Hasper Narren-Präsident liebt "dieses weltoffene Hagen"
15.02.2009 | 16:29 Uhr 2009-02-15T16:29:00+0100
Haspe. Pünktlich um 20.11 Uhr am Samstag marschieren die Karnevalsfreunde von Grün-Weiß Haspe 1957 in den aus allen Nähten platzenden Festsaal des Vereinshauses St. Bonifatius ein.
Weiße und gelbe Tulpen werden den feierfreudigen Haspern entgegengeworfen. Tanzend und klatschend stehen die Narren an ihren Tischen, die Damen recken und strecken sich, um eine Blume zu fangen.
Präsident Rainer Bartelheim schaut verzückt. „Nun setzt schon die schweren Geräte ab, es wird länger dauern”, muntert er die Showband auf. „Ich liebe dieses Hagen”, beginnt er überschwänglich, „dieses weltoffene Hagen.” Die Hagener würden ausländischen Besuchern in sieben Sprachen die Altenhagener Brücke ungefähr so erklären: „Dat is ne Brücke. Ne Brücke is dat.” Er lässt kein gutes Haar an dem neu gestalteten Bauwerk. „Warum bauen die die Gerüste ab? Die ist doch noch gar nicht fertig. Ich komme aus Wehringhausen, ich weiß wie Graffiti aussehen.”
Auch die Hagener Polizei bekommt ihr Fett weg. „Da sind ja oft so junge, zarte Mädchen bei der Polizei. Die piepsen bei der allgemeinen Verkehrskontrolle regelrecht. Neulich kommt so ein Mäuschen auf mich zu mit ihrem besserwisserischen Ausdruck im Gesicht. Ich frag' sie, wie viel willst du, und sie haucht, 40 Euro. Ich sag, das ist okay, steig ein.” Die Jecken biegen sich vor Lachen.
Beim Einmarsch des Hagener Prinzenpaares tanzt das vorderste Mariechen so flott und beschwingt Richtung Bühne, dass sie durch Ziehen am Rockzipfel gebremst werden muss. Das Prinzenpaar und sein Team kommen nicht schnell genug nach. Prinz Thomas I. wird in einen Suppenkaspar mit Umhang und Pappnase verwandelt und muss Suppe von einem Topf in einen zweiten befördern. Nur so kann er Geld für den Suppenkaspar sammeln. „Es ist traurig, dass Kinder auf Spenden für Essen angewiesen sind. Aber als Karnevalisten steht uns nichts besser, als uns um die Schwächsten zu kümmern in unserem Land”, ruft er der Menge zu. Darauf ein dreifaches Hagau.
Jessica Bracht ist das Süßeste, was Haspe zu bieten hat. Das Mariechen reißt die Beine hoch in die Luft und zeigt einen Spagat nach dem anderen. Wie sollte es anders sein, für ihre Leistung bekommt sie Edelmetall, den Orden von Grün-Weiß Haspe verliehen.
Gespannt warten die Narren auf das Hasper Urgestein Herbert Gitt, der mittlerweile von keiner Hasper Karnevalsfeier mehr wegzudenken ist. Mit viel Wortwitz und Jux weiß er gekonnt über Politik und das weibliche Geschlecht zu philosophieren. „Was ist eigentlich Erotik?”, fragt er in den Festsaal. „Ja, wenn dich zum Beispiel eine Frau mit einer Feder streichelt. Und was ist dann pervers? Wenn das Huhn noch dranhängt.” Er veräppelt auch seine eigene Frau. „Sie sagt zu mir, na, du wirst dich noch umschauen, wenn ich mal tot bin. Da sag ich: Ne, stirb du erstmal, umgeschaut hab' ich mich ja schon.” Die Hasper verlangen lautstark eine Zugabe.
Karnevalsfan Kirsten Dresbach ist begeistert von der Stimmung. „Die Leute wollen den Herbert Gitt jedes Jahr wieder hören. Man braucht ihn gar nicht mehr vorzustellen.” Beide Taschen voll mit dem Hasper Zaubertrank Eversbusch verlässt Gitt gefeiert die Bühne.
Der neue Stern am Karnevalshimmel ist Tobias Fechner. Der blinde Sänger begleitet sich auf seinem Keyboard und gibt Lieder wie „Country Roads” und „Biene Maja” zum Besten. „In Hagen sind die Narren los”“, freut er sich über die lautstark mitsingenden Jecken.
Der Einmarsch der ältesten Hagener Garde Blau-Weiße Funken steigert die Stimmung abermals. Die Prunk- und Galasitzung der Karnevalisten Grün-Weiß Haspe erweist sich wieder einmal als ein Höhepunkt im Hagener Karneval.
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