Hagener helfen gratis bei Renovierung von Männerasyl

Ingolf Wagner und Walter Hatze (hinten) bei der Arbeit im Männerasyl.
Ingolf Wagner und Walter Hatze (hinten) bei der Arbeit im Männerasyl.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Arbeiter der Firma Strabag haben in einem Obdachlosenheim in Hagen kostenlos bei der Renovierung geholfen. Der Stadt fehlt für die Arbeiten das Geld.

Hagen-Mitte.. Das Männerasyl in der Tuchmacherstraße hat, wenn man das von einem Haus für Obdachlose denn sagen darf, schon einladender ausgesehen. Vor 15 Jahren wurde die Einrichtung zuletzt aufgefrischt, seitdem hat sich an der baulichen Situation wenig getan. Der Stadt fehlt das Geld, um die Unterkunft regelmäßig instandzusetzen. Umso größer war die Genugtuung bei Heimleiter Burkhard Müller (55), als fünf Arbeiter an der Tür klingelten und für einen Tag kostenlos ihre Hilfe beim Renovieren anboten. „Das kommt uns natürlich sehr zupass“, bat Müller die kräftigen Männer umgehend herein.

Bei den unverlangten Handwerkern handelte es sich um Angestellte der Firma Strabag. Der österreichische Konzern, einer der größten Bauunternehmen Europas, lässt seine Mitarbeiter einmal pro Jahr für ein gutes Werk malochen. „Wir wollen soziales Engagement zeigen und uns dort einbringen, wo Hilfe ganz bitter nötig ist“, begründete Strabag-Gruppenleiter Alexander Fricke (47) den Einsatz im Obdachlosenheim. Und seine Männer klotzten richtig ran, brachten die Kleiderkammer auf Vordermann und richteten einen Gemeinschaftsraum mit vier Schlafplätzen ein.

Kuchen und Kleider

Noch wichtiger für die Hausbewohner war vielleicht, dass die fünf Männer mit dem Herzen bei der Sache waren. Sie brachten Kuchen mit, den sie mit den Obdachlosen teilten, und Bauarbeiter Ingolf Wagner (57) hatte sogar seinen Kleiderschrank durchforstet und trat drei Lederjacken sowie eine Hose an die Kleiderkammer ab: „Ich bin selbst ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Blauen Kreuz und weiß, dass meine Sachen hier an Leute gehen, die das nötig haben und zu schätzen wissen.“

Von den vielen sozialen Einrichtungen in dieser Stadt ist das Männerasyl vielleicht diejenige mit dem geringsten Spendenaufkommen. Das mag damit zu tun haben, dass es sich um ein städtisches Organ handelt, was wohl zu der irrigen Annahme führt, in der Tuchmacherstraße sei schon für alles gesorgt. Mitnichten, wie Burkhard Müller betont: „Zum Teil schlafen hier sechs Leute auf 20 Quadratmetern.“ Derzeit leben 38 Obdachlose im Haus, der jüngste ist gerade 18 geworden, der älteste 77.

Durch die vielen Zuwanderer sei preiswerter Wohnraum in Hagen knapp geworden, im Männerasyl landen Absteiger aus der bürgerlichen Gesellschaft ebenso wie Asylbewerber, die ihre Unterkunft wegen schlechten Benehmens verlassen mussten, so Müller: „Wir müssen jeden nehmen, den woanders keiner haben will.“ Umso willkommener ist der neue Vier-Mann-Schlafraum, den die tatkräftigen Strabag-Arbeiter gestern quasi im Handumdrehen fertigstellten. Denn der Bedarf ist groß: 2015 ist die Zahl der Übernachtungen im Männerasyl gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum bereits um 25 Prozent gestiegen.