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Herzstillstand in Badewanne durch defektes Handykabel

08.03.2016 | 06:00 Uhr
Herzstillstand in Badewanne durch defektes Handykabel
Das ist das Ladegerät, das ganz offensichtlich den fast tödlichen Stromschlag in Hagen ausgelöst hat. In dem Stecker, der die Spannung eigentlich transformieren soll, gibt es offensichtlich einen Defekt.Foto: Alex Talash

Haspe.   Jetzt spricht der 21-Jährige aus Hagen, der in der Badewanne einen Herzstillstand erlitten hatte, als er sein I-Phone nutzte. Ein Elektromeister bestätigt: Das defekte Ladekabel war die Ursache.

Der Herz-Kreislauf-Stillstand, den ein 21-jähriger Hasper am 9. Februar in der Badewanne erlitten hatte (WP berichtete ), ist wohl doch durch ein Handy-Ladegerät verursacht worden. Den Schluss legt jedenfalls die Einschätzung durch Elektromeister Ralf Zimmer von Elektro Stöcker aus der Geweke nahe. Er hatte das Ladegerät untersucht. Das Ergebnis: Statt 5 Volt Gleichspannung lagen mehr als 100 Volt Wechselspannung an. Diese Spannung würde ausreichen, um einem Menschen erhebliche Schäden zuzufügen.

Nach dem tragischen Unglück war von Experten zunächst angenommen worden, dass das Handy-Ladegerät selbst in einer Badewanne nicht für einen tödlichen Stromschlag in Frage kommen kann. „Ich habe auch gesagt: Das kann niemals der Grund sein“, so Elektromeister Ralf Zimmer. „Aber ich bin eines Besseren belehrt worden.“

Der 21-Jährige Student hatte das Unglück nur dank der schnell eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen überlebt und keine Schäden davon getragen. Gemeinsam mit seiner Mutter, die ihn gefunden hatte, spricht er in der WESTFALENPOST erstmals über die tragischen Ereignisse. Namentlich wollen sie allerdings nicht genannt werden.

Mutter findet leblosen Sohn

Nur eine Brandwunde in Form eines Smartphones erinnert im Brustbereich an den Vorfall vom 9. Februar. Der 21-Jährige wollte sich abends ein Erkältungsbad nehmen und nahm sein Handy mit ins Bad. Er steckte es zum Laden an die Steckdose und nutzte es mit beiden Händen in der Badewanne, als ihn plötzlich ein Stromschlag zum Krampfen brachte und anschließend einen Herzstillstand verursachte. Die Mutter, die schon auf dem Weg zu einer Mieterversammlung sein wollte, hörte plötzlich ungewöhnliche Laute aus dem Bad.

Auf Nachfrage folgte keine Reaktion. Sie ging in das Badezimmer, rüttelte an dem 21-jährigen, bekam nach eigener Aussage selbst noch „einen kleinen Wisch“. Geistesgegenwärtig zog sie sofort das Ladegerät aus der Steckdose und nahm das Handy aus der Hand ihres Sohnes. Im Hausflur rief sie laut um Hilfe. „Alle Nachbarn sind gekommen, drei haben meinen Sohn aus der Badewanne gezogen und mit der Reanimation begonnen, eine Nachbarin rief den Rettungsdienst“, so die Mutter. Der Schock sitzt noch sichtbar tief.

Die Bilder gehen ihr nachts nicht mehr aus dem Kopf. Ein Feuerwehrmann, der zufällig zu dem Zeitpunkt mit einer Nachbarin telefonierte, gab wichtige Anweisungen zur Laienreanimation. Der Notarzt konnte den jungen Mann mit einem Defibrillator zurück ins Leben holen. Er kam ins Allgemeine Krankenhaus und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Der 21-jährige hatte eine Menge Schutzengel bei sich, da er nur acht Tage nach dem Vorfall aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte – ohne bleibende Schäden.

FI-Schutzschalter hätte das verhindern können

„Noch heute kann ich mich nicht an den Vorfall erinnern, ich bin irgendwann im Krankenhaus wach geworden und fragte nur: Warum liege ich hier, was ist passiert?“, so der Student. Für alle Beteiligten war das Ganze ein Rätsel. Die Ärzte untersuchten den jungen Mann gründlich. Der Auslöser des Herzstillstands war kein Herzinfarkt und auch kein Herzfehler.

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Mit Lebensrettern zweiten Geburtstag feiern

„Ich bin den Nachbarn so dankbar, dass wirklich alle schnell geholfen haben. Außerdem danke ich den Rettungssanitätern, dem Notarzt und dem Team des Allgemeinen Krankenhauses“, so die Mutter.

Für die nähere Zukunft hat ihr Sohn eine Party als ‚zweiten Geburtstag‘ geplant. Den will er zusammen mit den vielen Lebensrettern feiern.

Umso bohrender war die Frage: Was war die Ursache? „Die Ärzte informierten sich, ob ein ladendes Handy einen Stromschlag erzeugen kann, denn eigentlich dürfte sowas nicht passieren“, sagt die Mutter. „Doch es ist auch nicht ausgeschlossen, haben die Experten gesagt.“ Sie wollte es genau wissen, schaltete Elektro Stöcker ein. Meister Ralf Zimmer macht keinen Hehl daraus, wie skeptisch er zunächst war.

Doch das änderte sich, nachdem er eine Messung vorgenommen hatte: Der Stecker eines jeden Handy-Ladegerätes soll die Spannung eigentlich von 230 Volt Wechselspannung auf etwa 5 Volt Gleichsspannung transformieren, der dann durch das Kabel zu dem Handy gelangt. Selbst in der Badewanne kann dies nicht gefährlich werden. „Hier haben wir aber gemessen, dass mehr als 100 Volt Wechselspannung an der Abschirmung des USB-Kabel anlagen“, sagt Zimmer. Da das I-Phone einen Metall-Rahmen hat, wurde der Strom noch besser geleitet. Zwar saß der 21-Jährige in einer Kunststoffbadewanne, allerdings führte ein Metallschlauch durch das Wasser zur Armatur, die wiederum geerdet ist. Also: ein potenziell tödlicher, geschlossener Kreislauf.

Ein so genannter FI-Schutzschalter hätte das verhindern können. Doch den gab es in diesem Fall nicht. „In Neu- und Umbauten ist er heute Pflicht. Und in Badezimmern schon länger“, so Ralf Zimmer. „Aber das Haus hier ist schon älter. Und das Ladekabel war in einer Steckdose im Flur eingesteckt.“ In der Summe eine Verkettung von äußerst ungünstigen Umständen.

Defekt im Stecker

Doch warum wurde die Spannung aus der Steckdose nicht runter transformiert? In dem Stecker-Netzteil, so die Einschätzung von Ralf Zimmer, muss es einen Defekt geben, den er selbst aber nicht mehr näher ergründen kann. Das wird auch für den Studenten schwierig: „Es war kein Original-Ladezubehör des Handys, ich habe es über einen Drittanbieter auf der Internet-Plattform Amazon gekauft.“ Einen Hersteller oder sonstige Angaben zur Rückverfolgung stehen nicht auf dem Ladegerät.

„Es ist unglaublich, nie hätte ich gedacht, dass so etwas passieren kann. Ich weiß nicht wie viele Leute dieses Produkt im Haushalt im Gebrauch haben“, äußert sich der Sohn nachdenklich. Der 21-jährige ist direkt nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder in die Wanne gestiegen – diesmal allerdings ohne Handy. Mittlerweile hat er sich ein neues gekauft und verwendet nur noch die Originalzubehörteile.

Alex Talash und Michael Koch

Kommentare
09.03.2016
11:29
ChristianausEN | #39
von glaeseker | #40

"Nicht das defekte Ladekabel war Schuld"

Korrekt, es war das Ladegerät.

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2016-03-08 06:00
Handy, Ladegerät, Unfall, Kurzschluss, Stromschlag, Herzstillstand
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