Heimatforscher will Grabplatten künftig schützen lassen

Breckerfeld..  Seit einigen Jahrzehnten beschäftigt sich Wilfried G. Vogt, Heimatforscher aus Hagen, mit der Aufarbeitung der Geschichte der Hansestadt. Im „Breckerfelder Telegraph“, Ausgabe 2014/15, beschäftigt er sich mit dem Thema „Alte Breckerfelder Grabmäler – Einzelstudien zur lokalen Erinnerungskultur“.

Schriftzeichen und Wappen

Seit Ende 1990 und Anfang 2000 sehen die Besucher der Evangelischen Jakobuskirche an der Außenwand links vom Eingang drei historische Grabplatten. Zum Teil sind an ihnen Teile ausgebrochen. Ihre Oberfläche, einst mit Schriftzeichen und zwei dazu mit Familienwappen versehen, sind vom Zahn der Zeit durch Verwitterung angegriffen. Siegfried G. Vogt, der sich erfolgreich darum bemüht hat herauszufinden, für welche Breckerfelder Bürger sie wann als Grabmale geschaffen wurden, bedauert in seinem Aufsatz, „dass sie an ihrem heutigen Ausstellungsort buchstäblich im Regen stehen und so allmählich ihrem endgültigen Verfall entgegen dämmern“. Um dies zu verhindern, regt er am Ende seines fundierten Aufsatzes an, sie denkmalpflegerisch zu sichern, zu restaurieren und im Kirchenraum aufzubauen.

Die drei Grabplatten erinnern an Eheleute, die in der Geschichte der Stadt eine besondere Rolle gespielt haben: Es sind dies Johannes Bölling und seine Ehefrau Anna Lucia Gerdruth geb. Hammerschmidt, Johannes Bornefeld und seine Ehefrau Anna Gertruth geb. Brass und das Ehepaar Nikolaus Steller und seine Ehefrau, deren Name auf der Grabplatte nicht mehr zu finden ist. Forscher Wilfried G. Vogt: „Der Name der Ehefrau geriet in Vergessenheit.“

Die älteste der drei Platten wurde für die Eheleute Steller geschaffen. Nikolaus Steller war von 1577 bis 1628, also insgesamt 51 Jahre, Pfarrer in der Hansestadt. Vogt geht davon aus, dass er seinen Dienst als katholischer Pfarrer begann und in einem längeren Prozess in seiner Gemeinde die Reformation einführte. Geschichtlich erwiesen ist, dass die Eheleute Steller einen Sohn Jacobus hatten. Sein Name findet sich auf der ersten lutherischen Generalsynode der Grafschaft Mark in Unna im Jahr 1612.

Gemeinde stand in der Kreide

Auf der Urkunde ist in Latein die Signatur für Breckerfeld verzeichnet mit „Nicolaus Stellerus, Pastor Breckerfeldensis, Jacobus Stellerus, Vicarius ibidem qui et pro patre supra scripto subscripsit“.

Forscher Vogt: „Pfarrer Steller hat nicht selbst unterschrieben sondern allein der Sohn für sich und seinen vermutlich schon altersmüden und vielleicht nicht (mehr) anwesenden Vater.“

Johannes Bölling war Bürgermeister der Hansestadt zur Zeit des großen Stadtbrandes von 1727. Er war Doktor des weltlichen Zivilrechts und des kanonischen Kirchen-rechts und Advokat am herzoglichen Gerichtshof in Kleve. Sein Wohnhaus befand sich im Haus der heutigen Druckerei Klett.

Die Familie Bornefeld war Zeitgenosse der Familie Bölling. Johannes Bornefeld war 1720 Kirchmeister. Er war ein erfolgreicher Kaufmann. Bekannt ist, dass die reformierte Gemeinde 1731 für ihren Kirchenneubau bei ihm mit 3694 Reichsthalern in der Kreide stand.