Hunde aus Todeszellen retten

Florentina Raiciu mit Nilson, den sie auch aus einer Tötungsstation rettete.
Florentina Raiciu mit Nilson, den sie auch aus einer Tötungsstation rettete.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In Zeiten des Internets hat sich die Welt verändert. Auch für Katharina Wrazidlo. Denn durch das weltweite Netz hat sie sich dem Tierschutz verschrieben.

Hohenlimburg..  In Zeiten des Internets hat sich die Welt verändert. Auch für Katharina Wrazidlo. Denn durch das weltweite Netz hat sie sich dem Tierschutz verschrieben. Insbesondere der Rettung von Straßenhunden in Rumänien. „Ich bin durch Videos auf die unfassbaren Zustände aufmerksam geworden.

Es hat mir das Herz zerrissen“, beschreibt die Schneidermeisterin ihre Motivation, sich den Schicksalen dieser Tiere zuzuwenden und zu helfen, deren Leid zu lindern. Dabei weiß sie, dass sie bei einer geschätzten Zahl von mehr als einer Million Straßenhunden nicht überall aktiv sein kann, sondern sich auf eine Sache konzentrieren muss. „Der heimische Tierschützer Jürgen Ortmüller, der sich weltweit unter anderem für Wale engagiert, ist mir dabei ein Vorbild“, erzählt sie.

Seit mehr als zwei Jahren unterhält sie intensive Kontakte zu Florentina Raiciu, die sich in Constanza am Schwarzen Meer für die Rettung der Straßenhunde einsetzt und diese, wann immer es ihr möglich ist, aus den Tötungsstationen herausholt. Dort werden die Tiere, weil es das seit 2013 existierende rumänische Gesetz so vorsieht, hingerichtet. Nachdem sie zuvor von Hundefängern oftmals auf grausame Art und Weise mit Metallschlingen eingefangen worden sind und dann noch für einige Tage unter unvorstellbaren Bedingungen in Todeszellen untergebracht werden müssen. „Wenn diese Tiere ,Glück haben’, wird ihnen dann ein Frostschutzmittel gespritzt. Dann sterben sie innerhalb einer halben Stunde. Qualvoll.“

Jeder Hundefänger erhält pro Tier 50 Euro, weiß Katharina Wrazidlo. Aus diesem Grund sind diese besonders heiß, die Tiere einzusammeln. „Manche fangen bis zu zehn Hunde pro Tag.“

700 Euro beim Stadtfest gespendet

Deshalb bemüht sich die Wahl-Hohenlimburgerin, Florentina Raiciu finanziell zu unterstützen. „Jeder Cent, der hier eingenommen wird, fließt direkt an sie.“ So auch die 700 Euro, die der Verband für Sport um den 1. Vorsitzenden Mark Krippner beim 34. Stadtfest (diese Zeitung berichtete) für den Tierschutz eingespielt hat. Florentina (51) möchte nämlich in Constanza ein Tierheim bauen, um Straßenhunde aufzunehmen, um diese in gute Hände vermitteln zu können.

Katharina Wrazidlo hat selbst, zusätzlich zu ihrem Labrador-Rüden Lucky, zwei rumänische Hunde aufgenommen. Ihr absoluter Liebling ist der dreibeinige Mischling „Balo“, den drei deutsche Frauen einst in Constanza gefilmt und das Video ins Internet gestellt haben. „Als ich die Bilder gesehen habe, war mir klar, ich muss ihn retten.“ Deshalb nahm sie Kontakt zu Florentina auf, die zwei Wochen benötigte, um in der fast 300 000 Einwohner zählenden Hafenstadt den Rüden zu finden. Irgendwie hat die 51-Jährige das geschafft, das Tier dann nach Bukarest gebracht und dort einem Hundetransport anvertraut, der „Balo“ wenige Tage später unter der Autobahnbrücke der A 46 an Katharina Wrazidlo übergab. „Er hat sofort gehört und sich bei uns wohlgefühlt“, erzählt sie, „es ist ein unglaublich kluger Kerl, der mir nicht mehr von der Seite weicht. Ich bin seine absolute Bezugsperson.“

In Deutschland gibt es einen Schutz

Und was sagt sie jenen Menschen, die auf verwahrloste Kinder in Deutschland oder auf zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirche volle Tierheime hinweisen, die ebenfalls Unterstützung benötigen? „Diese Aussagen habe ich schon oft gehört“, versichert sie, „aber in Deutschland gibt es einen Schutz für die Tiere. Die dürfen nicht getötet werden.“ Und ein zweites Argument hat sie. „Wir leben alle zusammen in einem zusammenwachsenden Europa. Hunde kennen keine Grenzen.“