Hagener verhelfen behindertem Paar zu neuem Fahrzeug

Karin Tschuden noch vor dem alten Fahrzeug, das im April gestohlen wurde. Mittlerweile haben die Tschudens einen neuen Wagen.
Karin Tschuden noch vor dem alten Fahrzeug, das im April gestohlen wurde. Mittlerweile haben die Tschudens einen neuen Wagen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Unbekannte stahlen das Fahrzeug des behinderten Ehepaars Tschuden. Das Paar wähnte sich am Ende. Doch nun sind sie zurück auf der Straße.

Hagen-Haspe.. Was man dem Ehepaar Tschuden Anfang April angetan hatte, war gleich in zweierlei Hinsicht eine riesige Sauerei. Josef (armamputiert) und Karin Tschuden (querschnittsgelähmt) war ihr Spezialfahrzeug gestohlen worden. Ihre Fahrkarte ins Leben. Ihre auf vier Rädern rollende Möglichkeit, am Alltag teilzunehmen und zu ihren Arbeitsplätzen an der Fernuniversität fahren zu können. Was in den Tagen nach unserer Berichterstattung im April passierte, bezeichnet Josef Tschuden rückblickend als das schönste Geschenk, was man ihm und seiner Frau überhaupt machen konnte. Die Tschudens sind zurück im Leben und möchten sich für etwas bedanken, was heute längst nicht mehr selbstverständlich ist: für die riesige Anteilnahme und die Hilfsbereitschaft vieler Menschen. Karin und Josef Tschuden sind endlich zurück auf der Straße.

„Wir sind unendlich dankbar“

Die Tränen, die noch im April in den Augen von Karin Tschuden gestanden hatten, sind Tränen der Rührung gewichen. „Wir sind total berührt und unendlich dankbar“, sagt sie, während Ehemann Josef sie auf der stählernen Bühne in den Transporter hebt. Bis heute nicht geschnappte Täter hatten den beiden im April ihren mühsam zusammengesparten und kostspielig umgebauten VW T5 (Wert: 76 000) Euro gestohlen. Wagen weg, Erspartes weg. „Das war fast unser Genickbruch“, sagt Josef Tschuden.

Denn so eingeschränkt die Tschudens auch sind, so bewundernswert meistern sie den Alltag. Josef verlor bei einem Unfall in der Kindheit den linken Unterarm, Karin ist seit ihrer Geburt querschnittsgelähmt. Sie gehen arbeiten, sie nehmen am Vereinsleben teil, sie verreisen. Die Tschudens haben nie resigniert, sondern Lösungen gesucht.

Bis zum 1. April, als Josef vor das Haus der Tschudens auf der Stadtgrenze zwischen Hagen und Wetter trat und er wie versteinert feststellte, dass der Wagen weg war. Es war, als hätte sich der Boden unter ihm aufgetan. Zu den ohnehin starken Beeinträchtigungen im Alltag gesellte sich nun auch noch ein finanzielles Desaster.

Doch in den Tagen nach der Berichterstattung über den Fall der Tschudens meldeten sich etliche Menschen in der Redaktion. Sie alle wollten helfen. Auf Initiative der Arbeitskollegen des Ehepaares wurde ein Spendenkonto eingerichtet, auf dem letztlich rund 9000 Euro eingingen. Mit diesem Geld konnten die Tschudens die wichtige Rollstuhl-Hebebühne für den neuen Wagen anschaffen. Neben dem von der Versicherung ausgezahlten Wiederbeschaffungswert nahmen die Tschudens schweren Herzens dazu noch einen 17 000-Euro-Kredit auf, um das neue Fahrzeug kaufen zu können. Das vorherige Fahrzeug war schon fast abgezahlt. „Über das Geld für die Bühne sind wir unendlich dankbar. Die hätten wir uns nicht leisten können.“

Neuer Wagen, neuer Mut

Als wir die Tschudens ein zweites Mal treffen, präsentieren sie uns den neuen Wagen. Josef Tschuden führt die Hebebühne vor. Es sei ärgerlich, dass der fast abbezahlte Kredit sich nun wieder erhöht habe. „Aber es überwiegt die Freude und die Dankbarkeit. Wir sind total gerührt. Wir denken jeden Tag an die Menschen, die uns geholfen haben, die das möglich gemacht haben.“ Die Tschudens sind zurück auf der Straße. Zurück im Leben.