Hasper Monstranz – Finder müssen Belohnung vor Gericht erstreiten

Eine Ansicht der Hasper Monstranz. Sie war im Januar 2014 gestohlen worden. Nun gab es Streit um den Finderlohn.
Eine Ansicht der Hasper Monstranz. Sie war im Januar 2014 gestohlen worden. Nun gab es Streit um den Finderlohn.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Zwei Kinder hatten die aus einer Kirche in Hagen-Haspe gestohlene Monstranz gefunden. Doch ein Privatmann, der 1000 Euro Belohnung ausgesetzt hatte, wollte diese nicht zahlen.

Haspe.. Vieles hat Amtsrichterin Judith Krämer im Gerichtssaal schon erlebt, aber einen solch unangenehmen Zivilprozess bisher noch nie. Sie redet deshalb Klartext: „Ich finde es sehr schade, dass es zu diesem Rechtsstreit kommen musste und die Kirche, die ihre wertvolle Monstranz durch die Kinder zurückerhalten hat, obendrein noch ins Zwielicht gerät.“

Aktenzeichen 142 C 115/14 – dahinter verbirgt sich die unglaubliche Geschichte von zwei Schwestern (damals 6 und 11 Jahre alt) aus Haspe, die einen wahren Schatz gefunden hatten, diesen ehrlich ablieferten und nun die einst vollmundig versprochene Belohnung gerichtlich einklagen müssen.

Gemeindemitglied setzte 1000 Euro Finderlohn aus

Die Vorgeschichte: Mitte Januar 2014 herrschte großes Entsetzen in der katholischen St.-Bonifatius-Kirchengemeinde in Haspe. Unbekannte Einbrecher waren ins Gotteshaus eingebrochen und hatten die 137 Jahre alte vergoldete Monstranz gestohlen. Das liturgische Schaugefäß hat für Katholiken eine hohe Bedeutung: In ihm wird der Leib Christi als Hostie ausgestellt. Zur Hasper Turmmonstranz kommt die Besonderheit, dass sie ein Papst-Geschenk ist. „Gerade für die älteren Gemeindemitglieder hat sie einen unheimlich hohen ideellen Wert“, erläuterte Gemeindemitglied Martin Fürth den schmerzlichen Verlust.

Er initiierte als Privatmann eine öffentlichkeitswirksame Auslobung: „Für Hinweise, die dazu führen, dass die Monstranz wieder auftaucht, ist eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt“, erklärte Fürth im Januar 2014. Ein Versprechen, das er später nicht mehr einhalten sollte.

Tatsächlich ist die gestohlene Monstranz Mitte März 2014 wieder aufgetaucht. Zwei Kinder fanden sie unweit der Kirche in einem Lorbeergebüsch. Einer Sechsjährigen war die grüne Plastiktüte beim Spielen aufgefallen. Sie rief ihre Schwester (11) herbei, gemeinsam schafften die Mädchen das 55 Zentimeter hohe Objekt nach Hause.

Mutter dachte, Monstranz sei ein "Leuchter"

Da die Mutter mit dem merkwürdigen Fund ihrer Töchter nichts anzufangen wusste („Ich dachte, es sei ein Leuchter“), bewahrte sie das liturgische Gefäß auf der Terrasse auf. Wenig später erfuhr die elfjährige Tochter durch den Schaukasten der Kirche von dem Diebstahl. Die Familie informierte Pfarrer Marc Stücker, händigte diesem umgehend die für immer verloren geglaubte Monstranz wieder aus. Der Gottesmann der Bonifatius-Gemeinde bedankte sich, verschenkte einen Restaurantgutschein und Kinokarten an die ehrlichen Finder.

Ganz anders hingegen reagierte Gemeindemitglied Martin Fürth. Er verweigerte die versprochene Belohnung von 1000 Euro und ließ sich verklagen. Während des laufenden Prozesses versuchte der studierte Jurist den Spieß umzudrehen: Er zeigte die Eltern wegen „Fundunterschlagung und versuchten Prozessbetrugs“ an: Sie hätten angeblich von der Werthaltigkeit des Objekts ganz genau gewusst.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte (Az. 512 Js 4/15), stellte das Verfahren jedoch „mangels hinreichenden Tatverdachts“ ein. Es gäbe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Eheleute die Monstranz zunächst nur behalten hätten, um später die Belohnung zu kassieren. Richterin Judith Krämer betonte: „Auch ich glaube den Eltern, dass sie nicht wussten, was das war.“

Auf Urteil aus Jahr 1948 berufen

Der ehemalige Rechtsanwalt Martin Fürth gab sich nicht geschlagen. Er verwies auf eine Alt-Entscheidung des Hagener Landgerichts aus dem Jahr 1948 zur „räumlichen Zuordnung“: Nach dem Diebstahl hätten die Täter die Monstranz im Gebüsch auf dem Kirchengelände abgelegt. Sie sei dadurch in den Besitz der Kirche zurückgelangt. Die Mädchen hätten durch den Abtransport „den Besitz der Kirche in rechtswidriger Weise gebrochen“. Deshalb stünde ihnen keine Belohnung zu.

Richterin Krämer: „Das ist rechtlich sehr spitzfindig, aber ich bin da anderer Meinung.“ Plötzlich bot Beklagter Fürth die Zahlung von 500 Euro an.

Die Kläger, vertreten durch Anwalt Bastian Veller, stimmten dem Vergleich genervt zu. Veller: „Steht nicht in der Bibel: Undank ist der Welten Lohn?“