Haldener nimmt an Niederschlagung der Revolution teil

Das historische Dokumente aus Halden ist im Besitz von Käthe Westhoff.
Das historische Dokumente aus Halden ist im Besitz von Käthe Westhoff.
Foto: privat

Hagen.. Einen echten Schatz an alten Dokumenten aus Halden verwahrt Käthe Westhoff. Die 85-Jährige stammt aus einer alteingesessenen Haldener Familie und wohnt heute noch auf dem Familiengrund im alten Haldener Dorfkern. Nun präsentierte sie dem auch für seine Forschungen zur Geschichte des Raums Hagen bekannten Historiker an der TU Dortmund und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Historischen Centrums in Hagen, Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach, einige aus ihrem Familienbesitz stammende neuen Fundstücke.

Dazu gehört auch ein „Reise-Paß“ für die Königlich Preußischen Staaten aus dem Jahr 1837. Den hatte sich Käthe Westhoffs Ur-Urgroßvater Peter Wisser für die Reise nach „Breitenhaupt im Paderbornschen“ ausstellen lassen. Mit Breitenhaupt ist das heute noch vorhandene Gut Breitenhaupt in Steinheim (Kreis Höxter) gemeint. Als Grund der Reise wird in dem Pass „Wiesen Anlagen zu machen“ angegeben. Peter Wisser war nämlich Wiesenbauer. Er muss aber in seinem Fach einen über die Grenzen seines Wohnorts Halden hinausgehenden guten Ruf gehabt haben, da man ihn aus einer für damalige Verhältnisse so weiten Entfernung für die Anlage von Wiesen verpflichtete.

Sieben Silbergroschen für den Reisepass gezahlt

Ausgestellt ist der Reisepass von dem zuständigen Landratsamt in Hagen. Und kostenlos war er auch nicht. Für den Stempel mussten 5 Silbergroschen und als Verwaltungsgebühr weitere zweieinhalb Silbergroschen bezahlt werden.

Dass Peter Wisser trotz dieser nicht geringen Kosten sich einen solchen Pass ausstellen ließ, hatte einen guten Grund. In den damaligen Fürstenstaaten und insbesondere auch im Königreich Preußen herrschte bei der Obrigkeit die Furcht vor einer Revolution. Im Land Umherziehende gerieten daher leicht in den Verdacht, umstürzlerische demokratische Gedanken zu verbreiten und landeten schnell im Polizeigewahrsam. Da war es gut, wenn man durch ein amtliches Dokument nachweisen konnte, in einer unverdächtigen Angelegenheit unterwegs zu sein. Der Reisepass erlaubte dem Inhaber laut dem eingedruckten Text, im Königreich Preußen „frei und ungehindert“ zu reisen. Außerdem wurde ihm eventuell erforderlicher „Schutz und Beistand“ seitens aller Militär- und Zivilbehörden zugesichert.

Genaue Beschreibung hilft bei der Erkennung

Da die Fotografie damals noch nicht erfunden war, enthält der Pass stattdessen eine genaue Beschreibung der Person. Daraus ergibt sich, dass P. Wisser 40 Jahre alt, von mittlerer Statur und 5 Fuß und 4 Zoll (ca. 167 cm) groß war, blonde Haare und einen blonden Bart sowie braune Augenbrauen, graue Augen, eine runde Stirn und eine spitze Nase hatte. Sein Mund war klein, das Kinn rund, das Gesicht länglich und von gesunder Farbe. Sonstige besondere Kennzeichen besaß er keine. Dieser Pass musste von dem Inhaber jedoch den Ortsbehörden eines jeden Ortes, an dem sich die Person mehr als 24 Stunden aufhielt, vorgewiesen werden.

Die schon lange befürchtete Revolution brach in Deutschland im März 1848 aus. Auch das Königreich Preußen wurde davon erfasst. „Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“, soll König Wilhelm IV. gesagt habe. Jedenfalls wurde die Revolution auch in Preußen ein Jahr später mit Militärgewalt niedergeschlagen. Auch dazu hat Käthe Westhoff ein aus Familienbesitz stammendes Haldener Dokument entdeckt. Es ist ein für ihren 1824 geborenen und 1912 verstorbenen Urgroßvater Johann Friedrich Wisser ausgestelltes und vom 1. Oktober 1852 datierendes „Besitz-Zeugnis“.

Dokument belegt Beteiligung von Haldener

Darin wird dem „Wehrmann“ J. F. Wisser bestätigt, dass er vom 1. März 1848 bis zum 1. Oktober 1849 „pflichttreu“ beim Königlichen 39. Infanterie-Regiment gedient und seitdem auch seine „Treue zu dem König und gute Gesinnung“ bewahrt habe, weshalb ihm die vom König am 23. August 1851 gestiftete „Denkmünze für wirkliche Kombattanten“ verliehen worden sei. Die Münze bestand aus Bronze und zeigte auf der Vorderseite das Kreuz des Hohenzollernschen Hausordens mit dem Adler im Zentrum und hatte die Randumschrift „Vom Fels zum Meer“. Auf der Rückseite befand sich die Inschrift „1848 Friedrich Wilhelm IV.1849“ mit der Randumschrift „Seinen bis in den Tod getreuen Kriegern“.

Der „Wehrmann“ war ein Angehöriger der Landwehrgewesen und die in dem „Besitz-Zeugnis“ erwähnten „wirklichen Kombattanten“ hatten als Soldaten aktiv an den Kämpfen des Militärs während der Revolution 1848-1849 teilgenommen. Das geschichtlich interessante Dokument beweist somit, dass mindestens auch ein Haldener an der militärischen Niederschlagung der ersten deutschen Revolution direkt beteiligt war.