Imbiss contra Bloggerin - „Sind kein Salafisten-Treff“

Hussein Akaouch (44) in dem Imbiss Magrib-Grill in der Bahnhofstraße
Hussein Akaouch (44) in dem Imbiss Magrib-Grill in der Bahnhofstraße
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Führende Salafisten besuchten den Magrib-Grill in Hagen. Der Imbiss hat Fotos gefacebookt, wehrt sich aber gegen die Bezeichnung „Salafisten-Treff“.

Hagen.. Er fühlt sich überrollt und völlig falsch dargestellt, seit gestern Morgen auf der Internetseite www.ruhrbarone.de der Magrib-Grill in der Bahnhofstraße als „Hagener Szene-Treff“ der Salafisten bezeichnet wurde. Dieser Text einer Bloggerin mit dem Titel „Salafisten-Burger“ fand in den sozialen Netzwerken wie Facebook große Verbreitung. Hussein Akaouch (44) ist nicht Besitzer des Grills, aber – wie er sich selbst bezeichnet – „erster Mitarbeiter“. Und er ist verärgert: „Mit mir hat niemand gesprochen. Wie kann man so etwas schreiben?“

Er wehrt sich in die Ecke des islamistischen Extremismus gedrängt zu werden. Er will sich aber auch nicht von den Kunden distanzieren, die bei ihm gegessen haben und von deren Besuchen Bilder auf der Facebook-Seite des Magrib-Grills gepostet wurden. Zu sehen ist unter anderem Sven Lau, der sich Abu Adam nennt. Aufgewachsen im katholischen Elternhaus ist der Mönchengaldbacher zum Islam konvertiert und hat als Salafist für Schlagzeilen gesorgt. Lau gilt als einer der Hintermänner der in Wuppertal provokativ aufgetretenen „Scharia-Polizei“ und stand schon mehrfach im Visier von Verfassungsschutz und Polizei. Zu sehen ist in einem Video auch Bilal Gümüs, der in Hessen Koran-Verteilaktionen organisiert hat und vom Verfassungsschutz der Salafisten-Szene zugeordnet wird.

Keine Geschlechtertrennung

Der Hagener Hussein Akaouch hat sie bewirtet, aber nicht wegen ihrer Überzeugen, wie der Familienvater betont: „Das sind Kunden, die brauchen wir. Und wenn sie noch weitere Gäste mitbringen, dann freut uns das.“ Sven Lau sei schon öfter da gewesen, und er werde ihn auch weiter bewirten. „Mich interessiert nur, was die Leute hier bei mir machen, alles andere muss der Staat regeln.“ Er habe doch auch alle möglichen Leute zu Gast. Rocker seien schon hier gewesen. Oder auch linke Gruppen. „Das sind doch auch Kunden und keiner regt sich auf.“ Was ihn zudem ärgert: Im „Ruhrbarone“-Beitrag werde der Eindruck erweckt, als herrsche in dem Imbiss Geschlechtertrennung: „Wir haben einen separaten Raum, den Frauen aber auch Familien nutzen können. Aber Frauen können sich überall hinsetzen. Auch im Minirock.“

Hussein Akaouch, der marokkanische Wurzeln hat, ist selbst gläubiger Moslem: „Ich bete fünfmal am Tage, ich faste. Aber ich wohne seit 35 Jahren in Hagen, ich bin Eckeseyer und bin gegen alles, was kriminell ist und unseren Staat gefährdet.“ Dass führende Salafisten gerade in den Magrib-Grill gekommen sind, sieht der 44-Jährige mehr im Essensangebot begründet: „Wenn wir eine Döner-Bude wären, wären die gar nicht gekommen. Aber wir bieten Burger an, die halal sind. Bei Juden würde man sagen: koscher.“

Doch warum hat der Magrib-Grill die Bilder mit Sven Lau oder das Video mit Bilal Gümüs quasi als Werbung auf der eigenen Facebook-Seite gepostet? „Weil es bekannte Leute sind“, sagt Akaouch. „Aber wir haben auch den Rapper Farid Bang eingeladen oder den Boxer Abi Azaiter – von denen werden wir auch Bilder posten.“ Beide haben eine durchaus schillernde Biographie, gelten aber nicht als religiös.

Der Staatsschutz der Polizei hat die Facebook-Postings des Magrib-Grills registriert. Die Behörde bleibt aber dabei: Es gebe keine aktive Salafisten-Szene in Hagen. Gleichwohl beobachte man nun genau, ob die mehrfache Präsenz der salafistischen Größen in Hagen Auswirkungen auf die Gemeinden habe.