Hauptsache Kontakte: Bei Kaffee über die Trauer sprechen
14.08.2007 | 10:18 Uhr 2007-08-14T10:18:56+0200Haspe. Als Pfarrer Siegfried Gras von der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde Haspe Anfang des Jahres ein Trauercafe? einrichtete, rechnete er nicht mit sehr großer Resonanz. Jetzt ist er vom tatsächlichen Andrang überwältigt: "Es kommen immer um die 30 Leu
Das Alte Stadtbad Haspe - jeden ersten Donnerstag im Monat kommen hier im Aufenthaltsraum "Casino" unter der Leitung von Gras und dreier Helfer Menschen zusammen, die einen Freund oder Angehörigen verloren haben und über ihre Trauer reden wollen.
Sie treffen sich bei Kaffee, Tee und Gebäck zum Gespräch. Unverbindlich, ungezwungen soll es sein, sagt Gras: "Meist herrscht eine lockere, gelöste Stimmung". Die meisten der Besucher sind ältere Menschen, die ihren Partner verloren haben.
Den Cafe?-Charakter der Einrichtung betont Gras immer wieder: "Es ist keine Trauergruppe, kein Angebot, in dem Trauerarbeit im engeren Sinne geleistet wird", so Gras. Stattdessen gehe es darum, "Trauernde aus ihren eigenen vier Wänden herauszuholen. Trauer isoliert häufig."
Was das Cafe? leisten kann, hat seine Grenzen: "Es gibt auch extreme Trauersituationen, die den Rahmen sprengen würden", sagt Gras. In diesen Fällen bietet er Einzelgespräche an.
Nicht nicht nur Erinnerungen und Alltagserfahrungen können die Gäste austauschen - "man kann auch über das Wetter sprechen", sagt Gras, "wo einem der Sinn nach steht". Hauptsache Gespräche und Kontakte: "Wenn ich höre, dass die Menschen sich auch außerhalb des Cafe?s treffen, freut mich das. Denn bei Trauernden ist ja gerade eine Beziehung zu Ende gegangen."
Die Idee für das Trauercafe? entstand, als der Leiter eines nahen Altenheimes Gras ansprach und erzählte, dass bei ihm oft Angehörige verstorbener Heimbewohner säßen und erzählten: "Das ist eine Form der Verarbeitung", sagt Gras - die ihn zum Cafe? inspirierte: "Diese nachsorgende Seelsorge ist ein Angebot, das zu kurz kommt."
Um das Cafe? bekannt zu machen, legt Gras Flyer in Beerdigungsinstituten und beim Friedhofsverwalter aus, nimmt sie mit zu Trauerbesuchen. "Die Initialzündung kam, als wir die Broschüre den Gottesdienst-Einladungen beigelegt haben, die Angehörige Verstorbener zum Totensonntag bekommen". Das Trauercafe? findet jeden ersten Donnerstag im Monat zwischen 15.30 und 17 Uhr im "Casino", Altes Stadtbad Haspe statt - Berliner Straße 115, Buslinien 503, 510, 513 und 524. Weitere Informationen bei Siegfried Gras, Tel: 40 15 31.
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