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Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht

11.10.2012 | 19:11 Uhr
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
Die Fernuniversität Hagen gibt Studenten ohne Abitur kein Bachelor-Zeugnis.Foto: Hans Blossey

Hagen/Wiesbaden.   Eigentlich könnte Felix Weimer mit 16 Jahren an der Fernuniversität Hagen seinen Bachelor-Abschluss in Informatik machen. Doch er hat kein Abitur. Und das kann er erst nachholen, wenn er 19 ist. Der Fall ist bereits vor Gericht gelandet.

Eigentlich müsste Felix Weimer der Bedeutung seines Namens entsprechend glücklich durchs Leben schweben. Eigentlich. Denn mit 16 Jahren steht der Hochbegabte an der Fernuniversität Hagen bereits vor seinem Bachelorabschluss in Informatik. Die Welt wartet auf ihn. Doch dazwischen steht noch der deutsche Behördendschungel, in dessen Dickicht sich der Junge aus dem Main-Taunus-Kreis verfangen hat. Da er noch kein Abitur hat, kann ihm die Hochschule auch kein Bachelorzeugnis ausstellen. Die Reifeprüfung kann er allerdings erst in drei Jahren ablegen – ein Sonderfall des hessischen Schulrechts.

Mit 13 Jahren ging der Junge, der bereits in der Grundschule zwei Klassen übersprungen hatte, mit Einverständnis des Schulamts in der 9. Klasse vom Gymnasium ab. Er fühlte sich unterfordert. Das frühzeitige Verlassen des Schulsystems ist nun sein Problem. Denn so hat er nur einen Hauptschulabschluss erhalten. Um eine Abi-Prüfung als Externer ablegen zu können, braucht er aber die Mittlere Reife. „Ihm geht es nicht gut, er ist ziemlich geknickt“, sagte seine Anwältin Sybille Schwarz dem Hessischen Rundfunk.

Abitur außerhalb der Schule geht erst mit 19

Gegen den Schulabschluss hat sie vor zwei Jahren bereits Klage eingereicht . Die wurde vom Verwaltungsgericht Frankfurt abgewiesen, seit Februar 2011 liegt das Verfahren beim hessischen Verwaltungsgerichtshof. Doch selbst, wenn zugunsten des Hochbegabten entschieden würde, gibt es für Felix ein weiteres Hindernis. Wer sich außerhalb des Schulsystems befindet, kann die Abiturprüfung in Hessen erst mit 19 Jahren ablegen. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums wäre ein früheres Abitur möglich gewesen, wenn Felix nicht das Gymnasium verlassen hätte und „im System geblieben wäre“. Das findet Sybille Schwarz nicht gerecht und sucht deshalb den Weg in die Öffentlichkeit.

Urteil
Turbo-Student muss Gebühren komplett an Privatuni FOM zahlen

Ein Blitz-Student aus Arnsberg erhält keinen Rabatt. Das Amtsgericht Arnsberg verurteilte den 21-Jährigen dazu, auch die ausstehenden Studiengebühren zu begleichen. Ob er das Urteil annimmt, ist noch offen.

Auch wenn Madeleine Majunke, Sprecherin des Vereins Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK), die Hintergründe der Eltern von Felix nicht kennt, sei es ein Fehler gewesen, den Jungen mit 13 Jahren von der Schule zu nehmen. „Auch wenn, wie zu lesen ist, Felix durch die Unterforderung in der Schule psychosomatische Störungen wie Übelkeit und Migräne gezeigt hat, hätte man zunächst versuchen müssen, ihn parallel zur Schule zu fordern.“

Schule ist gefordert

Vereine wie die DGhK beraten Eltern, Lehrer und Erzieher über den Umgang mit Hochbegabten und veranstalten Sonntagsschulen, in denen hochbegabte Kinder und Jugendliche zusammenkommen, um Freundschaften aufzubauen. Hochbegabte Kinder seien sehr sensibel. Deshalb sei es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass es auch andere Kinder mit besonderen Fähigkeiten gibt.

Doch auch die staatlichen Einrichtungen seien gefordert. Majunke: „Man muss sie mit ihrer Einmaligkeit akzeptieren und sie individuell fördern. Das ist nun einmal die Aufgabe der Schule.“

Turbo-Student
Private Hochschulen - klein, fein, teuer, aber auch gut?

Der „Turbo“-Student Marcel Pohl (22) ist in aller Munde: Seit er das Kunststück fertigbrachte, einen „Master“ an der Hochschule FOM in Dortmund in vier statt in elf Semestern zu schaffen, fragen sich viele, wie es um die Qualität der privaten Hochschulen steht.

  Menschen gelten ab einem Intelligenzquotienten von 125 bis 130 als hochbegabt. Davon betroffen sind nach Schätzungen der DGhK deutschlandweit 300 000 Kinder. Doch viele wüssten nicht um ihre Fähigkeiten. Um diese bei Schülern zu entdecken, können sich Lehrer unter anderem am Internationalen Centrum für Begabungsforschung (ICBF) an der Uni Münster fortbilden. „Die Schulen entscheiden selbst nach ihrem Bedarf, wie viele Lehrer sie dorthin senden“, sagte Jörg Harm, Sprecher des NRW-Schulministeriums. Das Land bietet zudem Schulen die Möglichkeit, sich im Netzwerk Hochbegabtenförderung NRW (www.chancen-nrw.de) über den Umgang mit besonders talentierten Kindern auszutauschen.

Für Felix Weimer kommen diese Ratschläge freilich zu spät. Die Fernuni kann für ihn derzeit nichts tun: „Ohne Abitur oder Abitur-Ersatz ist ein Hochschulabschluss nun einmal nicht möglich“, sagte eine Sprecherin der Fernuni.

Gregor Boldt und Harald Ries



Kommentare
20.10.2012
14:44
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von NocheinKopfschuettler | #27

Wann werden die Entscheidungsträger in diesem Land endlich erwachsen und übernehmen die Verantwortung für ihr Tun? Die Menschen und nicht die inkonsistenten Gesetze müssen endlich in den Mittelpunkt rücken. Wie kann es sein, dass diesem aufstrebenden jungen Mann, der offensichtlich trotz vieler Rückschläge, die er im System erlitten hat, doch wieder eigenverantwortlich und erfolgreich seine Zukunft in die Hand genommen hat, nun nicht endlich den Lohn davon tragen darf, sondern wieder erniedrigt wird? Wovor haben die da Angst in der Landesregierung? Dass sich dann am Tag nach Erteilung der Ausnahmegenehmigung Tausende von der Schule abmelden und studieren gehen? Erscheint mir, gelinde gesagt, unrealistisch... Und wie kann es sein, dass hier die meisten den Artikel gar nicht richtig gelesen oder verstanden haben, aber in einer so erschreckenden, menschenverachtenden Art und Weise über einen jungen Mann herfallen? Wo steht denn, dass er keine Sozialkompetenz hat etc.? Armes Deutschland!

16.10.2012
18:45
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von tomatenkiller_neo | #26

#18 Leider ist das bestandene Abitur aber kein Ausdruck für soziale Kompetenz ...

15.10.2012
22:00
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von nussknacker | #25

Ja, auch für so einen gibt es noch Normalität, sprich den Bürokratismus!
Gut so!

15.10.2012
20:15
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von calibraturbo | #24

Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Typisch deutsche Bürokratenmentalität, die die für die breite Masse aufgestellten Regeln auch für Ausnahmefälle gesetzestreu durchpaukt. Nur sind diese Regeln für Ausnahmefälle wie Felix Weimer eben nicht gedacht gewesen. Im Steuerrecht zeigt sich dieser Staat da schon viel flexibler.
Geht man davon aus, dass dieser Kommentarbereich einen repräsentativen Querschnitt für den Geisteszustand der Bevölkerung darstellt, wird Felix Weimer wohl ein Einzelfall bleiben. Wäre nur mal interessant zu wissen, wieso sich so viele hier ausreichend qualifiziert fühlen, Statements zum Thema Hochbegabung abzugeben.

15.10.2012
18:23
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von b.scheuert | #23

Oh, ist hier der Chat für gestrandete Existenzen? Schon mal überlegt, das dieser Junge in einer anderen Liga spielt und seine Intelligenz sich leider nicht an willkürliche Altersregeln hält? Das ist eine typisch deutsche Provinzposse, mir tut der Junge leid. Aber weiterhin viel Spaß beim "neiden". :-))

15.10.2012
17:40
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von berenis | #22

Hallo Jorgel
nicht aus dem Internet zusammen gesucht ,sondern selber betroffen. Spreche also aus langjäriger Erfahrung.Wie gesagt :Schlau machen und dann reden :))

4 Antworten
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von b.scheuert | #22-1

Sie haben aber auch Ansprüche! :-)

Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von nachtigallfan | #22-2

Ja, als Betroffener hat mans nicht leicht!
Das geht über MitschülerInnen, LehrerInnen, Verwandtschaft, die einem das neiden und teilweise gar mobben.
Wenn man Pech hat, geht es sogar im Beruf weiter, mit den Chefs, die Leute mit guten Ideen auch nicht ertragen können.

Da frage ich mich doch: wer hat da keine Sozialkompetenz?

Die anderen, die es einem nicht gönnen?
Oder der Betroffene, der sich weigert, einen auf doof zu machen, damit die Anderen ihn in Ruhe lassen?!
Und wie will er bei Bewerbungsgesprächen denn seine relativ schlechten Noten erklären? Er habe es tun müssen, um in Ruhe gelassen zu werden?
Glaubt ihm das irgendwer?!

Und warum das ganze?!
Genau: alles wegen der (potentiellen) Reaktionen der Anderen, die sich leider immer wieder bestätigen! Ausnahmen bestätigen hier nur die Regel!

@nachtigallfan
von Jorgel | #22-3

Har har huch, hab mich gerade verschluckt. Selten so gelacht...

Alle anderen sind schuld, weil sich der Überschlaue nicht anpassen will - und potetielle Ablehnung auch noch unterstellt, wenn sie gar nicht stattgefunden hat.

Das hört sich an, wie bei einer Sitzung beim Psychotherapeuten: Herr Doktor, alle sind so doof, nur ich nicht...

Wenn das Ernst gemeint sein sollte, konnten sie einen besseren Beweis für menschliche Unreife und soziale Inkompetenz gar nicht liefern.

Aber das war doch wohl ein Witz, oder?

@berenis
von Jorgel | #22-4

Hallo berenis,
wenn sie so schlau sind, warum benutzen sie dann nicht die Antwortfunktion?

15.10.2012
16:34
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von Glucken-Mutti | #21

Ich finde die Regelung, dass er nun erst mit 19 sein Abi machen darf, totalen Quatsch.
O.k. - er braucht das Abi als Nachweis für seinen weiteren beruflichen Werdegang. Dann lasst doch die bürokratischen Hürden fallen und ihn im nächsten Frühjahr einfach die Abi-Prüfung mitmachen - fertig.
Auf diese Weise hat er noch ein halbes Jahr Zeit, sich vorzubereiten und schreibt die Abi-Klasusuren halt mit 17. Wen oder was sollte das stören ???
Meine Güte - da wird in unserem Land so oft der "Bildungsnotstand" bejammert, es gibt Programme gegen Schulverweigerer und -Abbrecher. Aber wenn einer fix ist und sich mit dem Lernen leicht tut, dann wird im ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt.... Armselig !

1 Antwort
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von b.scheuert | #21-1

100 % Zustimmung!

15.10.2012
16:23
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von berenis | #20

Hallo an euch
die meisten Antworten ,die ich hier lese zeugen von Neid? Missgunst?oder was sonst.Fest steht ,dass ihr überhaupt keine Ahnung habt über was ihr da schreibt.Macht euch schlau :)) Sollte ja im Zeichen des Internets kein Problem sein ,wenn der IQ stimmt? Genau wegen solcher Kommentare und den Menschen ,die so denken ,ziehen Hochbegabte sich zurück und meiden häufig den Kontakt zu anderen. Sie versuchen es zu vertuschen ,dass sie Probleme haben so zu denken ,zu reden und zu handeln wie Normalbegabte. Sie versuchen sich anzupassen und so entstehen Probleme, die sie mit einem toleranteren Umfeld nicht hätten.
Hochbegabte sind keine Wissenspanzer ,denen von überehrgeizigen Eltern alles antrainiert wird,sondern sensible ,wissbegierige Kinder ,denen es leicht fällt logische Zusammenhänge zu begreifen ,umzusetzen und weiter zuführen.Also bitte Hirn einschalten vor dem verfassen von Kommentaren .:))

1 Antwort
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von Jorgel | #20-1

Wenn er mit 13 Jahren die Schule verlassen durfte, lag das mit Sicherheit nicht an ihm selbst, sondern an seinen Eltern. Was eher für überehrgeizige Eltern spricht, als für die Gründe, die sie sich aus dem Internet zusammengesucht haben...

15.10.2012
15:02
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von r.kante | #19

Wieso Hochbegabt?
Weil er in einer Sache gut ist?

15.10.2012
14:00
Hochbegabter 16-jähriger Student bekommt den Abschluss nicht
von ueberfliegerin | #18

Auch wenn es gerne immer mal wieder unter den Tisch fallen gelassen wird: Das Abitur ist ein Reifezeugnis (Das österreichische Äquivalent zum deutschen Abitur heißt übrigens "Matura", von lat. "maturus" = reif).

Es geht beim Abitur nicht nur darum unkontrolliert unendlich viel Wissen anzuhäufen, sondern auch darum, einen gewisses Maß an Sozialkompetenz zu erlangen. Das braucht Zeit - und wenn man sich in der sechsten Klasse außerhalb der Schule hauptsächlich mit bspw. Integralrechnung, etc. beschäftigt, benötigt die Entwicklung der Sozialkompetenz wahrscheinlich umso mehr Zeit.

Daher kann man nicht nach der 9. Klasse die Schule verlassen, nur weil die Eltern von Geburt des Kindes an mutmaßlich alles daran gesetzt haben, eine universale Wissensmaschine zu züchten.

Wer es nicht schafft, diese Sozialkompetenzen wie bspw. die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, zu entwickeln, der ist möglicherweise nicht reif für das Abitur.

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