Das aktuelle Wetter Hagen 21°C
Neujahrskonzert

Hagener Philharmoniker beim Neujahrskonzert im Klangrausch

02.01.2013 | 17:13 Uhr
Hagener Philharmoniker beim Neujahrskonzert im Klangrausch
Das Neujahrskonzert der Hagener Philharmoniker unter GMD Florian Ludwig begeistert das Publikum mit Walzern, Märschen und Polkas.Foto: Sandra Krosa

Hagen.  Die Hagener Philharmoniker haben bei ihrem Neujahrskonzert unter Generalmusikdirektor Florian Ludwig musikalisch die Funken sprühen lassen: mit einer klangvollen Reise von Wien nach Moskau starteten sie mit Walzertakten ins Jahr 2013.

Es gibt Klänge, die bis heute nichts von ihrem Glanz und Feuer verloren haben und trotzdem überwiegend nur noch in den Neujahrskonzerten gepflegt werden: Die Unterhaltungsmusik der goldenen Ära der Strauß-Dynastie mit ihren Walzern, Märschen und Polkas. Ähnlich wie das berühmte Wiener Pendant bildet auch das Neujahrskonzert der Hagener Philharmoniker einen ebenso traditionellen wie beliebten Eintrag im Terminkalender am ersten Tag des neuen Jahres.

Generalmusikdirektor Florian Ludwig achtet darauf, dass er neben den bekannten Schlagern dieses Repertoires immer auch vergessene Schätze hebt, die er jetzt unter dem Stichwort „Wien – Moskau“ zu einer funkensprühenden musikalischen Reise verknüpft hat. Die Pizzikatopolka von Johann und Josef Strauß sowie der Walzer „Abschied von St. Petersburg“ von Strauß Sohn sind Beispiele für eine untergegangene Musikkultur, die, in Gaststätten, Parks und anderen öffentlichen Orten aufgeführt, dem Vergnügen eines breiten und zahlreichen Publikums diente.

Die russischen Kompositionen des Familienkonzerns Strauß zum Beispiel wurden im Auftrag der Zarskoje-Selo-Eisenbahngesellschaft geschrieben, für diese spielten die Strauß-Kapellen viele Jahre lang im Sommer im Vauxhall in Pawlowsk vor täglich 6000 bis 10.000 entzückten Zuhörern. Im amerikanischen Boston baute man anlässlich der Tournee des Walzerkönigs eigens eine Halle für 100.000 Personen, die bei allen 14 Strauß-Konzerten ausverkauft war.

Russisches Kolorit

Dass ausgerechnet Richard Wagner Strauß Sohn den Ehrentitel Walzerkönig verlieh, ist ein Beweis dafür, dass die Schere zwischen Unterhaltungsmusik und sogenannter ernster Musik in jener Epoche nicht existierte. Im Gegenteil: Es gab ein fröhliches gegenseitiges Lernen; mit der Erfindung des Konzertwalzers zum Beispiel gestaltete Strauß die einfachen Varianten der Wiener Tanzmusik zur großen sinfonischen Form; umgekehrt schauten sich andere Komponisten bei ihm das eine oder andere ab. Z

Musiktheater
„Don Carlo“ am Musiktheater als Opernthriller

Hohe Regiekunst, fabelhaft musiziert: Verdis „Don Carlo“ hatte am Musiktheater im Revier Premiere. Es wurde die gefeierte Premiere einer neuen Inszenierung, die auch in gesanglicher Hinsicht rauschhaft und abgründig schön war.

um Beispiel Peter Tschaikowski mit seinem Walzer aus „Eugen Onegin“ und Richard Eilenberg in seiner berühmten „Petersburger Schlittenfahrt“. Franz von Suppés Ouvertüre zu „Pique Dame“ spiegelt den Wiener Esprit jener Tage, und Mihael Glinka, Zeitgenosse von Strauß Vater, formuliert in seiner Ouvertüre zu „Ruslan und Ludmilla“ einen russischen Nationalstil, dessen eigentümliches Kolorit dann von Strauß Sohn in seiner „Russischen Marschfantasie“ verwendet wird.

Die Hagener Philharmoniker elektrisieren mit ihrer Spielfreude das Publikum regelrecht und bieten genau die musikalischen Gefühlserlebnisse, für die das Neujahrskonzert berühmt ist: golden aufstrahlendes Blech, samtigen Streicherglanz und das kecke Schnarren der kleinen Trommel stellvertretend für den Schlagzeugapparat, der die Rhythmen vorantreibt, die ins Blut gehen.

Weihnachtsoratorium
Festliche Einstimmung

Zu einem klangvollen Erlebnis wurde die Aufführung des Weihnachtsoratoriums in der St. Viktorkirche.

Wegen der gegenseitigen Einflüsse ist es üblich, im Neujahrskonzert Werke klassischer Komponisten zu integrieren. In Wien wählt man Jubilare, jetzt Wagner und Verdi. In Hagen hat Florian Ludwig den Begriff „Strauß“ ausgedehnt und den deutschen Komponisten Richard Strauss mit einbezogen. Die junge Sopranistin Maria Klier liefert bei der Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ prickelnde Hochton-Akrobatik und verleitet die Zuhörer auch mit Reinold Glieres „Konzert für Koloratursopran“ zu ­Bravorufen.

Beliebte Zugaben

Ob die gut halbstündige „Rosenkavalier-Suite“ von Richard Strauss tatsächlich in ein Neujahrskonzert gehört, darüber darf man streiten - nicht aber darüber, dass GMD Florian Ludwig mit seinen Philharmonikern hier in glühenden Farben geradezu einen Klangrausch entfesselt – ein grandioses Walzerfest als Verbeugung vor der wegbereitenden Dreivierteltakt-Kunst der Wiener Sträuße mit „ß“. Zugaben sind im Neujahrskonzert obligatorisch: Chatschaturjans „Säbeltanz“ belohnt das begeisterte Publikum ebenso wie der unverzichtbare Radetzkymarsch.

Monika Willer

Facebook
Kommentare
03.01.2013
07:19
Hagener Philharmoniker beim Neujahrskonzert im Klangrausch
von Computernutzer1 | #1

Ein großartiges Konzert mit großartigem Orchester unter der Leitung dieses herausragenden und engagierten Dirigenten - dieser Artikel beschreibt dieses fantastische Erlebnis mehr als zutreffend. Es ist also wieder mehr ein Beweis der geistigen wie kulturellen Armut der politisch Verantwortlichen ausgerechnet an diesem Juwel in der sonst schon wenig glänzenden Hagener Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus auch noch "sparen" zu wollen...

Fotos und Videos
Ballett Hagen im Tanzlabor
Bildgalerie
Tanztheater
Erbsensuppenessen vor dem Kirmeszug
Bildgalerie
134. Hasper Kirmes
Kampfkunst trifft Tanz in Hagen
Bildgalerie
Tanztheater
Kirmeszug rollt durch Haspe
Bildgalerie
134. Hasper Kirmes
Aus dem Ressort
So wichtig ist der US-Markt für Unternehmen aus Südwestfalen
Obama-Besuch
Südwestfälische Unternehmen sind sich zum Obama-Besuch in Deutschland einig: Der nordamerikanische Markt ist ein Muss-Markt - und das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA wird kommen.
Commerzbank Hagen im Fokus bei Verfahren gegen Bäkmann
Gericht
Die Geschäftspraktiken des einst schillernden Immobilienmaklers Thomas Bäkmann beschäftigen die Gerichte. Dabei rückt die Commerzbank Hagen in den Fokus. Um Kredite, abgezweigte Gelder und wertlose Schrottimmobilien geht es in den Zivilverfahren gegen Bäkmann, der in Talkshows als Millionär auftrat.