Immer mehr Menschen unter Betreuung

Die Zahl der Hagener unter Betreuung hat sich vervierfacht.
Die Zahl der Hagener unter Betreuung hat sich vervierfacht.
Foto: WAZ FotoPool

Hagen.. Rund 4200 Menschen in Hagen stehen unter Betreuung. Seit 1992 hat sich die Zahl der gerichtlich unter Aufsicht stehenden Personen – trotz rückläufiger Bevölkerungszahl – vervierfacht. Durch das „Gesetz zur Stärkung der Betreuungsbehörde“, das im Juli in Kraft getreten ist, hat die Betreuungsstelle der Stadt eine Vielzahl weiterer Aufgaben zugewiesen bekommen, die den Arbeitsaufwand für die Behörde deutlich erhöhen.

Die psychosoziale Arbeitsgemeinschaft Hagen (PSAG) hat als Reaktion auf die hohe Zahl von Betreuungsfällen einen Leitfaden entworfen, der Bürgern helfen soll, vor dem Schritt zur Betreuung andere Hilfemöglichkeiten abzuwägen. „Die Betreuung ist ein tiefer Einschnitt in die Privatsphäre“, sagt Friedrich Schmidt, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Stadt Hagen, „das kann in vielen Fällen vorteilhaft sein, aber die Betroffenen werden dadurch auch unselbstständiger.“ Viele der Betroffenen sind demenziell erkrankte Menschen, von denen in einer schrumpfenden, aber stetig älter werdenden Stadt immer mehr Betreuung benötigen.

20 Institutionen helfen

Im Rahmen des eingangs erwähnten neuen Gesetzes kommt auf die Betreuungsbehörde der Stadt mehr Arbeit zu. Sie soll unter anderem umfassender und in jedem Einzelfall eine Sachstandserhebung in Form eines Berichts vornehmen. „Ein erhöhter bürokratischer Aufwand, der natürlich wichtig ist, aber viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Christine Peters von der Betreuungsstelle. Zum anderen soll die Behörde genau prüfen, ob andere Hilfen vorhanden sind und gesetzliche Betreuung vermieden werden kann.

Genau da setzt die PSAG an. Sie besteht aus Mitarbeitern des Betreuungsgerichts, Dr. Nikolaus Grünherz (Leiter der Psychiatrie am Johannes-Hospital), zwei Vertretern des Ambulanten Betreuten Wohnens und dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Hagen. Alle Beteiligten, so erklärt Friedrich Schmidt, seien sich darin einig, dass alles versucht werden müsse, vor Einrichtung einer Betreuung alle Alternativen auszuschöpfen. Besteht eine psychische Erkrankung? Gibt es andere Hilfen? Welche Aufgabenbereiche sollte eine Betreuung umfassen? Das sind unter anderem Fragen, die Angehörige dabei beantworten.

„Manchmal kommt man zu der Erkenntnis, dass jemand vielleicht nur Hilfe in einem bestimmten Teilbereich benötigt. Zum Beispiel, wenn jemand im Zuge einer Depression seine Geldangelegenheiten nicht mehr regeln kann“, sagt Schmidt. Im Anhang des Fragebogens findet sich eine 20 Institutionen lange Liste, die Hilfen in bestimmten Lebens- und Alltagsbereichen anbieten und von Angehörigen oder Klienten kontaktiert werden können.