Historisches Unrecht

Leserbrief Lars Vogeler zu Völkermord an Armeniern. Die Frage ist , ab wann berechtigt es die Gegenwart die Geschichte, wie Lars Vogeler empfiehlt, die Taten vorheriger Generationen, als schuldig zu beurteilen?

Seine Meinung ist berechtigt, dass eine Vokabel nichts an historischem Unrecht ändert, sei es ob sie erst 1948 existent war oder 1915. Da das Unrecht – das heißt Völkermorde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor 1915 – absolut an kein geschichtliches Datum gebunden ist. Man soll sich hüten, sich als Richter der geschichtlichen Vergangenheit berufen zu fühlen!

Der Umgang mit historischem Unrecht ist für mich ebenso beschämend wie für Lars Vogeler, ist jedoch auch Realität in der Menschheitsgeschichte. Nur einige Beispiele unzähliger Völkermorde vor 1915: Der Kreuzzug der christlichen Ritter, z.B. bei der Eroberung 1099 von Jerusalem mit 35 000 Toten war ebenso Völkermord wie das Blutbad der Hugenotten in der Bartholomäusnacht in Paris am 24.6.1572 mit 25 000-30 000 Toten (Protestanten) – Nicht zu vergessen, die Ausrottung der Ureinwohner der Indianer durch Amerika. Oder war die Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki mit über 200 000 Toten kein Völkermord? Oder die Völkermorde nach 1945 auf der ganzen Welt…


Also nochmals die Frage: Wo ist die Richtschnur aufzusetzen? Für die Zukunft und Gegenwart sollte sie zwingend aufgelegt werden, damit solche Verbrechen nicht mehr begangen werden können.