Hagener Schausteller klagen über strenge Kirmes-Auflagen

Hinter den Kulissen der Osterkirmes rumort es. Die Schausteller beklagen zu strenge Normen und Reglementierungen.
Hinter den Kulissen der Osterkirmes rumort es. Die Schausteller beklagen zu strenge Normen und Reglementierungen.
Foto: Michael Kleinrensing
Sicherheitsnormen, Allergen-Verordnungen und die Transportbedingungen. Bei aller Vorfreude auf die Osterkirmes: Hagens Schausteller üben auch Kritik.

Hagen.. Dampf ablassen war gestern angesagt bei Hagens Schaustellern. Denn aus ihrer Sicht wird die Osterkirmes auf dem Otto-Ackermann-Platz im Vergleich zu den vorangegangenen 54 Veranstaltungen so ziemlich die komplizierteste, die bislang stattgefunden hat.

Anfahrt der Fahrgeschäfte, Lebensmittelverordnungen und strengere DIN-Normen. Vor der Osterkirmes haben die Schausteller, bei aller Vorfreude, auch so ihre Bauchschmerzen.

Das Norm-Ungetüm

Achtung, es wird bürokratisch: DIN 13814 heißt das Norm-Ungetüm, das Schaustellern ungefähr so schmeckt wie schlechte Paradiesäpfel. Wie unsere Zeitung schon berichtet hat, regelt besagte EU-Norm, welche Sicherheitsstandards Fahrgeschäfte ab sofort haben müssen und gewährt älteren Anlagen bislang keinen Bestandsschutz. Betroffen sind alle Besitzer so genannter fliegender bzw. dynamischer Fahrgeschäfte, die vor 2005 gebaut wurden. Auf der Hagener Osterkirmes betrifft das vier von sechs Fahrgeschäften.

Hagens neuer Schausteller-Chef Andreas Alexius: „Die betroffenen Kollegen stehen ohne Bestandsschutz entweder vor dem Aus oder müssen hohe Kredite von 100.000 bis 150.000 Euro für den Umbau aufnehmen.“ Der Schaustellerverband macht aktuell Druck auf die Politik und hat Beschwerde beim Deutschen Bundestag eingereicht. Weil der TÜV mit der Prüfung aller Anlagen zeitlich überfordert ist, bleibt eine Schonfrist bis Anfang 2016 für alle ältere Anlagen.

Die Allergen-Verordnung

Seit dem 13. Dezember 2014 gilt für Betriebe, die Speisen verkaufen, dass die 14 wichtigsten darin enthaltenen Allergene ausgewiesen werden müssen. „Wie soll man das an unseren Ständen richtig kennzeichnen?“, fragt sich der ehemalige Vorsitzende der Hagener Schausteller, Dirk Wagner.

Bislang liegen kleine Ordner an den Backfisch-, Mandel- oder Pommesständen, in denen Interessierte oder Allergiker die Stoffe nachschlagen können. Ärgerlich sei es auch, dass die Lebensmittelkontrollen dabei jedes Mal bezahlt werden müssten. Dem widerspricht die Stadt allerdings. Die Kontrollen seien kostenfrei. Nur bei erhöhtem Kontrollbedarf würden Kosten anfallen.

Die Sache mit der Anfahrt

„Big Spin“, „X-Factor“ und „Music-Express“. So heißen drei Fahrgeschäfte, die schwerer als 44 Tonnen sind und deshalb eine „komplizierte Genehmigung brauchen, damit sie überhaupt auf den Höing kommen“, sagt Alexius. Über die marode Ischelandbrücke darf ein solches Gewicht ohnehin nicht mehr transportiert werden.

Über die Heinitzstraße und die davor liegende Brücke über das Haldener Bachtal nur bis zu 44 Tonen. „Die drei großen Fahrgeschäfte brauchen Sondergenehigungen der Städte, aus denen sie losfahren, wo sie hinwollen und auch noch vom Landesbetrieb für die Autobahnen. Es wird immer komplizierter“, so Alexius. Einige zwinge das beim Transport an den Rand der Legalität.

Das Kirmes-Programm

Bei aller Kritik, wächst natürlich auch die Vorfreude: „Wir haben auch diesmal ein schönes Programm auf die Beine gestellt“, sagt Alexius, der Dirk Wagner als Vorsitzender der Hagener Schausteller abgelöst hat. Am Samstag, 4. April, geht es um 13.30 Uhr los. Diesmal nicht mit Fassanstich, sondern mit einer Tombola. Zum traditionellen Kirmes-Rundgang danach gibt es eine „Happy hour“.

An allen Karussells bezahlen Besucher dann eine Stunde lang nur einen Euro. Am Mittwoch, 8. April, ist Familientag (halber Fahrpreis an allen Fahrgeschäften und Vergünstigungen an den Verkaufsgeschäften). Am Freitag, 10. April, beginnt um 21.30 Uhr das Höhenfeuerwerk. Und am Samstag, 11. April, ist „Lady time“. Zwischen 18 und 22 Uhr zahlen alle Damen an allen Karussells nur einen Euro.