Hohenlimburgerin als transidenter Mensch diskriminiert

Katharina Hören bangt um ihre berufliche Zukunft.
Katharina Hören bangt um ihre berufliche Zukunft.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Katharina Hören ist freiberufliche Betriebswirtin und Unternehmerin aus Hohenlimburg. Beruflich wie geschäftlich hat sie seit einiger Zeit große Probleme. Hören ist transident.

Hohenlimburg.. Sie ist zwar als Mann auf die Welt gekommen, fühlt sich aber als Frau. Seit ihrem Outing im Jahr 2013 haben viele ihrer Geschäftspartner in Hagen und Hohenlimburg Abstand von ihr genommen.

Die Aufträge gingen drastisch zurück, 2015 musste sie Insolvenz beantragen. Zwei Mitarbeiter verloren deshalb ihren Arbeitsplatz. Gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) wendet Hören sich nun in einem Schreiben an den Hagener Oberbürgermeister Erik O. Schulz.

Von Geschäftsleuten angefeindet

„Wenn Sie das hier durchziehen, bekommen Sie hier keinen Fuß mehr auf die Erde“, zitiert Hören jemanden aus der Hohenlimburger Geschäfts-Szene, den sie namentlich nicht nennen will. Hören zeigt sich schockiert. „Ich dachte, wir leben im 21. Jahrhundert“, ärgert sich die 48-Jährige, die offiziell noch Frank Peter Hören heißt. Ihr Unternehmen „derHohenlimburger“ ist auf Objekträumungen spezialisiert. Zeitweise beschäftigte Hören sogar vier Mitarbeiter. Parallel arbeitete sie als Betriebswirtin, half beispielsweise in Büros aus.

USA Seit ihrem Outing hat sich die Situation aber verändert. Ihr bis dahin männliches Erscheinungsbild wurde zunehmend weiblicher, sie begann mit einer Hormontherapie. Als transidenter Mensch war sie gesetzlich sogar verpflichtet, über ihr Outing zu informieren – so sprach sie auch mit ihren Geschäftspartnern. „Die Reaktionen waren eher Verhalten“, erinnert sie sich.

Ihr Unternehmen bekam immer weniger Aufträge. Auch als Betriebswirtin im Büro fand sie keinen Job mehr. „Wie kannst du dich denn outen?“, habe sie jemand gefragt. „Ich hätte das in meinen eigenen vier Wänden gemacht.“ Für Katharina Hören ist das aber ein gesellschaftliches Missverständnis. „Ich kann das natürlich nicht nur in meinen eigenen vier Wänden machen“, betont sie.

Qualifikationen scheinen nicht mehr zu zählen

Wenn sie sich bewirbt, scheinen ihre Qualifikationen nicht mehr zu zählen. So bekam sie während eines Vorstellungsgesprächs zu hören: „Sie nehmen ja Hormone?! Klappt das denn dann noch mit dem Denken?“ Zwar hat „derHohenlimburger“ auch Auftraggeber, die mit Hörens Transidentität kein Problem haben, von den wenigen verbliebenen Aufträgen kann die 48-Jährige aber nicht mehr leben. Deshalb erhält sie finanzielle Unterstützung von Staat.

Sparpläne In dem Brief an Hagens Oberbürgermeister Schulz schildert die dgti diese Situation. Dabei macht sie auch Handlungsvorschläge. So könnten die Stadt Hagen und städtische Unternehmen beispielsweise nur noch Aufträge an Firmen vergeben, die sich verpflichten, nicht zu diskriminieren. Auch der WDR berichtet in seiner „Lokalzeit Dortmund“ am Dienstag von dem Fall.

„Durch den Druck der Öffentlichkeit kann sich eventuell etwas ändern“, hofft Katharina Hören. „Ich habe in der Therapie gelernt, dass man etwas ändern kann, wenn man drüber redet.“ Dabei geht es ihr nicht nur um ihre berufliche Situation. „Mir geht’s eigentlich darum, nicht mehr diskriminiert zu werden.“ Oberbürgermeister Erik O. Schulz hat sich bisher nicht zu dem Schreiben geäußert.