Abenteuer
Hagener Senioren mit dem Rad auf Pilgerfahrt
10.03.2010 | 09:44 Uhr 2010-03-10T09:44:00+0100
Hagen. 2000 Kilometer legten Jürgen Labuschewski (60) und Siegfried Röhm (70) aus Hagen auf dem Fahrrad zurück. Sie befuhren mit dem Rad den Jakobsweg von Nancy bis Santiago de Compostela. Die Männer suchten die Nähe zur Natur, wollten den Alltag ausblenden und erlebten ein Abenteuer.
Der Weg ist das Ziel. Dabei sollen die körperliche Anstrengung und die Nähe zur Natur beim Abschalten helfen, den Alltag ausblenden. Für Jürgen Labuschewski (60) und Siegfried Röhm (70) war es mehr - Abenteuer pur.
Rund 2000 Kilometer zählt die Pilgerstrecke von Nancy bis Santiago de Compostela, die Dipl-Ing. Jürgen Labuschewski, ehemals Betriebsleiter der Hagener Müllverbrennungsanlage, und sein zehn Jahre älterer Nachbar, bewältigten. Die beiden machten sich aber nicht zu Fuß auf den Weg, sondern mit ihren Rädern. Übernachtet wurde nicht in Herbergen oder gar Hotels, sondern in kleinen Zelten, die die beiden Fahrrad-Pilger ebenso mit sich führten wie Schlafsack und Kochgeschirr.
Dritter Pilger warf nach der Testfahrt das Handtuch
„Eigentlich ist die Tour auf den Rädern aus der Not heraus geboren. Ich habe ein kaputtes Knie und zudem hatte ich im vergangenen Jahr einige Kilo zu viel auf den Hüften. Da wäre der Fußmarsch unmöglich gewesen”, erzählt Labuschewski, der aber schon lange vor der Pensionierung in der Bewältigung des Jakobswegs einen würdigen Abschluss für sein Berufslebens sah. „Ich wollte damit den Kopf frei bekommen. Zwei Jahre lang haben wir diese Tour im Voraus geplant. Da gibt man nicht so schnell auf.”
Jedenfalls nicht so schnell wie der dritte Pilger im Bunde, der nach der Testfahrt das Handtuch warf. „Vor dem eigentlichen Start sind wir mit unserer Ausrüstung von Iserlohn aus zum Sorpesee im Sauerland geradelt. Das hat ihm gereicht”, muss Labuschewksi auch heute noch grinsen. „Aber es war gut so, denn auch wir haben in den sechs Wochen oft vor Steigungen kapitulieren müssen und unsere Räder geschoben.”
Mit Verletzung ins Krankenhaus
Denn was sich nach dem Start im französischen Nancy noch gemächlich anließ, das wurde in den Pyrenäen oder auf den Pässen Galiciens oftmals zur Tortour. Auch blieben die Pilger nicht von Plattfüßen, einem Speichenbruch und einem Unfall verschont. „Der war eigentlich unnötig. Auf der ganzen Strecke trugen wir Helme und es ist nichts passiert”, erinnert sich Jürgen Labuschewski an den Abend in Etella. Dort hatten die Pilger bereits ihr Lager aufgeschlagen um anschließend noch zum Essen in den Ort zu radeln. Als es zurückgehen sollte, stürzte Siegfried Röhm beim Aufsteigen und schlug sich den Kopf auf. Die Wunde musste im Krankenhaus genäht werden.
„Trotzdem war es ein unglaubliches Erlebnis. Die Natur, die Freundlichkeit der Menschen auf der gesamten Strecke gegenüber den Pilgern und schließlich die Ankunft an der Kathedrale. Dort haben wir mit dem Rücken an der Kirchenwand einfach auf den Boden im Schatten gesessen und etwa zwei Stunden kein Wort gesagt. Es war einfach zu ergreifend.” Und nicht nur das. Das Duo, das ohne Rückfahrpläne an den Start gegangen war, hatte auch noch Glück. Eine katholische Pilgergruppe aus Bayern, die mit Rädern und Begleitbus unterwegs war, nahm die beiden und ihre Räder wieder mit zurück nach Deutschland.
Von den Erlebnissen berichten
Annähernd 1400 Fotos und weiteres Filmmaterial, das auf der Pilgerfahrt entstand, sollen aber nicht im Archiv verstauben. „Ich möchte vor interessierten Gruppen gerne kostenlos über unsere Erlebnisse berichten”, bietet Jürgen Labuchewski an. Wer ihn zu einem Vortrag einladen möchte, kann unter juergen.labuschewski@t-online Kontakt aufnehmen.
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