Im Zeltlager gibt es so viel Wichtigeres als Zähneputzen

Breckerfeld..  Flink wie ein Wiesel huscht der achtjährige Junge über den Zeltplatz, um dann mit einer Tube Zahnpasta in der Hand im Toilettenwagen zu verschwinden und nach weniger als einer Minute schelmisch grinsend wieder herauszukommen. Gerade noch rechtzeitig ist ihm eingefallen, dass ihm seine Mama aufgetragen hatte, im dreitägigen „School´s out Summer Camp“ der Evangelischen Jakobus-Kirchengemeinde die Mundhygiene nicht zu vergessen.

Doch wie ihm wird es wohl auch den anderen 122 Kindern nicht leicht gefallen sein, ans „sich Waschen“ und Zähneputzen zu denken, gab es für sie doch im Zeltlager auf dem Hof von Dagmar und Eberhard Schmidt, idyllisch gelegen am Brockland, so viel Wichtigeres zu erleben.

Denn auch für das nunmehr vierte ökumenische Zeltlager hatte sich das Team rund um Pfarrer Paul-Gerhard Diehl ein Programm ausgedacht, das keine Langeweile aufkommen ließ. Tagsüber konnten die Mädchen und Jungen in diversen Workshops zum Beispiel in den Buchen des Krägeloher Forsts klettern, Balanceübungen auf der Slackline machen oder am Improvisationstraining teilnehmen. Geleitet wurden diese Aktionen durch geschulte jugendliche Teamer, die stetig motivierend dazu beitrugen, dass manch ein Kind glücklich und stolz anfängliche Hemmungen überwinden konnte.

Flüchtlinge zu Besuch

Bei verschiedenen Kreativ-Aktionen konnten die Kinder zum Beispiel Traumfänger basteln oder „stinknormale Steine“ in kleine Kunstwerke verwandeln. Zwischendurch gab es auch immer wieder eine Zeit des Freispiels oder Ausruhens, bevor sich am Abend alle in der großen Scheune zu ausgelassenen Quiz- und Aktionsspielen wie „Jungen gegen Mädchen“ oder „Kinder gegen Teamer“ trafen.

„Obwohl in beiden Nächten kräftige Regengüsse auf die Zeltdächer klatschten, hatten nur wenige Kinder Probleme mit dem Einschlafen und sind nach ein paar Entspannungsminuten am Lagerfeuer der durchgängig besetzten Nachtwache wieder zurück in ihren Schlafsack gekrochen“, so Pfarrer Diehl. Drei, vier jüngere Kinder, bei denen das Heimweh dann doch zu groß war, ließen sich nachts von ihren Eltern abholen. „Was aber überhaupt kein Problem ist, denn es ist uns wichtig, dass alle Kinder vertrauensvoll und angstfrei am Camp teilnehmen.“ Spätestens zum Frühstück waren die Heimschläfer zurück – und die große Gemeinschaft wieder komplett.

Erstmals in diesem Jahr nahmen auf Einladung der Evangelischen Gemeinde auch drei Flüchtlingskinder aus dem Breckerfelder Wohnheim als Tagesgäste am Zeltlager teil. Was zur Folge hatte, dass sich ein ebenfalls aus der Heimat geflüchtetes Ehepaar spontan zur tatkräftigen Teamunterstützung an allen drei Tagen einfand. „Können wir helfen?“, so ihre Frage, und wohl selten hat man einen erwachsenen Mann mit einem steten Lächeln im Gesicht den Spüldienst übernehmen sehen.

Zum Abschlussgottesdienst am Sonntag, der von den Kindern aktiv mitgestaltet und vom Ev. Posaunenchor begleitet wurde, fanden sich gut 300 Gäste auf dem Platz vor der Schmidtschen Scheune ein. Statt einer Predigt sprach Pfarrer Diehl all jenen seinen Dank aus, die für einen reibungslosen Ablauf des Zeltlagers gesorgt haben – und rechnet man all die aktiven Team-Betreuer, die Workshop- und Aktionsleiter, die Zeltküchen-, Technik-, Auf- und Abbauhelfer und Nachtwachen zusammen, ergibt dies ca. 80 Erwachsene und Jugendliche, die als freiwillige Helfer daran beteiligt waren. „Ganz besonders danken wir unseren Gastgebern Dagmar und Eberhard Schmidt, die uns das Camp hier auf ihrem Hof nun schon zum vierten Mal ermöglicht haben.“

Danach hieß es für die Kinder Abschied nehmen, nicht ohne das Versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Natürlich wieder mit einer Tube Zahnpasta im Gepäck, aber auch mit der Gewissheit, dass es viel Wichtigeres gibt als Zähneputzen. Nämlich ein freundliches und aufgeschlossenes Miteinander.

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