh.

Dies hatte die Flakstellung bei Möcking, die für den Schutz des Luftraums im Bereich des Stadtgebietes sorgen sollte, nicht verhindern können. Anfang April schoss die Flakstation, die die Mauer der Ennepetalsperre schützte, ein angreifendes Flugzeug ab, das in der Wellershauser Bucht zu Boden ging. Über das Schicksal des Piloten ist nichts bekannt.

2003 den Blindgänger gefunden

Am 12. April fielen vier Bomben am Südrand der Stadt. Ziel des Angriffs war die vom „Volkssturm“ auf Befehl der örtlichen Gremien der NSDAP errichtete Panzersperre vor dem Haus Frankfurter Straße 11. „Drei der Bomben fielen zum Glück in das dem Haus gegenüber liegende Wäldchen“, erinnert sich Siegfried Schilling, der dort wohnte. Verletzte gab es nicht, das Haus verlor durch die ausgelöste Druckwelle das Dach. Beim Bau des Kreisverkehrs „Vor dem Tore“ neben der Aral-Tankstelle im Jahr 2003 wurde im Boden die vierte Bombe als Blindgänger aus diesem Angriff gefunden und entschärft.

Für den historischen Ortskern wurde der 13. April , im übrigen ein schöner Frühlingstag, zum Tag des Schreckens: Als die Amerikaner von Halver her auf der Landstraße über den Wengeberg von Panzern begleitet anrückten, lösten fanatische Menschen, die noch an den Endsieg glaubten, durch ihr Tun unnützes Blutvergießen aus: Die Flak-Stellung bei Möcking versuchte durch Beschuss in Richtung Wengeberg die Amerikaner aufzuhalten.

Vor zehn Jahren erzählte Ulrich Brinkschulte, der damals als Kind auf Gut Schöpplenberg wohnte: „Meine Mutter schickte mich zur Flakstation mit dem Anliegen, wenn die schon schießen müsste, dann aber ein wenig höher.“ Die Spitzen der Hoflinden des Gutshofes waren getroffen worden. Einige der deutschen Granaten schlugen im historischen Stadtkern ein.

Deutscher Soldat erschießt sich

Die Panzer der Amerikaner schossen daraufhin zurück in den Stadtkern. Am Ende des Tages gab es als Folge des gegenseitigen Beschusses insgesamt sechs Tote zu beklagen. Sie starben in der Schmiedestraße und der Frankfurter Straße: LehrerinToni Isken, Bürokauffrau Elisabeth Bertram, Ida Trabert, Metzgermeister Eugen Schmirnbach, Bäckermeister Paul Höller und der belgische Kriegsgefangene Eugen Lezi.

Am gleichen Tag erschoss sich im Pfarrgarten der katholischen Kirchengemeinde am Wehrgraben ein deutscher Soldat. Es ist anzunehmen, dass er zur Besatzung des deutschen Panzers gehörte, der sich im Bereich nahe der heutigen Tennisanlage im Sumpf festgefahren hatte und so nicht mehr so in Stellung manövriert werden konnte, um die vom Wengeberg anrückenden Amerikaner unter Beschuss zu nehmen.

Hans Pfingsten, der in der Bäckerei und Cafe seines Vaters aufwuchs, erinnert sich: „Als sich alles beruhigt hatte, haben wir Kinder aus der Nachbarschaft in dem Panzer gespielt.“ Das Steckenbleiben war ein Glücksfall für die Menschen im historischen Stadtkern.

In der Schmiedestraße, der Frankfurter Straße und in der Neue Straße wurden Häuser durch Granaten beschädigt.

Höfe geraten in Brand

Am 12. und 13. April starben im Stadtgebiet weitere Menschen: Auf dem Friedhof in Zurstraße liegen zwei deutsche Soldaten, die am 12. bzw. 13. April nach einem Tieffliegerangriff starben. In der Nähe von Königsheide kamen vier Soldaten in ihrem Fahrzeug nach Granatbeschuss ums Leben. In einem Wohnhaus in Wittenstein beging Stabshelferin Margarete Jansen aus Köln am 13. April Selbstmord. Ihr Stab hatte sie verletzt nach dem Treffer einer Panzergranate vor seiner Flucht in Wittenstein zurückgelassen.

Bei dem Beschuss im Bereich Handweiser gerieten die Höfe Bökamp (Handweiser), Kleine und Schütz (Holthausen) in Brand. Alle am 12./ 13. April 1945 verstorbenen Militärs liegen auf dem Friedhof der Hansestadt. Am 14. April starb eine Frau Hermann, die in der Epscheider Mühle bei Familie Berghaus als Evakuierte untergekommen war, in dem Bereich des heutigen Parkplatzes an der Ecke Ostring/Epscheider Straße durch ein Geschoss der immer noch ativen Flak in Möcking. Am Nesselberg in Branten wurde ein Mann durch den Beschuss der deutschen Flak verletzt.

In der Folgezeit litten die Menschen wie überall in Deutschland unter Plünderungen und schweren Diebstählen, weil es keine staatliche Ordnungskräfte gab.

In der Nacht vom 7. zum 8. Mai 1945 wurde in Zurstraße Bäckermeister Bahrstadt von Plünderern erschossen. Das gleiche Schicksal erlitt der Wärter der Ennepetalsperre Oswald in der Ortschaft Osenberg am Hauptvorbecken des Stausees.