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Gericht

Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben

06.08.2012 | 16:20 Uhr
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
Vor dem Landgericht Hagen musste sich eine 23-jährige Ergotherapeutin wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.Foto: Uwe Schaffmeister

Hagen.   Sie wirkt sanft und und gutmütig, doch der Eindruck täuscht: Die 23-jährige Urzula O. muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Hagen verantworten. Sie soll ihren Freund misshandelt haben.

Warum wurde die junge Frau mit dem Engelsgesicht am Silvesterabend zu einer unberechenbaren Furie?

Urszula O. (23) ist Ergotherapeutin. In ihrem Beruf bringt sie kranke Patienten wieder auf die Beine. Wenn sie ihr langes, braunes Haar sanft aus dem Gesicht streift und dabei milde lächelt, scheint die Sonne aufzugehen. Vor uns, so scheint’s, sitzt die Sanftmütigkeit in Person. Sie sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Kaum zu glauben – der Engel kann auch Teufel sein.

„Mittels eines gefährlichen Werkzeugs“, trägt die Staatsanwältin vor, hätte Urszula O. ihren Freund am letzten Abend des alten Jahres „schwer misshandelt“. Genauer: ihm mit spitzen Stöckeln wuchtig mitten ins Gesicht getreten. Anschließend stampfte sie noch sein zu Boden gefallenes Handy zu Schrott.

Es sollte ein schöner Silvesterabend werden

„Ein erheblicher Vorwurf, für den man ins Gefängnis gehen kann“, erhebt Richter Thorsten Kirschner gleich zum Prozessbeginn seine Stimme. „Ihr Vorteil ist, dass Sie nicht vorbelastet sind. Aber ich empfehle dringend, nichts zu beschönigen und keine Geschichten zu erzählen.“

Urszula O. hat die klare Ansage verstanden. Sie möchte offenbar nicht als böses Mädchen hinter Gittern landen und erzählt. Was heißt „erzählt“? Es wird dann doch nur ein schamhaftes Drumherum-Gerede. Eigentlich wollte sie ja nur – gemeinsam mit ihrer Mutter und Freund Marcel – einen schönen Silvesterabend erleben. Doch bereits gegen 22 Uhr schien der Jahreswechsel gelaufen. Der junge Mann war derart betrunken, dass er im Schlafzimmer aufs Bett der Mutter gelegt werden musste und dort alle Viere von sich streckte.

Ein umfassendes Geständnis klingt anders

„So total neben der Spur. Das hat mich dann krass verärgert“, gesteht Urszula. Es kam zu Streit. „Wir gerieten ein bisschen aneinander. Ich hab’ ihn festgehalten, er hat sich gewehrt. Draußen vor der Tür eskalierte dann alles.“

Ein umfassendes Geständnis klingt anders. Deshalb beharrt die Staatsanwältin darauf: Marcel S. (24) muss in den Zeugenstand. Typ smartes Bübchen, gepflegt, von Beruf stellvertretender Drogeriemarktleiter. Das riecht man ihm an. Als er den Gerichtssaal betritt, schwebt eine Parfümwolke gleich mit herein.

Der Mädchenschwarm stellt erst mal richtig: „Die Uschi war lediglich eine Partnerin auf Flirtebene.“ In Wahrheit hätte ihm ja immer noch die eigentliche Freundin durch den Kopf gespukt. Mit der hatte er im Jahr zuvor Silvester verbracht. Deshalb habe er sich aus Frust „die Kante gegeben“ und sei weit vor Mitternacht auf Muttis Bett eingeschlafen.

Mit dem Stöckelschuh ins Gesicht getreten

Marcel S. erinnert sich, wie er plötzlich wach wurde und im Schlafzimmer auf dem Boden lag. Die „Flirtpartnerin“ flippte regelrecht aus: Da war ein heftiger Tritt von Uschis Stöckelschuh, der ihn voll ins Gesicht traf. „Fraktur der Schädeldecke“, attestierte später ein Arzt, sowie einen „Bruch des oberen Kiefers“. Mit spitzem Absatz hatte ihm die Ergotherapeutin sogar einen Zahn herausgetreten.

„Schon böse“, kommentierte die Staatsanwältin, „die Verletzungen sind ziemlich heftig gewesen.“ „Und Zähne“, fügte Richter Kirschner hinzu, „hat man in dem Alter ganz gerne noch vollzählig.“ Urteil: sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Das Engelsgesicht auf der Anklagebank wurde blass. Ab jetzt muss sich Urszula O. zusammenreißen. Sollte wieder mal der Teufel in ihr durchbrechen, lernt sie ein Gefängnis von innen kennen.

Von Helmut Ullrich



Kommentare
07.08.2012
19:40
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
von Andercover | #7

Der Artikel ist gut geschrieben und amüsant zu lesen ! Weiter so , Herr Ullrich !

07.08.2012
13:47
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
von offenfahrer | #6

Von einer Tageszeitung erwarte ich eine seriöse Berichterstattung und nicht so einen Artikel auf soap-Niveau.

07.08.2012
11:32
Klasse Story
von Susan2012 | #5

und gut geschrieben - ich weiß gar nicht was die Leute hier haben.

07.08.2012
05:08
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
von Czerwi | #4

Wüsste auch gern mal, wie Helmut Ullrich es fände, wenn eine Frau ihm seine Kieferdecke und sein Gebiss zertrümmern würde und er anschließend noch im Lokalanzeiger von einem möchtegern-Philosoph verhöhnt wird. Was du nicht willst, dass man dir tu....

06.08.2012
19:27
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
von Groschmann | #3

Was haben denn solche Sätze in einem Artikel über eine Gerichtsverhandlung zu suchen. Da ist drei Groschen Roman Niveau.

"..junge Frau mit dem Engelsgesicht."

"Wenn sie ihr langes, braunes Haar sanft aus dem Gesicht streift und dabei milde lächelt, scheint die Sonne aufzugehen."

06.08.2012
19:04
Hagener Ergotherapeutin soll Freund schwer misshandelt haben
von Catman55 | #2

Für mich fällt das in die Rubrik "Künstlerische Freiheit". Das sei dem Autor Ullrich geschuldet. Immerhin hat das Stück alles für eine Hollywood-Komödie.

06.08.2012
18:24
...
von schnatterin | #1

Sehr geehrter Herr Ullrich,

Sie müssen sich schon entscheiden!

Entweder, Sie enscheinden sich zu einem sachlichen Bericht.
Oder zu einem Satirischen.

Können Sie uns verraten, warum Sie das Opfer einer schweren Körperverletzung
derart hämisch und ehrverletzend diskriminieren?

Wie sind Ihre Aussagen zum Opfer sonst zu vestehen:
"Typ smartes Bübchen"
"Als er den Gerichtssaal betritt, schwebt eine Parfümwolke gleich mit herein."
"der Mädchenschwarm"

Es scheint mir,Sie mobben ganz gerne, Herr Ulrich?
Kann das sein?

Ich hoffe für Sie, dass Sie nicht auch mal zum öffentlichen Mobbing-Opfer werden?
Denn das werden Sie sicher gar nicht lustig finden!

EIne Frage habe ich noch: Wäre eine Frau zum Opfer männlicher Gewalt
geworden, hätten Sie sich zum weiblichen Opfer dann ebenfalls derart abfällig geäu0ert??

Vermutlich nicht!?

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