Hamlet im Schlosshof rezitieren

Martin Kaysh (links) und Hans Martin Eickmann stehen am Freitag (01.01.15) in Dortmund während der Generalprobe des Geierabend 2015 als "AWO-Oppas" auf der Bühne. Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
Martin Kaysh (links) und Hans Martin Eickmann stehen am Freitag (01.01.15) in Dortmund während der Generalprobe des Geierabend 2015 als "AWO-Oppas" auf der Bühne. Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
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Hohenlimburg..  Seit 1998 gehört der Ur-Hohenlimburger Hans Martin Eickmann zum Geierabend-Ensemble, das Anfang Januar„auffe“ Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen in die 24. Saison gestartet ist. 38 Vorstellungen sind in diesem Jahr geplant. Alle sind, bis auf wenige Restkarten, ausverkauft. „Nach uns die Currywurst“ heißt das Programm. Es sorgt für unzählige Brüller, bleibt dünnhäutigen Besuchern manchmal aber auch im Hals stecken. Diese Zeitung sprach mit Hans Martin Eickmann über die aktuelle Spielzeit, die am Aschermittwoch (18. Februar) endet.


Frage: Bitterböse Anspielungen. treffende Pointen und flache Witze - das ist Geierabend. Wer schreibt die Texte?
Hans Martin Eickmann: Diese schreibt, mit wenigen Ausnahmen, unsere Truppe selbst. Wir haben fünf Autoren, die diese Aufgabe leisten. Ein Text ist in diesem Jahr von einem externen Schreiber verfasst worden.


Wann beginnt das Ensemble mit der neuen Produktion und wie sieht das Procedere zu Beginn einer jeden Spielzeit aus?
Wir treffen uns im August zu einer einwöchigen Klausurtagung. Dort werden die Themen gesammelt, die auch im Januar zum Start des Programms noch aktuell sein können. So die Flüchtlingsfrage, der BVB oder Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.


Spricht das Ensemble über die Texte und werden diese vor oder während der Proben überarbeitet?
Ja natürlich. Die Texte werden bei der Probenarbeit noch modifiziert. Sie ändern sich häufig. Wir merken schnell, ob etwas lustig ist oder nicht. Wir machen ja kein Theaterstück und sind somit keine Schauspieler, die an feste Text gebunden sind.


Wird auch nach der Premiere noch etwas verändert? Sieht die 20. oder 25. Vorstellung somit anders aus als die erste?
Das ist der Fall. Auch in diesem Jahr. Wir haben aktuell herausgefunden, dass das Programm zu lang ist. Deshalb sind zwei Nummern herausgefallen, die zu umfangreich waren und die auch nicht funktionierten. Das weiß man vorher nicht, weil wir auch nur schwer abschätzen können, wie die Zuschauer reagieren werden.


Welche Texte schreiben Sie? Sie glänzen in diesem Jahr u.a. mit den AWo-Opas und den beiden leidgeprüften BVB-Fans von der Dortmunder Südtribüne.
Die BVB-Texte schreibt traditionell unser Regisseur. Die AWo-Opas schreibe ich selbst mit meinem Partner Martin Kaysh. Eine Vorliebe habe ich als alter Rocker natürlich für die Musik. Deshalb sind zahlreiche Songs von mir. Die Gitarre gehört zu meinen Auftritten dazu, wie meine beste Freundin.


Wie hat sich das Publikum in den 17 Jahren Geierabend verändert?
Die Seh- und Hörgewohnheiten sind andere geworden. Lange Nummern, die 15 Minuten dauern, gehen nicht mehr. Die Taktfolge ist jetzt eine kürzere. Auch inhaltlich hat es Veränderungen gegeben. Der Geierabend war zu Beginn mehr Klamauk, hatte politisch-inhaltlich weniger zu bieten. Auch das hat sich geändert.


Ist es für Sie als Ur-Hohenlimburger noch ein Traum, einmal bei den Schlossspielen aufzutreten?
Warum nicht. Das wäre ausgesprochen schön. Es muss ja nicht mit dem gesamten Geierabend-Ensemble sein, mit dem wir in Hohenlimburg auftreten. Ich würde gerne mal den Hamlet im Schlosshof vor der Wursttheke rezitieren. Schwein oder nicht Schwein - das ist dann die Frage.