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Altersarmut

Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber

30.01.2012 | 21:02 Uhr
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
Mit der Rente wird das Leben nicht immer leichter. Zwar ist das Arbeitsleben vorrüber, doch oft reicht die Rente nicht aus, den erworbenen Lebensstandard abzusichern.

Hagen.In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Hagen der Anteil der Menschen über 65 Jahre, die sich mit einem 400-Euro-Job ihre Rente aufbessern, deutlich erhöht. „Statt eines wohlverdienten Rentenabends droht immer mehr Senioren die Altersarmut“, kritisiert Jochen Marquardt, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaft Bundes (DGB).

Vor zehn Jahren besserte nur rund jeder 23. Hagener zwischen 65 und 74 Jahren seine Rente durch einen Minijob auf. Ende des Jahres 2010 weist die Statistik aus, dass bereits jeder 14. Hagener Rentner zwischen 65 und 74 Jahren in einem 400-Euro-Job arbeitete. Während sich die Zahl der 65- bis 74-jährigen Einwohner zwischen dem 1. März 2000 und dem 1. März 2010 nur geringfügig von 22.076 auf 22.894 änderte, stieg die Zahl der Mini-Jobber in dieser Altersgruppe im selben Zeitraum um 67 Prozent von 972 auf 1625. Ähnlich verlief die Kurve bei 400-Euro-Jobbern, die bereits älter als 75 Jahre sind. Vor zehn Jahren gab es in Hagen 111 Rentner in dieser Altersgruppe, die einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgingen. Im Jahr 2010 waren es bereits 242. Hagen ist freilich kein Sonderfall. Eine ähnliche Entwicklung gibt es im Ennepe-Ruhr-Kreis, wo binnen drei Jahren die Zahl der minijobbenden Rentner um 20 Prozent anwuchs.

DGB: Keine gute Entwicklung

„Diese Zuwächse sind erheblich. Das ist keine gute Entwicklung“, sorgt sich DGB-Chef Marquardt, der vermutet, dass der weitaus größte Teil dieser Menschen notgedrungen ihre Rente aufbessern und nur wenige dieser Senioren nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben eine willkommene Abwechselung in einem 400-Euro-Job suchen. Es seien auch immer mehr ältere Frauen, die ihre karge Rente aufbessern würden. „Für viele dieser Menschen“, sagt Marquardt, „ist das mit einem Schamgefühl behaftet.“ Das direkte Umfeld – zum Teil selbst nicht die Kinder – wüssten häufig nicht, von dem 400-Euro-Job. „Diese Arbeit findet oft auch im Geheimen statt.“

Für die Zukunft fürchtet der DGB-Chef einen weiteren Anstieg solcher Beschäftigungsverhältnisse im höheren Alter. „Es wird immer mehr Rentner geben, die arbeiten müssen.“ Daran, so Marquardt, ändere auch nichts, dass in den vergangenen Jahren ältere Arbeitnehmer wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Während in Hagen die Zahl der 55- bis 65-jährigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2000 bis 2010 von 7747 auf 10.684 anstieg, sank parallel in dieser Altersgruppe der Bestand an Arbeitslosen von 2342 auf 1454. Für Marquardt ist das kein Grund durchzuatmen: „Viele dieser Arbeitsverhältnisse sind schlecht bezahlt, andere sind Teilzeitbeschäftigungen. Die Zahl der Senioren, die ihre Rente aufbessern müssen, wird weiterhin anwachsen“, prognostiziert er.

Boris Schopper

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Kommentare
01.02.2012
07:33
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
von hagfri | #6

Bin kein Betroffener, sondern musste leider immer wieder die bittere Wahrheit den kommenden Rentnern mitteilen. Schon im ersten Schreiben, habe ich die Eckpunkte genannt. Nur wer von Bruttolöhne ausgeht,nicht Netto nimmt, die Abzüge zur tätsächen Rente (-40%), die Krankenkasse und Pflegeversicherung (-16%), also 56% vom letzten durchschnittlichen Netto von 15 Jahre, bei 45 Gesamtjahren in Ansatz bringt, dann hat man eine GUTE Rente. LEIDER ist die Wahrheit eine andere. Weniger als die Hälfte des Nettoeinkommen der letzten 15 Jahre ist auf dem Konto. Das sind Fakten. Bin gespannt welche Rechnung und Meinung jetzt kommt.

31.01.2012
12:04
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
von Kritischerkritiker | #5

Ich lese und lese Ihre Rechnung immer wieder komplett, aber da stand nichts drin von dem, was Sie nun wieder vorrechnen. Was soll ich denn komplett lesen dort?
Sie dürfen ja Ihre Meinung haben, aber sie muss nicht für alle richtig sein.
Wahrscheinlich sind Sie Betroffener. Dann sollten Sie sich selber fragen, warum Sie so wenig Rente bekommen. Siehe dazu meine 3 Punkte zu Anfang.
Nicht immer die Allgemeinheit verantwortlich machen bitte.

31.01.2012
11:59
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
von hagfri | #4

Kritischerkritiker | #3, mal meine Rechnung komplett lesen. Ausbildungszeiten werden garnicht in Ansatz gebracht, wie Lohnzuschläge.
So werden Jahre erst ab 19 oder 20 gezählt. Das macht 46 oder n ur 45 Jahre. Dann sind wir bei 65 Jahre, wenn kein Jahr fehlt. 3200€ in den den letzten Jahren, davon mind. 30% Abzüge=2240€ netto. Rente 60%=1344€, Krankenkasse-Pflege runter mit 16%, macht NETTO Rente 1128,96€. Und NUN? Gute Rente? Wer hat denn das ganze Arbeitsleben umgerechnet, den Lohn bekommen? Wenige, viele weniger, einige haben auch mehr bekommen. Deshalb müssen die meisten einen Nebenjob nachgehen um klar zu kommen.

31.01.2012
10:29
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
von Kritischerkritiker | #3

Also in meinem Bekanntenkreis haben sehr viele 40 Jahren und mehr gearbeitet, ein Nachbar sogar 46 Jahre. Früher fingen die Leute schließlich oft schon mit 15 Jahren an, zu arbeiten.
Und nun rechnen Sie mal: 16 Jahre alt, 45 Jahre eingezahlt, also dann 61 Jahre alt!
Merken Sie was? Der wäre ja immer noch unter 65!
Also sind 45 Jahre nicht ungewöhnlich. Es ist aber so, dass die meisten Leute heute wesentlich früher in Rente gehen - mit Abstrichen in der Rentenhöhe.
Übrigens, was rechnen Sie denn da vor mit dem Stundenlohn? Wenn Sie 20,- Euro Stundenlohn haben, dann sind das bei 160 Stunden 3.200,- Euro pro Monat. Wer das wirklich verdient hat, der wird auch eine gute Rente bekommen.

31.01.2012
08:23
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber,Kritischerkritiker | #1
von hagfri | #2

Scheinbar gehört der Schreiber zu den Spitzenverdienern. Wer erreicht denn 45 Versicherungsjahre? Die wenigsten. Und wenn sie es erreichen, was ist denn nachher Netto auf dem Konto? Einmal nur etwas rechnen was ein Handwerker an Rente bekommt.
Wenn er sein ganzes Leben, 40 DM=20€ Stundenlohn bekommen hätte, sind das nur netto 1200€ heute. Also vom 14. Lebensjahr an arbeiten. Lehr-Ausbildungszeiten verschwinden, wie Leistungszuschläge in den großen Steuertopf. Wurden zwar abgezogen die Beiträge, aber nie angerechnet. Nur wieviele haben immer soviel verdient? Die wenigsten. In den letzten Jahren schon garnicht mehr. Mindestlohn? Wo liegt der?
Mit jeden Rentnerjahrgang mehr, werden immer mehr gezwungen noch Nebenjob ausauszuüben, wenn sie etwas Lebensqualität erhalten wollen.

30.01.2012
22:54
Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber
von Kritischerkritiker | #1

Ich muss mich doch sehr wundern:
Noch nie vorher und nie wieder nachher wird es Rentnern finanziell so gut gehen, wie denen, die im Moment Rentner sind oder gerade werden.
Warum wird nicht hinterfragt, weshalb diese Leute einen Nebenjob haben?
Da gibt es einige wichtige Gründe!

1. Diejenigen, die einfach nicht ausgelastet sind, noch fit sind und was machen wollen. Diese Leute haben meine große Achtung, sie entstammen einer aussterbenden Generation, die immer gearbeitet hat und nicht faul sein können, solange sie noch körperlich können.

2. Diejenigen, die zu wenig einbezahlt haben, obwohl sie mehr hätten tun können, denn die Situation war früher doch wohl etwas anders, als heute. Es kann doch wohl niemand behaupten, dass man hier nach 45 Jahren voller Arbeit mit der Rente nicht auskommt. Das wird für die kommenden Generationen wohl eintreffen, nicht aber für die, die seit den 60igern in Arbeit standen.

3. Frauen als Verlierer, sie können oft wirklich nichts dafür, wenn sie am Herd standen und der Mann - wenn einer da war - nur wenig Rente erwirtschaftete.

Also: Ich bin davon überzeugt, dass spätere Rentner altersarm werden, das ist klar, weil sie keine Jobs hatten oder, wie viele Jugendlichen, keinen Bock haben, zu arbeiten. Schauen Sie doch mal spät nachts in der Bahnhofsgegend nach, wie viele Jugendliche dort abhängen und anderen Geschäften nachgehen, für die sie natürlich nichts einzahlen. Die ziehen wir später alle mit durch.

Aber die jetzigen Rentner zu bedauern ist etwas überzogen! Ausnahmen gibt es immer.

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