In Hagen führen viele Wege nach Finnland

In traditionell samischer Tracht: Sirkka Stoor, Bianca Sonnenberg und Marketta Göbel-Uotila.
In traditionell samischer Tracht: Sirkka Stoor, Bianca Sonnenberg und Marketta Göbel-Uotila.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Die Partnerschaft mit Kouvola ist Vergangenheit. Geblieben ist die Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG), eine der vitalsten Auslandsgesellschaften in Hagen.

Hagen.. Das Ende kam unspektakulär: Lauri Lamminmäki, Bürgermeister im finnischen Kouvola, teilte seinem Hagener Amtskollegen Peter Demnitz im Juni 2009 per Brief mit, dass die Partnerschaft zwischen beiden Städten mit Ablauf des Jahres ende. Nach 36 Jahren.

So manchem Hagener Bürger mag ein bisschen wehmütig ums Herz geworden sein, als er vom Schlussstrich unter dieser Beziehung erfuhr. Denn es gab eine Zeit, in der die Verbindung zwischen Hagen und Kouvola mit Leben erfüllt war, als Chöre, Kegelclubs, Sportvereine und Schülergruppen gen Norden reisten oder Gegenbesuch aus Finnland erhielten. Das ist Vergangenheit. Geblieben ist die Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG), eine der vitalsten Auslandsgesellschaften in Hagen.

Finnen und Finnland-Fans

Unter den knapp 100 Mitgliedern der DFG versammeln sich nicht nur deutsche Finnland-Fans, sie ist auch ein Auffangbecken für Finnen, die in Hagen leben. Die DFG versucht, finnische Kultur in Deutschland bekannt zu machen und veranstaltet regelmäßig Vorträge, Lesungen und Zusammenkünfte. Nicht zuletzt weil die Hagener Ortsgruppe so lebendig ist, ist sie auch Ausrichter der Geburtstagsveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des Landesverbandes am 2. Februar im Hagener Theater (siehe Infokasten).

„Als die Städtepartnerschaft gekündigt wurde, drohte auch unserer Gesellschaft die Auflösung“, erinnert sich Peter Fichtner, zweiter Vorsitzender der DFG in Hagen: „Aber es ist uns gelungen, ihr neues Leben einzuhauchen.“ Im kulturellen Leben der Stadt spielt die Gesellschaft eine aktive Rolle, sie kooperiert mit Volkshochschule, Stadtbücherei, Sparkasse und Philharmonischem Orchester. Generalmusikdirektor Florian Ludwig hat schon in Finnland gearbeitet, spricht ein paar Brocken der schwer zu erlernenden finnischen Sprache und gilt als leidenschaftlicher Anhänger finnischer Musik.

Und es gibt weitere Querverbindungen zwischen Hagen und dem skandinavischen Land: Eine der größten Fabriken in der Stadt, der Papierhersteller Stora Enso, ist die Tochterfirma des gleichnamigen Konzerns mit Sitz in Helsinki.

Honorarkonsul stammt aus Hagen

Und als finnischer Honorarkonsul in Düsseldorf amtiert Professor Jürgen Kluge, ein Hagener Junge, der in Hohenlimburg sein Abitur gebaut hat. „Von der einstigen Städtepartnerschaft mit Kouvola sind noch viele persönliche Kontakte übrig geblieben“, berichtet Fichtner. Auch ohne den offiziellen städtischen Segen pflege noch manche Familie Tuchfühlung zu Freunden in Finnland: „Das ist echte Leidenschaft.“

Fichtner spielt auf die unwiderstehliche Anziehungskraft an, die das weite Land im Norden auf viele Menschen ausübt, die einmal dort gewesen sind. Er schwärmt von seinen Skitouren bei 33 Grad minus, wenn die Schneefläche beim Sonnenaufgang wie Millionen von Brillanten funkele.

Und von der Stille.