„Im Rokoko-Kleid zum Hagener Bühnenball“

Anna Kwast (links) sucht ein Kostüm für den Bühnenball in Hagen.
Anna Kwast (links) sucht ein Kostüm für den Bühnenball in Hagen.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Wer möchte nicht einmal Prinz sein? Für einen Tag. Und zwar in Köln am Rhein oder an der längsten Theke der Welt in Düsseldorf. Und sei es nur zu Karneval.

Das macht Elke Putscher möglich. Und zwar seit nunmehr 31 Jahren. Denn im Jahr 1984 eröffnete sie am Neuen Schlossweg einen Kostümverleih. „Damals habe ich mit rund 30 Kostümen begonnen“, erinnert sie sich. Heute ist die Zahl auf rund 1000 angewachsen. Dabei ist das kleine Flachdachgebäude, das unterhalb des Schlosses liegt, eher unscheinbar, so dass die Kunden, die sich in diesen Tagen von Kopf bis Fuß für Karneval ausstatten wollen, diese Zahl auf den ersten Blick gar nicht glauben wollen.

Aber nur auf den ersten Blick. Denn die Kleiderstangen sind nämlich pickepackevoll. Und zusätzlich gibt es im Untergeschoss noch eine zweite Ebene. „Dort hängen auch die Tierkostüme“, erzählt die 69-Jährige, die eigentlich zu Beginn der 80er Jahre das kleine Städtchen an der Lenne mit einem Floristikangebot bereichern wollte. Doch die Nachfrage stimmte nicht. Deshalb machte sie aus der Not eine Tugend und suchte nach einem neuen Standbein. Daraus ist in drei Jahrzehnten sogar ein Schwungbein geworden. Denn die Nachfrage ist, der Konkurrenz durch das Internet zum Trotz, ungebrochen groß. Nicht nur zur närrischen Zeit.

Eigentlich das gesamte Jahr. Denn die Zahl der Themenpartys, zu denen die Gäste verkleidet kommen sollen, ist groß. Und auch die Oktoberfeste sind oberhalb des Weißwurst-Äquators in Mode gekommen, so dass die Kunden im Wesselbachtal nach Lederhose und Dirndl nachfragen.

Kunden kommen aus Siegen

Die Interessenten kommen dabei gar nicht nur aus dem Großraum Hagen. „Aus Siegen, Olpe und dem benachbarten Märkischen Kreis“, berichtet Elke Putscher, die sich zu besonderen Zeiten der Unterstützung von Sabine Mucke bewusst ist. „Es ist gut, wenn man eine so nette Nachbarin hat.“ Denn alleine könnte die Hohenlimburgerin die Nachfrage nicht befriedigen. Das Telefon klingelt oder die Kunden kommen ohne Anmeldung vorbei.

Nicht so Anna Kwast aus Hagen. Die ehemalige Basketballerin sucht das richtige Outfit für den Bühnenball. Und weil sie ein solches nicht im eigenen Kleiderschrank hat, war der Weg nach Hohenlimburg nicht weit.Eine schlanke, große Frau. Da hat Elke Putscher das richtige Angebot parat. „Eine Rokoko-Kleid.“ Dafür hat die Geschäftsfrau ein besonderes Faible. Anna Kwast ist dieser Idee nicht abgeneigt. Doch welche Farbe? Ein zartes Rot oder eher gold und schwarz? Die Entscheidung fällt Anna Kwast nicht leicht und wird deshalb vertagt.

Ein Großabnehmer war über viele Jahre Dr. Peter Schütze. Nicht das der langjährige Schlossspielleiter plötzlich sein Herz für den Karneval entdeckt hatte. Das war nicht der Fall. Vielmehr suchte er, ob Komödie, Schauspiel oder Tragödie die Kleidung und Kostüme für seine Mimen Jahr für Jahr am Neuen Schlossweg aus.

Mehr Männer oder mehr Frauen?

Bleiben zwei Fragen. Kommen mehr Männer oder Frauen? Elke Putscher schmunzelt und gibt sich diplomatisch. „Das hält sich die Waage.“ Und wie verhält es sich, wenn ein Narr oder ein Oktoberfest-Feierbiest das ausgeliehene Schmuckstück zum Schmutzstück gemacht hat? „Einen kleinen Teil wasche ich. Der Großteil kommt in die Reinigung“, versichert sie.