Happiges Weihnachtsgeld für die Kindertafel

Hagen/Herdecke..  Wer suchet, der findet. Seit 1996 verzichtet die Chemie-Firma Dörken auf Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden und hatte nun wieder zum Jahresende 25 000 Euro für soziale Zwecke übrig. Bisher bedachten die Herdecker zwar einige Einrichtungen in der Region, doch spendete das Unternehmen auch fernab der Heimat. „Dafür gab es in der Belegschaft nicht so viel Applaus“, so Vorstandsmitglied Karl E. Dörken. Nun aber entdeckte Pressereferentin Dagmar Riefer die Kindertafel der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis, die an Schulen und Jugendzentren in Hagen, Wetter, Herdecke und Breckerfeld dem bedürftigen Nachwuchs hilft.

Hälfte des Jahresetats gedeckt

„Mit dem Geld können wir mehr als die Hälfte unseres Jahresetats von 40 000 Euro decken“, erklärte Frank Fischer erfreut bei der Spendenübergabe. Der Leiter der Evangelischen Jugend im Kirchenkreis hatte vor zehn Jahren die Idee, Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Im Durchschnitt seien es in den genannten vier Städten an 35 Standorten (alle Schulformen) pro Jahr zwischen 130 und 140 Mädchen und Jungen aus sozial schwächeren Familien. Bis zu 40 Mitarbeiter der Kirche ermöglichen ihnen Mahlzeiten oder die Teilnahme an der Hausaufgabenbetreuung. Finanziert werde dies ausschließlich über Spenden. Geld aus öffentlichen Förderprogrammen gebe es nicht, die Eltern beteiligen sich mit einem Euro. „Wir regeln das diskret mit ihnen, damit die Kinder davon nichts mitbekommen“, sagt Fischer, der auch das Sozialverhalten fördern will.

Angebot wird vermehrt angenommen

Ob im Offenen Ganztag, in weiterführenden Schulen oder über Jugendzentren: „Unser Angebot wird vermehrt angenommen, vielleicht auch, weil wir damit relativ allein auf weiter Flur sind“, berichtet Fischer, dass teilweise bis zu 30 Prozent aller Kinder einer Einrichtung unterstützt werden. In Hagen, wo die Nachfrage wegen der Bevölkerungsanzahl naturgemäß größer und die Lage etwa in Wehringhausen recht auffällig sei, gebe es sogar Warteplätze. In Wetter, Herdecke oder Breckerfeld agieren die Verantwortlichen vorsichtiger, „um niemanden bloßzustellen. Prozentual gesehen klafft die Schere zwischen Groß- und Kleinstadt aber gar nicht einmal so weit auseinander“, sagt Fischer, wobei die Zahl der Kindeswohlgefährdungen seit der Einrichtung des Offenen Ganztags gestiegen sei, da seither die Ernährung und Versorgung mehr auffallen.

Mitunter erleben er und die Mitarbeiter, dass Kinder mittags ihre erste Mahlzeit am Tag erhalten. Mal seien es berufstätige Eltern, die sich nicht wirklich kümmern (können), mal lasse sich dies auf Vernachlässigungen in der Erziehung zurückführen. „Und mit den Flüchtlingskindern haben wir nun eine weitere schwierige Situation zu lösen, wobei wir insgesamt so flexibel wie möglich agieren wollen und die Bedürftigkeit über Punktekategorien ermitteln“, erläutert der Leiter der Ev. Jugend in Hagen, der die Tafel als „sein Baby“ bezeichnet, das er quasi im Gottesdienst gebar. „Wir leben seither von der Hand in den Mund und sind für jede Hilfe dankbar.“ Dafür habe sich ein Kreis an Spendern gefunden – darunter seien sowohl Privatleute als auch Firmen. „Für die Verwendung unserer Weihnachtsspende scheint mir die Kindertafel auch wegen des regionalen Bezugs perfekt zu passen“, stellt Karl Dörken in Aussicht, „dies dauerhaft zu unterstützen.“