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„Helden gesucht“

10.10.2012 | 11:08 Uhr

Hagen.   Lieber Leser: Wie der Name dieses Textes bereits verrät, soll hier ein Held gefunden werden. Du fragst dich jetzt vielleicht: „Helden finden? Was soll das? Ich dachte, die kommen von alleine und man sieht sie dann im Fernsehen, oder nachts über Häuserdächer springen? Und überhaupt: Was ist denn das für eine Überschrift, ,Helden gesucht’? Als würde ich in diesem Text jetzt einen Helden finden.“

Recht hast du, lieber Leser, aber würdest du gerade vor mir stehen und mir das da sagen, dann würde ich dir das hier antworten: „Ich habe keine Ahnung.“ Allerdings weiß ich, dass man, wenn man etwas sucht, am besten damit anfängt, herauszufinden, was das überhaupt ist, was man da sucht. Da ich nun also Helden suche, habe ich mir die Frage gestellt: „Was ist überhaupt so ein Held? Und was kann der?“ Um dies zu beantworten, bediente ich mich des Rates eines klugen Menschen. Ich fand folgendes dabei heraus: Ein Held ist ein Mensch (oft ein Halbgott, selten eine Frau) mit besonders herausragenden Fähigkeiten, die ihn zu besonders herausragenden Tätigkeiten, sogenannten „Heldentaten“, treiben, durch welche er wiederum sogenannten „Heldenruhm“ erlangen kann (wenn ihm jemand dabei zusieht und das toll findet).

Typische Taten

Typische Heldentaten sind: Drachen und Riesen erschlagen, Blutrache, Jungfrauen aus Bedrängnissen retten oder in einem Spinnenkostüm auf einer gigantischen Brücke stehen und an Spinnenfäden Autos durch die Gegend schleudern. Nebenbei sieht man natürlich auch noch unglaublich gut dabei aus: Nicht zu dick, nicht zu dünn und ein Blick, der Feinde erstarren und Jungfrauen schmelzen lässt…

Bei all dem ist es auch noch wichtig, mindestens einmal sein Leben aufs Spiel zu setzen; und, ach ja: Der Auftritt eines Helden ist nicht selten von den Gezeiten vorbestimmt und auf der Erde selbst schon seit Jahrtausenden bekannt, bevor der Held selbst davon erfährt. Du, Leser, wirst dir jetzt wahrscheinlich denken: „Ach so, genau. Wenn das so wäre, dann gäbe es ja gar keine Helden mehr, weil, wo zur Hölle, soll ich bitteschön einen Drachen herbekommen (oder gar eine Jungfrau)? Und wenn ich dann doch einen habe und ich ihn umbringe und man mir nicht dabei zuguckt, wie soll ich denn dann zum Helden werden? Und zu dem Spinnenkostüm: Da war ja sogar der letzte Film schon scheiße, das ist doch mittlerweile ganz schön out, diese Form von Heldentum. Und dann auch noch gut aussehen? Hallo? Das weiß doch heutzutage jeder, dass die Menschen nicht aus dem Katalog kommen.“

Manipulierte Schleimbolzen

Recht hast du, lieber Leser, aber würdest du gerade vor mir stehen und mir das da sagen, würde ich dir das hier antworten: „Ich habe keine Ahnung, aber diese Theorie würde meine Frage klären, warum das Wort ‚Held‘ auf der Straße nur noch ironisch verwendet wird, und auch, warum 13-jährige Mädchen sich Poster von chirurgisch manipulierten Schleimbolzen über ihre Betten hängen (eine Frage, die ich mir schon mein halbes Leben lang stelle)“.

Ansonsten würde ich vermutlich noch anmerken, dass ich es doch sehr schade fände, wenn es tatsächlich keine Helden mehr geben würde und da doch mal bitte jemand kommen soll, Spinnenkostüm hin- oder her, der das ‚wieder heile macht‘. Du, verehrter Leser, würdest jetzt sagen: „Toll. Was ein sinnloser Text, und ich hab es vorher gewusst: Hier wird eh kein Held gefunden“. Ich würde dann sagen: „Tja. Ich hab‘s versucht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt! Wenn du alles so viel besser weißt, dann sag du mir doch mal was ein Held ist und was der so macht! Sei ein Held und zeig uns einen Helden, damit die gelangweilte Jugend ihre DSDS-Poster abhängen kann und auf der Suche nach Abenteuer und Anerkennung nicht immer bei den Nazis landet! Ich steh übrigens auf Bilder, E-Mails les ich nicht und einen Briefkasten hab ich nicht, also wie wäre es, wenn du einfach bei ,Clip2’, dem Hagener Kurzfilmfestival mitmachen würdest? Alles was du brauchst ist ein Handy mit Videofunktion und zwei Minuten Zeit, ich würde mich freuen (das Motto ist übrigens ,Helden gesucht’). Ich bin gespannt!“

Laura Bräuer



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