In 50 Jahren vom Postjungboten zum Chef der Zustellung

50 Jahre hat Rudolf Müller für die Deutsche Post gearbeitet und sich dabei vom Jungpostboten zum Leiter der Briefzustellung in Hagen hochgearbeitet. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
50 Jahre hat Rudolf Müller für die Deutsche Post gearbeitet und sich dabei vom Jungpostboten zum Leiter der Briefzustellung in Hagen hochgearbeitet. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
So eine Geschichte wie die von Rudolf Müller schreibt die Arbeitswelt heute eigentlich gar nicht mehr. Er, der 50 Jahre für die Deutsche Post arbeitete, ging in den Ruhestand.

Hagen/Lennetal.. Wenn Sie heute Ihre Post aus dem Briefkasten holen, dann denken Sie dabei doch mal ganz kurz an Rudolf Müller. Der hat nämlich 50 Jahre lang dafür gesorgt, dass diese Briefe auch wirklich in Ihrem Briefkasten landen. Vom 15-jährigen Postjungboten zum 65-jährigen verantwortlichen Leiter des Zustellstützpunktes Hagen und Umgebung.

Rudolf „Rudi“ Müller ist eine Geschichte, wie sie die Arbeitswelt von heute eigentlich gar nicht mehr schreibt. Eine Geschichte von Treue, Loyalität und dem Willen, für das Unternehmen seines Herzens bis zum letzten Arbeitstag einfach alles zu geben.

Nach oben geackert in gutem Leben

Als die Kollegin das Dankschreiben von Melanie Kreis, Vorstandsmitglied der Deutschen Post, verliest, nimmt Rudolf Müller Haltung an. Nicht prahlend, nicht auftragend, sondern dankbar. In dem Wissen, dass „seine Post“, wie er sie später in seiner Dankesansprache nennen wird, ihm ein gutes Leben mit vier Kindern möglich gemacht hat, hat Rudolf Müller sich nach oben geackert.

Ermittlungen Jetzt, da er in den Ruhestand tritt, hat Müller 50 Jahre im Dienste der Deutschen Post hinter sich. Eine Zeit, in der viele Arbeitnehmer heute entweder etliche Mal das Unternehmen gewechselt haben oder insgesamt überhaupt nicht so lange arbeiten.

„Ich wollte befördert werden“, sagt Rudolf Müller gleich mehrmals, „ich wollte vorankommen.“ Seit dem 1. April 1965, als er mit seiner Tasche loslief, um in Hagen Briefe zuzustellen, hat er das getan. Mit Fleiß, Ehrgeiz, Antrieb, aber vor allem mit Werten, die kein Arbeitgeber dieser Welt mit noch so hohen Salären von seinen Angestellten bekommt, wenn sie ihnen nicht einfach innewohnen: Identifikation und Treue. Rudolf Müller hat all das verkörpert.

Hermann Müller war Herr der Briefe bei der Post

Und er hat etwas geschafft, das nicht vielen Angestellten gelingt, wenn sie zu Führungskräften werden und plötzlich Verantwortung für Personal und Zahlen tragen: einen Spagat. Zwischen Kollegen und Führungsebene, zwischen Führungsebene und Betriebsrat. Vielleicht kann das nur jemand schaffen, der sich in „seinem Laden“ nach oben ackert und die Prinzipien und Leitideen dadurch besonders verinnerlicht hat.

Wirtschaft Und die hatten sich von einem auf den anderen Tag so stark verändert wie das Zustellen von Briefen selbst. Denn durch den Wechsel von der Deutschen Bundespost zur Deutschen Post AG war das einst staatlich subventionierte Unternehmen plötzlich ein Wirtschaftsunternehmen am freien Markt. „Plötzlich wurde jeder Arbeitsplatz durchleuchtet, alles umgekrempelt“, sagt Rudolf Müller, der seit dem Jahr 2000 Chef der Briefzustellung in Hagen, Witten, Herdecke, Wetter und Gevelsberg und damit Herr der Briefe in der gesamten näheren Region war.

„Guter Job, wenn wir erfolgreich sind“

„Wir Führungskräfte machen dann einen guten Job, wenn wir Erfolg haben“, sagte er gestern bei seiner Verabschiedung. Im Briefzentrum umarmten ihn Mitarbeiter, sprachen ihm letzte lobende Worte zu. Jetzt wird er sich mit seiner Frau seinem Leben nach der Arbeit widmen. Einem Leben nach 50 Arbeitsjahren in einem Unternehmen. Denken Sie doch beim Briefkastenleeren heute mal an Rudolf Müller.