Historisches "Handwerk zum Spielen" im Freilichtmuseum Hagen

Mit  „Handwerk zum Spielen"  ist die Ausstellung im Freilichtmuseum  überschrieben.
Mit „Handwerk zum Spielen" ist die Ausstellung im Freilichtmuseum überschrieben.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Sonderausstellung „Früh übt sich“ wird am Sonntag um 13 Uhr im Freilichtmuseum Hagen eröffnet. Sie zeigt Spielzeuge der vergangenen 150 Jahre.

Hagen.. Es ist eine geschickte Kombination aus Handwerk und Spielzeug. Die Sonderausstellung, die ab Sonntag, 31. Mai, im Freilichtmuseum zu besuchen ist, verbindet das Spielerische mit dem Lehrreichen. Es gibt nicht nur interessante Spiel- und Baukästen, teils historisch anmutende Brett- und Kartenspiele sowie Bilder- und Märchenbücher zu bewundern, sondern ganz nebenbei wird den Gästen auch noch eine Menge über alte Handwerkskunst sowie über Gepflogenheiten und Lebensumstände der Handwerker in der Mitte des 19. Jahrhunderts vermittelt.

Jahresausstellung im kompletten "Haus Sümmern"

„Früh übt sich – Handwerk zum Spielen“ heißt die Jahresausstellung, die im kompletten „Haus Sümmern“ im oberen Bereich des Freilichtmuseums gezeigt wird. Auf gut 120 Quadratmetern Fläche wirft die Ausstellung einen Blick in die Kinderzimmer der vergangenen 150 Jahre.

„Es ist keine fachspezifische Schau, die nur Tüftler und Bastler anspricht, sondern eine Ausstellung für die ganze Familie“, unterstreicht Uta Wenning-Kuschel. In kleinen Räumen und auf verschiedenen Etagen präsentiert, wirkt alles gemütlich – eben familiär. „Und wir laden die Besucher ein, selbst zu spielen. Im Spielzimmer gibt’s einen Spielteppich – er stammt aus dem Jahre 1900 – und verschiedene Würfelpuzzle. Schließlich ist das Wesen des Spielens das Anfassen“, ergänzt die Museumssprecherin.

Aktion Ortswechsel: In der oberen Etage zischt, rattert und klappert es. „Ja, man hört etwas – die Ausstellung ist lebendig“, begeistert sich Anke Hufschmidt. Und zeigt auf eine große Installation, bei der zwei Dampfmaschinen zahlreiche kleinere Maschinen antreiben. Die stellvertretende Museumsleiterin präsentiert während eines Rundgangs durch „Haus Sümmern“ die einzelnen Ausstellungs-Stationen und erzählt interessante Geschichten aus der Zeit, als Spielzeug noch viel mehr Statussymbol war als heute: „In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die deutsche Spielzeugindustrie zum Weltmarktführer. Sie bot immer neue Produkte an, um die Nachfrage anzuregen. Aber nur wohlhabende Familien konnten sich Spielzeug leisten.“

Spielzeug in den Kinderzimmern muss Zeitgeist treffen

Allerdings gab es manche Spielwaren in unterschiedlichen Preisklassen, so erreichten manche Produkte auch ärmere Leute. Dass die Ware Spielzeug den jeweiligen Zeitgeist treffen musste, war wichtig, schließlich mussten die Produkte an den Kunden gebracht werden; der Verkauf von Spielzeug war lukrativ.

Natürlich wurden im Spielzeug auch gesellschaftliche Leitbilder aufgegriffen, „vorgeschriebene Rollenmuster wurden übernommen“, erläutert Hufschmidt. So spielte ein typisches Mädchen damals mit ihren Freundinnen „Komm, back mit mir“ oder „Der Kinderfriseur“, während der Bruder mit seinen Kameraden mit dem „Kleinen Schwachstrom-Elektriker“-Baukasten herumtüftelte.

Handwerksberufe in Spielformen

Die zentrale Frage „Wo taucht Handwerk im Spiel auf?“ schwebt über der ganzen Ausstellung. Und tatsächlich begegnen den Besuchern überall Schreiner, Schornsteinfeger oder Bäcker. Auf Spielkarten, Brettspielen, in Bausätzen. „Manchmal wurden die Berufsbilder den Kindern recht praxisnah mit dem Anspruch der Berufsvorbereitung näher gebracht, zum Beispiel in Form von Werkzeugkästen, die handwerkliche Fähigkeiten vermitteln sollten. Oft wurden die unterschiedlichen Berufe aber auch in humorvoller Weise – wie bei Kartenspielen mit lustigen Motiven – aufgegriffen“, macht die Museumsfachfrau auf die Schau neugierig.