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Hagener trauern um ihre Ehrenbürgerin Liselotte Funcke

02.08.2012 | 18:32 Uhr
Die Hagener Ehrenbürgerin und FDP-Politikerin Lieselotte Funcke ist im Alter von 94 Jahren gestorben.Foto: Michael Kleinrensing/WP

Hagen.   Sie war eine der großen liberalen Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte: Im Alter von 94 Jahren ist am Mittwoch die Hagener Ehrenbürgerin Liselotte Funcke gestorben. Viele in der Stadt trauern um die Politikerin, die in ihrer langen Karriere auch mal NRW-Wirtschaftsministerin war.

„Wir müssen Abschied nehmen von der wohl prominentesten Bürgerin unserer Stadt. Von einer der ganz großen Liberalen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Hagen trauert um Dr. h.c. Liselotte Funcke.“ Mit diesen Worten von Trauer und Betroffenheit hat am Donnerstag Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm auf den Tod von Liselotte Funcke reagiert, die am Mittwoch im Alter von 94 Jahren starb.

Die Hagener waren – über alle parteipolitischen Grenzen hinweg – immer stolz auf diese außergewöhnliche Frau, die ihre enge Verbindung zur Heimatstadt Hagen stets behielt. In Hagen wurde sie am 20. Juli 1918 als viertes Kind des Fabrikanten Oskar Funcke geboren, ihre Mutter entstammte der Bankiersfamilie Osthaus. Hier besuchte sie das Realgymnasium, an dem sie 1937 das Abitur ablegte. Und hier arbeitete sie nach dem erfolgreichen Studium der Betriebswirtschaftslehre in Berlin noch bis Ende der siebziger Jahre als Prokuristin für Bilanzen, Steuerrecht und Finanzwesen in der schon vom Urgroßvater gegründeten Schraubenfabrik und Gesenkschmiede Funcke & Hueck.

Atemberaubendee Karriere in der FDP

Schon im Jahr 1946 schloss sich Liselotte Funcke der FDP an, ihr Name und der ihres Vaters Oskar stehen gemeinsam mit dem Willi Weyers und anderen für erstes liberales Engagement auf kommunaler Ebene in den Nachkriegsjahren. Dieses kommunale politische Engagement in Trümmern war die Grundlage für einen atemberaubenden politischen Lebensweg.

Liselotte Funcke war ein Respektsperson in der politischen Männerwelt. Bereits 1961 zog sie in den Bundestag ein. Foto: WR-Archiv

Schon 1947 wird Liselotte Funcke Mitglied des Landesvorstandes der Deutschen Jungdemokraten in NRW, im gleichen Jahr Mitglied des FDP-Landesvorstandes. Ein Jahr später übernimmt sie im Landesfrauenausschuss der FDP den Vorsitz, den sie 20 Jahre lang inne haben wird. 1964 rückt Liselotte Funcke in den FDP-Bundesvorstand und 1968 ins FDP-Präsidium. Auf dem Parteitag in Kiel wird sie 1977 als Nachfolgerin von Hans Friderichs zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Erinnerungen an Liselotte Funcke

Als Ausländerbeauftragte zurück nach Bonn

Einher mit ihrem vielfältigen parteipolitischen Engagement geht ihr Wirken in höchsten staatlichen Ämtern. Nach elfjähriger Zugehörigkeit zum nordrhein-westfälischen Landtag wechselt Liselotte Funcke 1961 in den Deutschen Bundestag, wird 1966 stellvertretende Vorsitzende des Finanzausschusses und ab 1972 Vorsitzende des Finanzausschusses. Zehn Jahre lang (1969 bis 1979) bekleidet sie das Amt der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Im November 1979 folgt sie dem Wunsch der Partei und wird im Kabinett des jungen Ministerpräsidenten Johannes Rau Nachfolgerin des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers Horst-Ludwig Riemer.

Bei den Landtagswahlen 1980 war Liselotte Funcke die Spitzenkanidatin der FDP. Foto: Dietmar Wäsche

Bei den Landtagswahlen im Mai 1980 ist sie Spitzenkandidatin ihrer Partei, die FDP scheitert aber knapp an der Fünf-Prozent-Marke. Ein Jahr später holt Hans-Dietrich Genscher Liselotte Funcke als Nachfolgerin von Heinz Kühn im Amt der Ausländerbeauftragten der Bundesregierung zurück nach Bonn. Dieses Amt wird ihren Ruf als unbeugsame Liberale später besonders prägen.

Als eine Leitfigur der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt legt sie das Amt zunächst aus Protest gegen die „Bonner Wende“ 1982 nieder, nimmt es im November 1982 auf Bitten des neu gewählten Bundeskanzlers Helmut Kohl aber wieder auf. Eine Entscheidung, die in den folgenden Jahren immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen insbesondere mit Innenminister Friedrich Zimmermann, dem CDU/CSU-Fraktionschef Alfred Dregger oder Politikern wie dem CSU-Politiker Peter Gauweiler führt.

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