Hagener DRK-Mitarbeiter war vier Wochen im Ebola-Einsatz

Marcus Richter arbeitet beim DRK-Blutspendedienst West in Hagen.
Marcus Richter arbeitet beim DRK-Blutspendedienst West in Hagen.
Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Marcus Richter vom DRK-Blutspendedienst Hagen ist vom vierwöchigen Ebola-Einsatz in Sierra Leone zurück.

Hagen.. 36 Grad. Luftfeuchtigkeit an die 100 Prozent. Vermummt im Ganzkörper-Schutzanzug, Mundschutz, Brille auf der Nase, drei Paar Handschuhe übereinander. Die tropische Hitze kostet Kraft. Länger als zwei Stunden am Tag hält es niemand in der Hochrisiko-Zone aus. Hier im Zeltkrankenhaus des Roten Kreuzes in Kenema im Südosten von Sierra Leone sterben täglich Menschen und tauchen ohne Ende neue Ebola-Patienten auf.

„Ja“, sagt Marcus Richter, „ich habe viel Leid gesehen.“ Vier Wochen lang war der 37-Jährige aus Witten, der im Außendienst beim DRK-Blutspendedienst West in Hagen arbeitet, dort im Einsatz. Der ausgebildete Rettungsassistent wirkt gefasst. Die Strapazen hat er gut überstanden. „Ich bin mehr als gesund.“

Drei Wochen Hausarrest

Drei Wochen musste er nach seiner Rückkehr zu Hause bleiben, um eine mögliche Ansteckung mit dem tödlichen Virus auszuschließen. „Ich habe zweimal am Tag, morgens und abends, meine Temperatur gemessen und habe zwei Blutuntersuchungen hinter mir. Alles gut.“

Ebola Ob im privaten Umfeld jemand betont auf Abstand gegangen ist? Seine Lebensgefährtin Melanie gar einen großen Bogen um ihn gemacht hat? Richter lächelt: „Nein.“ Mit ihr hat er über sein Smartphone regelmäßig Kontakt gehalten. Das mobile Gerät baute die Brücke nach Hause und speicherte Bilder und Videos seiner Arbeit. „Der Einsatz war besonders, weil ich mich noch nie so konzentriert selbst beobachtet habe.“

Jeder Handgriff muss sitzen. Besonders beim Umziehen. Ebola verzeiht keinen Fehler. Angst? „Das ist das falsche Wort. Respekt passt besser.“ Noch nie hat sich Richter bei einem Einsatz so oft die Hände gewaschen. „Vor jedem Eingang standen Eimer mit Chlorlösungen.“ Nicht nur das: Die Helfer haben jede Berührung untereinander vermieden. „Das läuft unter dem Begriff No-Touch-Policy.“ Das verlangt viel Disziplin. „Das ist man ja ganz anders gewöhnt.“

40 Prozent der Patienten überleben Ebola-Erkrankung

Auch aus Sicherheitsgründen waren alle Mitarbeiter in Einzelzimmern in einer früheren katholischen Missionsstation am Rand der drittgrößten Stadt (155.000 Einwohner) des westafrikanischen Staates untergebracht, etwa eine gute halbe Autostunde vom Einsatzort entfernt.

Ebola Richters Aufgabe war es, den technischen Ablauf in dem Provisorium sicherzustellen. Das fing bei funktionsfähigen Wasseranschlüssen an, „die Absperrventile ließen sich wegen des hohen Chlorgehaltes nicht mehr öffnen und schließen“, und hörte bei der Stromversorgung lange nicht auf. Widerstände der Bevölkerung gegen die internationalen Hilfskräfte hat der Wittener nicht erlebt: „Die Leute waren dankbar und hilfsbereit.“ Sie hätten gesehen, dass der Kampf gegen Ebola nicht aussichtslos sei: „Als ich dort war haben 40 bis 45 Prozent der Patienten die Krankheit überlebt.“

„Es ist eine Grundeinstellung, anderen zu helfen“

Eine Gefahrenzulage erhält Richter nicht. Der Ebola-Einsatz beruht auf Freiwilligkeit. Sein Gehalt ist für die Zeit in Sierra Leone weiter gezahlt worden. Ob er mit einem Helfer-Gen geboren ist?

„Nein. Es ist eine Grundeinstellung, anderen zu helfen. Entweder man wächst damit auf oder nicht.“ Am Ende erzählt er von der „Happy-Shower“. Alle Überlebenden genießen nach überstandener Infektion die Dusche, werden mit neuen Sachen entlassen und erhalten ein Zertifikat, dass sie frei von Ebola sind. Momente des Glücks.

Auch für ihn.