Historische Führung über den Promi-Friedhof

Wehringhausen..  Nicht übermäßig auffällig ist der graue Quader am Eingang des Buschey-Friedhofs. Dafür aber einer der interessantesten Grabsteine des ältesten Friedhofs in Hagen. Hier begraben liegt August Kuth, einst Mitarbeiter von Karl Ernst Osthaus im Folkwang-Museum. Ein steinernes Kreuz hebt sich vom quadratischen Grundriss ab. Gestaltet wurde er vom niederländischen Architekten Johannes Ludovicus Mathieu Lauweriks. „Sie sehen hier außerdem eine ganz besondere Schrift. Das ist schon sehr außergewöhnlich“, erklärt Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth May. Sie ist nicht nur Buschey-Friedhof-Expertin, sondern leitet auch diese VHS-Führung entlang der historischen Grabstätten. Heute sei der Buschey-Friedhof eine stadt- und kulturhistorische Kostbarkeit, teilt sie mit.

Gemeinschaftsfriedhof

Eingeweiht wurde der Friedhof 1810. „Das Besondere ist“, May wendet sich an die knapp 20 Teilnehmer der Tour, „dass sich drei Gemeinden dafür zusammengeschlossen haben.“ So entstand damals unter der Anweisung von Hagens Bürgermeister Carl Ludwig Christian Dahlenkamp ein Gemeinschaftsfriedhof der katholischen, evangelischen und reformierten Gemeinde.

Elisabeth May steuert das nächste Grab an. „Familie Gustav Moll“ steht auf dem prächtigen Stein. Während May Details erklärt, ist Ursula Heuck-Kaeser auf der Suche nach einem neuen Motiv für ihr Album. „Ich sammle Bilder von Grabstätten.“ Sie lacht. „Schon seit 25 Jahren.“ Drei Fotoalben habe sie schon voll, mit Bildern aus der ganzen Welt. „Eigentlich komme ich aus Duisburg, bin aber vor einigen Jahren hierher nach Hagen gezogen. Für mich ist so eine Führung natürlich wunderbar.“ Wenn sie die Geschichten hinter den Grabsteinen kenne, ließe sich viel leichter ein passendes Motiv auswählen, erklärt sie. Ihre Schwester Ingeborg Käuper-Schraetz zückt die Kamera. „Die ist immer dabei“, sagt sie.

Weiter geht es zu den privaten Grabstätten der Familien Elbers, Osthaus und Funcke. Dort stehen drei Plastiken des belgischen Bildhauers George Minne. Eine ganz andere Grabsteingestaltung, als bei den beiden Ruhestätten zuvor. May erklärt: „Hier ist beispielsweise die Skulptur ‘Unsterblichkeit’ zu sehen.“ Sie deutet auf den Grabstein, auf dem Carl Ernst August Osthaus, Selma Emilie Osthaus, und Laura Christiane Osthaus zu lesen ist.

Nebenan sind zwei Halbgeschwister von Karl-Ernst Osthaus begraben. Auch hier zieren Skulpturen („Auferstehender Jüngling“, „Büste einer jungen Frau“) die Grabsteine. Während der Tour fallen immer wieder die selben drei Namen: Elbers, Osthaus und Funcke. „Daran lässt sich auch erkennen, wie verwoben die Familien privat und geschäftlich waren“, so May.

Nächster Stopp ist eine elegante Halbnische: Familie Eduard Elbers steht dort in Stein gemeißelt geschrieben. Darunter ein Bronze-Relief, das ein Paar zeigt, wie es eine Schale hebt. „Hier sind Formen des Klassizismus zu sehen.“ Elisabeth May deutet in Richtung Relief: „Dieses Abbild nimmt Bezug auf ein anderes Grab auf diesem Friedhof, nämlich das von Carl August Fischer.“ Auch an dem hält das Grüppchen, ehe es zur pompösen Gruft der Unternehmerfamilie Elbers geht. Das ebenfalls klassizistisch anmutende Bauwerk „besticht durch Bescheidenheit“, merken Tour-Teilnehmer ironisch an. Auf modernen, schwarzen Tafeln stehen allerdings etliche Namen, die keine Verbindung zur Unternehmerfamilie haben. „Die Gruft wurde wieder zugänglich gemacht, und inzwischen kann sich jeder dort begraben lassen“, beantwortet May die fragenden Blicke.

Auch am einzigen Mausoleum des Friedhofs, in Privatbesitz der Familien Dahlkamp-Voswinckel, wird Halt gemacht, ehe die Gruppe unter der Leitung von Elisabeth May mit kleineren Zwischenstopps wieder den Ausgangspunkt ansteuert: den Grabstein von August Kuth.