Humorvolle Tierfabel statt Kantate

Hagen-Mitte..  Die Johanniskantorei begibt sich auf Neuland: Statt geistlicher Kantaten und Oratorien präsentiert sie am Sonntag weltliche Chormusik. „Das ist für uns eine ungewohnte und spannende Sache“, sagt Kirchenmusikdirektor (KMD) Manfred Kamp. Chorsängerin Annegret Schemmann ergänzt: „Seit Anfang Mai proben wir für das Sommerkonzert und haben viel Spaß an der neuen Sache.“ Die Rede ist von einer zweiteiligen Veranstaltung, in dessen Zentrum die Uraufführung „Der ­Rabe und der Fuchs“, ein aus vier Fabeln bestehendes Stück, steht.

Anfrage an Freiburger Komponisten

„Für das Sommerkonzert haben wir vor wenigen Monaten die Liebeslieder-Kantate für Blasinstrumente und Chor von Bernhard Krol ausgewählt, allerdings fehlte uns noch ein weiteres Stück“, erinnert sich Manfred Kamp. Daraufhin habe er eine Anfrage an den Freiburger Komponisten Prof. Otfried Büsing gestellt, der spontan bereit war, für die Johanniskantorei ein neues Chorwerk zu komponieren.

Innerhalb von vier Wochen hat der 1955 in Delmenhorst geborene Komponist vier musikalische Fabeln erarbeitet – „Der Rabe und Fuchs“, „Der Frosch und der Stier“, „Die Diebe und der Esel“ sowie „Der Rat der Ratten“. Als Besetzung sieht Otfried Büsing einen vier- bis achtstimmigen Chor, acht Blasinstrumente und Percussion vor.

Die Tiere der vier Fabeln werden auf humorvolle und bildhafte Art charakterisiert, zum Beispiel der schlaue Fuchs, die quakenden Frösche und die sich ängstlich versammelnden Ratten. „Das Werk versteht sich als ,Neue Musik’ mit vielen aufregenden Orchesterklangfarben, interessanter Rhythmik und ständigen Taktwechseln“, macht der KMD neugierig.

Annegret Schemmann berichtet, dass der Chor seit etwa sechs Wochen im Gemeindehaus probe, „die Bläser aus verschiedenen Philharmonischen Orchestern Westfalens kommen erst bei der Generalprobe hinzu“. Und obwohl die Uraufführung gerade mal eine 12-minütige Spieldauer habe, müssten sich die etwa 40 Chorsänger genau so intensiv konzentrieren wie bei einer langen Passion, „eben weil die weltliche Chormusik für uns neu ist“.

Manfred Kamp zum Ablauf der unterhaltsamen Veranstaltung: „In einführenden Worten werde ich die Instrumente – darunter auch Bongos und Tom-Toms – vorstellen, dann wird die Uraufführung gesungen und gespielt, danach die Liebeslieder-Kantate, und zum Schluss wird die musikalische Fabel den ­Besuchern ein zweites Mal präsentiert.

„Weil man sich in das niemals zuvor gehörte Werk einhören muss“, erklärt Manfred Kamp die Wiederholung.