„Hauptschul-Verweis ein Fehler“

Tolga Dilbirgili (16) erhielt zwei Tage vor Ferienbeginn einen Schulverweis. Jetzt kämpft Vater Oguz Dilbirgili für die Rechte seines Sohnes.
Tolga Dilbirgili (16) erhielt zwei Tage vor Ferienbeginn einen Schulverweis. Jetzt kämpft Vater Oguz Dilbirgili für die Rechte seines Sohnes.
Foto: Christian Rasche

Hohenlimburg..  „Der Schule ist ein Fehler unterlaufen. Das wird der Schulleiter klarstellen. Er hat rein rechtlich falsch gehandelt. Er wird sich deshalb dafür entschuldigen.“ Das sagte Dr. Christian Chmel-Menges, Pressesprecher des Regierungspräsidenten. Die Aufsichtsbehörde hatte sich gestern umgehend eines dubiosen Vorfalles an der Hauptschule Hohenlimburg angenommen und noch am Nachmittag deutliche Worte gefunden.

Was ist am Wachtelweg passiert?

Zwei Tage vor Ferienbeginn (24. Juni) erhielt Tolga Dilbirligi (16) einen Schulverweis. Er soll einige Tage zuvor (12. Juni) Schulleiter Tauchert mit „Hurensohn“ beleidigt haben.

Das behauptet Norbert Tauchert. Der Redaktion liegt deshalb ein Schreiben des Schulleiters vor, datiert auf den 16. Juni, in dem Tolga vorgeworfen wird, sich mit drei weiteren Schülern während der Abschlussfeier am 12. Juni störend im Schulgebäude aufgehalten zu haben. Trotz mehrmaliger Verweise habe sich Tolga nicht aus dem Gebäude entfernt. Tauchert sieht darin den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt. Ferner habe Tolga ihn später beschimpft.

Notendurchschnitt von 2,6

Weil Tolga seine Vollzeitschulpflicht von zehn Jahren bereits erfüllt hat, wird dem Vater in einem Brief nahe gelegt, seinen Sohn an einem Berufskolleg anzumelden, damit dieser dort den Hauptschulabschluss nach der Klasse 10 erwerben könne. Sollte dieses nicht erfolgen, werde man eine Teilkonferenz einberufen, um den Schüler nach § 53 Schulgesetz NRW der Schule zu verweisen. „Da er mich offensichtlich nicht wertschätzt, bin ich nicht bereit, ihn ein weiteres Jahr zu ertragen“, schreibt Tauchert an die Familie. Am 25. Juni wurde Oguz Dilbirligi offiziell mitgeteilt, dass die Versetzungskonferenz am 22. Juni beschlossen habe, dem Verlängerungsantrag für die Klasse 10 nicht zuzustimmen.

Tolga bestreitet, den Schulleiter beleidigt zu haben. Auch habe es zuvor keinerlei Informationen gegeben, die darauf hingewiesen hätten, dass er die Klasse 10 nicht besuchen dürfe. Sein Notendurchschnitt nach Abschluss der Klasse neun beträgt 2,6. Einen Platz als Schülerpraktikant hat er für das kommende Schuljahr bereits sicher, um sich dadurch für einen qualifizierten Ausbildungsplatz zu empfehlen.

Wie Tolgas Vater grundsätzlich betont, prallen am Wachtelweg Themenbereiche aufeinander. Denn eigentlich hatte er zunächst die ständigen Beleidigungen eines Lehrer zahlreicher Schüler gegenüber kritisiert. Oguz Dilbirligi erstattete deshalb Strafanzeige. 16 Schüler mit Migrationshintergrund haben einen Brief unterschrieben, der diesen Vorwurf beinhaltet und bestätigt.

Dass die Schulleitung diesem Brief nicht nachgegangen sei und stattdessen Gründe ins Feld geführt habe, um seinen Sohn „loszuwerden“, ist in den Augen des Vaters ein Skandal. „Ich habe den Schulleiter auf mein Schreiben angesprochen. Er sah keine Notwendigkeit, die Vorwürfe zu klären“, so Dilbirligi.

Eines machte der Pressesprecher des Regierungspräsidenten gestern auch deutlich. Auch diesen Anschuldigungen werde die Aufsichtsbehörde gezielt nachgehen.