Impfung der Rinder wird auf den Weiden zum Abenteuer
07.07.2008 | 17:24 Uhr 2008-07-07T17:24:00+0200Breckerfeld. Bis vor zwei Jahren kannte hierzulande kaum jemand die Viehseuche „Blauzungenkrankheit”. Nachdem im vergangenen Jahr in NRW ca. 30 000 Schafe und 8000 Rinder verendeten oder getötet werden mussten, sorgten die wirtschaftlichen Schäden für die Notwendigkeit, gegen die Seuche anzugehen.
In diesem Jahr begann deshalb in Nordrhein-Westfalen am 15. Mai die Impfung zur Immunisierung der Tierbestände. Im Ennepe-Ruhr-Kreis laufen die Impfungen jetzt an. Für Schafe, die für die Erreger anfälliger sind als Rinder, besteht Impfpflicht. Fachleute empfehlen allen Haltern von Rindern, Schafen und Ziegen, diese impfen zu lassen. Die Kosten der Impfung übernimmt die Tierseuchenkasse NRW gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen
Die heimischen Landwirte haben bei ihren Kühen und auch beim Jungvieh einige Sorgen. Denn es ist bekannt, dass nach der Impfung bei Kühen Fehlgeburten vorkommen. Unklar ist, ob der Impfstoff oder die Aufregung beim Impfvorgang Auslöser dafür ist. Ein heimischer Hoftierarzt rät deshalb, bei älteren Tieren eine Blutprobe auf Antikörper gegen die Blauzungenkrankheit untersuchen zu lassen. Die Kosten von sechs Euro pro Tier muss der Landwirt allerdings selbst tragen. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung auf einem Breckerfelder Hof: Von 92 tragenden Rindern und älteren Kühen hatten 79 Antikörper gegen die Seuche im Blut. Sie müssen im letzten Jahr durch Mücken mit Erregern infiziert worden sein, ohne dass die Krankheit sichtbar zum Ausbruch kam. Der Kreisveterinär hat deshalb entschieden, dass die 79 Tiere nicht mehr geimpft werden müssen. Sie haben auf natürliche Art einen Impfschutz erworben. Die restlichen 13 älteren Rinder sind zur Impfung angemeldet, ebenso wie 50 Jungtiere.
Dabei gibt es jetzt ein weiteres Problem. Die Tiere befinden sich seit dem Frühjahr in artgerechter Haltung auf den Weiden. Ein Landwirt: „Unser Jungvieh nutzt die Berghänge in den Bachtälern rund um die Hansestadt.” Die Tiere könne man nicht mal so eben impfen. Die erste Impfung werde wahrscheinlich mit einigem Aufwand noch gelingen. Der Praktiker: „Wenn dann nach drei bis vier Wochen die Wiederholungsimpfung durchgeführt werden muss, werden die Tiere schon flüchten, wenn sie den Tierarzt nur riechen.” Man werde versuchen, das Problem zu lösen, hoffe aber, dass in den Folgejahren die Impfungen erfolgen, bevor im Frühjahr der Almauftrieb auf die Breckerfelder Berghänge stattfinde. Die Veterinäre in Schwelm seien für den ungünstigen Zeitpunkt der Impfung der Jungtiere nicht verantwortlich, die Termine würden „irgendwo oben am grünen Tisch” festgelegt.
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