Hagens neuer Polizeipräsident steht für klaren Führungsstil

NRW-Innenminister Ralf Jäger (l.) hat  Wolfgang Sprogies als neuen Polizeipräsidenten in Hagen eingeführt und seinen nach Essen gewechselten Vorgänger Frank Richter (r.) verabschiedet.
NRW-Innenminister Ralf Jäger (l.) hat Wolfgang Sprogies als neuen Polizeipräsidenten in Hagen eingeführt und seinen nach Essen gewechselten Vorgänger Frank Richter (r.) verabschiedet.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Der neue Hagener Polizeipräsident Wolfgang Sprogies ist ganz anders als sein Vorgänger Frank Richter – und mit fast 30 Jahren Verwaltungsdienst sehr erfahren.

Hagen.. Es ist nicht nur ein Austausch von Personen, der im Polizeipräsidium auf der Hoheleye nun auch offiziell vollzogen worden ist. Es ist vielmehr ein Wechsel von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten. Auf den großen und kräftigen Frank Richter – gelernter Polizist, einst Gewerkschaftschef und dementsprechend rhetorisch geschult – folgt Wolfgang Sprogies.

Kleiner und schmaler ist der 59-Jährige, ein studierter Jurist, der seit fast 30 Jahren in der nordrhein-westfälischen Verwaltung in verschiedensten Positionen tätig war. Ein Mann mit leiserer Stimme, der von sich selbst sagt: „Ich schaue mir Dinge gern erst in Ruhe an.“ Der aber genauso bestimmt hinterher schiebt: „Dann treffe ich aber klare Entscheidungen.“

Dass er Führung kann, das hat er bereits an vielen Stellen bewiesen: Etwa, als er stellvertretender Polizeipräsident in Bochum war und die damalige CDU/FDP-Landesregierung den dortigen Behördenleiter wegen Unstimmigkeiten in den Ruhestand versetzt hatte. Ein Jahr lang führte Sprogies die im Vergleich zu Hagen größere Behörde kommissarisch.

Oder zuletzt, als er Dezernatsleiter bei der Bezirksregierung Münster war – mit einem Aufgabengebiet von der Feuerwehr bis zur Krankenhausaufsicht. So wie der neue Hagener Polizeipräsident ohnehin schon ein breites inhaltliches Spektrum in seinem Berufsleben abgedeckt hat. Nach dem Jura-Studium in Köln war er ein Jahr lang Rechtsschutzsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund, bei der Bezirksregierung in Arnsberg war er später in der Schulaufsicht tätig, musste unpopuläre Schulschließungen verantworten. Und auch für Umwelt war er schon zuständig.

Eine Leidenschaft hat er aber für die Polizei entwickelt. Und das auf der Hoheleye: „In Hagen habe ich polizeilich das Laufen gelernt“, sagt Wolfgang Sprogies. Denn hier war er bereits von 1993 bis 1999 als Direktionsleiter und Vize-Polizeipräsident tätig. Gut angenommen und respektiert hat er sich als Nicht-Uniformierter immer unter den Polizisten gefühlt. „Der Täter kehrt zum Tatort zurück“, schmunzelte Sprogies gestern. Und tatsächlich kennt er noch eine ganze Reihe der alten Kollegen aus dieser Zeit.

Wolfgang Sprogies will Dialog mit den Bürgern pflegen

Was er verändern will oder welche inhaltlichen Schwerpunkte er setzen will – bei diesen Fragen ist der neue Polizeipräsident noch zurückhaltend. Auch hier gilt sein Motto: Erst einmal in Ruhe alles anschauen und mit allen reden. Das Polizeipräsidium sei sowohl in seiner Struktur als auch bei seinen Leistungskennzahlen gut aufgestellt: „Hier muss man nirgends bei Null anfangen.“

Fortführen will er auf jeden Fall den interkulturellen Dialog, insbesondere mit den muslimischen Vereinen und Verbänden. Neben all den modernen Kommunikationsformen – wie etwa die Präsenz der Hagener Polizei im sozialen Netzwerke Facebook – will Sprogies auch den klassischen Dialog mit den Bürgern pflegen. Genauso wie den Kontakt zu anderen Akteuren in der Stadt: „Sicherheit ist nicht allein Sache der Polizei.“

Nach nur zweieinhalb Jahren Präsidentschaft Richter, darf sich die Behörde nun wohl auf sechs Jahre Sprogies einstellen. Weitere Ämter strebt der 59-Jährige bis zu seinem Ruhestand nicht mehr an: „Ich denke, auch einer Behörde tut ein wenig Kontinuität gut.“

Passives SPD-Mitglied

Und der Privatmensch Wolfgang Sprogies? Der ist in Ost-Berlin geboren, sein Eltern flohen mit ihm aber bereits in den Westen, an den Niederrhein, als er erst drei Jahre alt war. In Neuss wuchs Sprogies aus, und Hagen kennt er aus seiner ersten Dienstzeit auf der Hoheleye noch gut. Damals hat er auch am Kuhlerkamp gewohnt. Jetzt lebt er mit Frau und Tochter in Arnsberg-Neheim, wird täglich die rund 40 Kilometer pendeln. Der Tatort-Münster-Fan reist und liest gerne (zuletzt eine Helmut-Kohl-Biografie) und geht mit dem Hund spazieren.

Ein Verwaltungsfachmann ist Sprogies, aber dabei ist er keinesfalls unpolitisch. Während des Studiums hat er sich im Allgemeinen Studentenausschuus (Asta) engagiert, war Fakultätssprecher. Und er ist seit 1972 SPD-Mitglied – allerdings seit Jahren ein passives. Seinen neuen Posten hat er aber ganz offensichtlich nicht auf dem „Parteiticket“ gewonnen. Den während SPD-Innenminister Ralf Jäger seinen Vorgänger, den „lieben Frank“, duzte, gab es für „Herrn Sprogies“ nicht das gewohnte Genossen-Du.