„Ich beobachte Kirche durchaus kritisch“

Detlef Schäkermann (66)
Detlef Schäkermann (66)
Foto: WP

Hohenlimburg..  Detlef Schäkermann, ehemaliger Sparkassenfilialleiter in Hohenlimburg, entdeckte vor zehn Jahren seine Liebe zur Schauspielerei und lebt diese seither beim „Theater unterm Schloss“ aus. Dass er nicht nur Komödien spielen kann, sondern auch eine durchaus ernsthafte Seite hat, beweist er eindrucksvoll mit dem Monodrama „Ich, ein Jud“, dass er am morgigen Dienstag ab 19.30 Uhr in der reformierten Kirche aufführt.

Frage: Wie kam es dazu, dass Sie sich an dieses durchaus provozierende Stück gewagt haben?

Detlef Schäkermann: Das war eigentlich Zufall. Ich habe den Text von Walter Jens gelesen und er hat mich förmlich angesprungen, nicht mehr losgelassen. Ich habe zu Karl Hartmann (Leiter Theater unterm Schloss, Anm. d. Red.) gesagt, dass er sich melden soll, wenn er mal eine ernste und schwierige Rolle für mich hat. Ich wollte schon immer mal eine schwierige Person darstellen, die mich herausfordert.

Worin liegt die Attraktivität dieses Stückes?

Es ist ein Monodrama. Ich stehe alleine auf der Bühne und führe einen Monolog. Das ist schon schwer genug, denn ich muss versuchen die Rolle so zu spielen, dass sich niemand gelangweilt fühlt. Gemeinsam mit Regisseurin Rosi Reiss, habe ich das aber, so glaube ich, ganz gut hinbekommen. Der zweite Aspekt ist der Inhalt. Es geht um Judas Ischarioth, der stets als Verräter von Jesus Christus dargestellt wird. Das ist ein durchaus interessanter Ansatz, denn Judas lässt sich mit den Begriffen Verräter und auch Heilsbringer übersetzen. Die Frage ist nun, ob er tatsächlich ein Verräter ist oder ob er im Sinne Gottes gehandelt hat. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was geschehen wäre, wenn er nicht so gehandelt hätte. Gäbe es dann möglicherweise keine Judenverfolgung? Wäre es je zu fanatischen Glaubenskriegen gekommen? Ich spiele in diesem Stück den Judas, der ein Plädoyer für sich selbst hält und aus heutiger Sicht auf die Geschehnisse in der Historie blickt. Das Stück provoziert, weil es eine Seite der Bibel aufzeigt, die viele Gläubige so nicht unbedingt sehen wollen. Es besteht eine Menge Diskussionsstoff und genau das wollen wir mit dem Stück erreichen. Ich selbst fühle mich wohl bei diesem Stück, weil es genau das ist, was ich gerne tue. Ich bin großer Freund des britischen und somit auch des schwarzen Humors. Ich mag es, wenn man provoziert und aufzeigt, dass man sich eben nicht in einer immer heilen und wunderschönen Welt befindet.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Das war recht umfangreich, weil ich selbst kein Theologe bin und ich mich zunächst mit einem mir bekannten Pastor getroffen habe, um mich in die Materie einzuarbeiten.

Das heißt, wir haben uns mit den vier Evangelien beschäftigt und herausgearbeitet, wie die Figur des Judas dargestellt wird. Im Ergebnis lässt sich sagen, dass er überwiegend schlecht dargestellt wird. Wenn man einmal in die Materie eingetaucht ist, finden sich immer neue Stellen, die Fragen aufwerfen. Rund ein halbes Jahr hat die Vorbereitung gedauert. Zudem ist der Text recht anspruchsvoll, da er sehr verschachtelt ist. Zu viel möchte ich nicht verraten. Ich freue mich aber auf die Diskussion am Dienstag.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ich würde sagen, dass ich Kirche durchaus kritisch in ihrem Verhalten beobachte. Das ist für dieses Stück möglicherweise hilfreich. Denn ich betrachte das Stück ausschließlich durch die Brille eines Amateurschauspielers. „Ich, ein Jud“ ist für mich ein Theaterstück mit theologischem Hintergrund. Nicht mehr, aber ganz bestimmt auch nicht weniger. Wäre ich ein zu 100 Prozent überzeugter Christ, würde ich das Stück möglicherweise anders darstellen.