„Heizkosten gerechter auf die Mieter verteilen“

Die Vivawest-Anlage an der Wiesenstraße 54 / 56.
Die Vivawest-Anlage an der Wiesenstraße 54 / 56.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Nicht nur die Mieter der Vivawest-Wohnungen von der Wiesenstraße (diese Zeitung berichtete am Mittwoch ausführlich) klagen über die Höhe der Heizkosten. Beschwerden kommen auch aus Boele oder Letmathe.

Auch dort soll es, so wie in Hohenlimburg, Einrohrheizsysteme geben, die in den 60ern und den 70er Jahren in mehrgeschossigen Gebäuden eingebaut wurden und damals als Stand der Technik galten.

Das ist heute nicht mehr der Fall, weil dieses Verfahren erhebliche Nachteile aufweist. „Die Mieter müssen mit diesem System leben. Es ist nämlich schwierig, daran etwas zu ändern. Die Vermieter können schließlich nicht einzelne Wohnungen umstellen“, betont Friedrich W. Fischer, unabhängiger Sachverständiger.

Wichtig sei deshalb, dass die Wohnungen aller Verbraucher, die an einem geschlossenen Heizungssystem angeschlossen sind, mit denselbe Heizkostenverteilern ausgestattet sind. Das sei insbesondere bei jenen neuen elektronischen Geräten von Bedeutung, wie sie Vivawest im Sommer 2014 an der Wiesenstraße installiert habe.

Thermostate nicht herunterdrehen

Bei diesen sei ein korrektes Heizverhalten der Mieter von besonderer Bedeutung. „Das ist vielen nicht bekannt“, berichtet Fischer von seinen gutachterlichen Erfahrungen. Wichtig sei, individuell eine Wohlfühltemperatur zu finden, die weitestgehend eingehalten werde. „Die Einstellung an den Thermostaten sollte konstant gehalten werden.“

Es macht keinen Sinn, so der Gutachter, speziell in den Wintermonaten morgens beim Verlassen der Wohnung die Thermostate herunterzudrehen, so dass im Laufe des Tages die Raumtemperatur beispielsweise auf unter 17 Grad absacke, und abends bei der Rückkehr in die Wohnung den Thermostatkopf bis zum Anschlag wieder aufzudrehen. „Dann rotieren speziell die neuen Heizkostenverteiler. Die Thermostate wollen den Wärmeverlust ausgleichen, so dass die Heizkörper überheizt werden. Das kann tödlich für die Kostenabrechnung sein.“

Auch das Lüftungsverhalten sei, so Fischer, von besonderer Bedeutung. „Gänzlich falsch ist es, in den Wintermonaten die Balkontür oder die Fenster den gesamten Tag über ,auf Kipp’ zu stellen. Das treibt die Heizkosten in die Höhe.“

Deshalb rät er bei Informationsveranstaltungen zum sogenannten Stoßlüften, das zu einem notwendigen Sauerstoffaustausch führt, letztlich aber die Heizkosten überschaubar und somit in Grenzen hält.

Am Mittwoch erhielten die Vivawest-Mieter einen weiteren Brief aus der Kommando-Zentrale in Gelsenkirchen. Darin teilt das Unternehmen mit, dass das Problem der Einrohrheizung jetzt bekannt sei und man deshalb rückwirkend für die Heizperiode 2013 / 2014 zur Verteilung der verbrauchsabhängigen Kosten ein anderes technisches Regelwerk anwende. „Mit Hilfe dieses Regelwerkes können bei Einrohrheizungen die Kosten gerechter auf alle Nutzer verteilt werden.“

Friedrich W. Fischer rät den Vivawest-Mietern, nicht nur die Abrechnungen weiter kritisch im Auge zu behalten, sondern insbesondere den Zustand der Heizungsanlage. Denn diese ist, wie die Recherchen dieser Zeitung ergaben, in einem miserabelen Zustand. Das hatte der „Wohnungsanbieter mit Herz“ in einem Schreiben an diese Redaktion zwischenzeitlich eingeräumt. Den Mietern teilte das Unternehmen in dem Brief vom 20. April diesen Sachverhalt nicht mit.