Heimweh nach Hohenlimburg ist groß

Hohenlimburg..  Einmal im Leben dort wohnen, wo andere ihren Urlaub verbringen. Für die Hohenlimburgerin Heike Scheibe (48) ist das nichts Besonderes. Seit 24 Jahren lebt sie auf der Nordseeinsel Borkum. Das Heimweh ist ihr jedoch nie von der Seite gewichen. Deshalb möchte sie wieder zum Schloss zurückkehren.

Frage: Was hat Sie dazu bewogen, ein Leben in der Abgeschiedenheit einer ostfriesischen Insel zu führen?

Heike Scheibe: Die erste Insel, auf der ich als Kind war, war Norderney. Der Anblick des Meeres hat mich damals so fasziniert, dass ich davon nicht mehr loslassen konnte. Eine Klassenfahrt hat mich nach Borkum geführt. Dort habe ich einige Urlaube verlebt und wusste, dass das meine Insel ist.

Wie haben Sie auf der Insel ihren Lebensunterhalt verdient, und woran merkt man besonders, dass das Leben auf der Insel teurer ist?

Ich bin gelernte Kinderpflegerin und bin diesem Beruf zunächst auch nachgegangen. Später habe ich in vielen Bereichen gearbeitet. Familienferienstätten, Hotels, Mutter-Kind-Kliniken und einige weitere Einrichtungen waren dabei. Allerdings habe ich den Kontakt zu Kindern nie ganz verloren. Als ich damals den Zuschlag für die Stelle als Kinderpflegerin in einem Kinderheim bekam, habe ich sofort nach einer Wohnung gesucht. Dass das Leben auf einer Insel teurer ist, merkt man schnell, wenn man die Mietpreise für Wohnungen sieht. Ich zahle für eine 60 Quadratmeterwohnung im Stadtzentrum rund 360 Euro Kaltmiete. Das ist schon günstig, weil der Preis normalerweise bei etwa 500 Euro liegt.

Das Leben auf einer Insel ist gewöhnungsbedürftig. Haben Sie manchmal an Ihrer Entscheidung gezweifelt?

Nein. Man merkt nach dem ersten Winter, ob man auf einer Insel leben kann oder eben nicht. Ich habe viele Menschen kennengelernt, für die ein solches Leben nicht in Frage kommt, obwohl sie es versucht haben. Mir fehlen der Trubel und die vielen Menschen nicht. Da ich von Natur aus ein eher ruhiger Mensch bin und ich mich gut mit mir selbst beschäftigen kann, hatte ich nie Schwierigkeiten. Den Touristen bin ich irgendwann aus dem Weg gegangen, weil die Insel zu bestimmten Jahreszeiten schon sehr voll ist. Dann gehe ich entweder morgens oder spät abends einkaufen. Man entwickelt einen Jahresrhythmus. Zudem bin ich auch regelmäßig nach Hohenlimburg zurückgefahren, um hier an den Festen in der Innenstadt teilzunehmen.

Was wird Ihnen am meisten fehlen, wenn Sie wieder in Hohenlimburg wohnen?

Der Strand. Ihr steht nach der Arbeit im Stau, ich sitze am Strand. Das ist unbezahlbar, weil man dort abschalten und die Seele baumeln lassen kann. Ich gehe zu jeder Jahreszeit dorthin, weil es etwas beruhigendes hat. Vor allem das wechselhafte Wetter wird mir fehlen. Mehrere Sturmfluten habe ich erlebt. Das ist schon spektakulär, wenn man den starken Wind spürt und das Meer aufgewühlt ist. Mir ist solches Wetter fast lieber als Sonnenschein. Meiner Heimat bin ich immer treu geblieben. Deshalb hängt auch die Hohenlimburg-Fahne im Wohnzimmer. Schön ist es, wenn man auf der Insel Bekannte aus der Heimat trifft. Das Heimweh ereilt mich auch dann, wenn ich Autos mit HA- oder EN-Kennzeichen sehe. Das verbindet mich mit meinem Zuhause.

Was ist Voraussetzung für ihren Umzug nach Hohenlimburg, und wie wird ihr Leben sich ändern?

Zunächst einmal benötige ich eine Arbeitsstelle. Dabei würde ich gerne in einem Kindergarten oder einem Heim arbeiten. Da ich auf Borkum in etlichen Bereichen tätig war, könnte ich mir auch Großküchen, Krankenhäuser oder Dinge im hauswirtschaftlichen Bereich vorstellen. Einige Bewerbungen laufen bereits. Ich hoffe, dass ich bald wieder zurückkehren kann. Ich würde mich darum bemühen, den Vereinssport wieder aufzunehmen, und auch politisches Engagement für meine Heimatstadt wäre denkbar. Hier hängt mein Herz und für die Stadt tue ich gerne etwas.

Letzte Frage: Wird Borkum dann zum Urlaubsziel oder könnten Sie sich vorstellen, auch noch andere Ecken dieser Erde zu bereisen?

Ich könnte mir durchaus vorstellen, an anderen Orten Urlaub zu machen. Aber Borkum wird immer meine erste Wahl sein. Vielleicht werde ich später in meinem Leben auch wieder dorthin zurückkehren. Wir warten mal ab, was alles so passiert. Zunächst möchte ich gerne wieder in Hohenlimburg wohnen. Denn hier fühle ich mich heimisch. Hier gehöre ich hin.