Hagener Anhalter-Entführer darf auf Bewährung hoffen

Vor dem Landgericht Hagen wird der Fall verhandelt.
Vor dem Landgericht Hagen wird der Fall verhandelt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein 23-Jähriger hat in Hagen einen Anhalter gegen seinen Willen im Auto festgehalten. Trotz der Horrorfahrt darf er nun mit Bewährung rechnen.

Hagen.. Sollte dieser Angeklagte (23) tatsächlich noch mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, wofür derzeit einiges spricht, dann hat er das zwei glücklichen Umständen zu verdanken: Einem überaus geschickten Verteidiger und einer Strafkammer, die diesmal zur Gnadenkammer wird.

„Erpresserischer Menschenraub“ lautet im Landgericht der Vorwurf. Der Fall dahinter ist heftig. Am 5. Juni, gegen Mitternacht, hatte der angeklagte Auszubildende an der Berliner Straße in Höhe Nordwest einen Mann (48) am Straßenrand stehen sehen, der als Anhalter mitgenommen werden wollte. Er stoppte.

Fluchtversuch auf Parkplatz

Der gesundheitlich stark eingeschränkte Mann – Frührentner mit 80-prozentiger Schwerbehinderung und Epilepsie – stieg arglos in den roten Kleinwagen ein: Beginn einer einstündigen Horrorfahrt.

Eigentlich sollte die Mitnahme nach gut einem Kilometer, an der ehemaligen Polizeiwache gegenüber dem Stadtbad, wieder enden. Der Mitfahrer hatte bereits einen 5-Euro-Schein als Dankeschön gezückt. Doch der Autofahrer entgegnete aggressiv „Zu wenig!“, gab Gas und ließ den hilflosen Mann nicht aussteigen.

Auf dem Lidl-Parkplatz an der Preußer Straße stoppte der Wagen plötzlich: „Du gibst mir jetzt dein ganzes Geld“, forderte der Fahrer und nahm ihm die Geldbörse ab. Der Anhalter riss die Autotür auf, er wollte flüchten. Doch er wurde eingeholt: „Er hat mir die Füße weggetreten, ich bin gestürzt.“

Lediglich den behaupteten Vorfall auf dem Lidl-Parkplatz bestreitet der Angeklagte, der sich wie Muttis braver Liebling gibt, ansonsten räumt er sämtliche Vorwürfe rundum ein.

Am Geldautomaten gefilmt

Die Fahrt ging weiter: In einer ausladenden Schleife über den Quambusch nach Volmarstein auf die Autobahn, in Höhe Hagen-West herunter, dann auf den dunklen Parkplatz einer Spedition in Vorhalle. Hier wurde dem in Panik geratenen Opfer die Scheckkarte abgenommen und die Geheimzahl abgepresst: „Er drohte, mich zu fesseln und in einem einsamen Wald abzulegen, wo mich niemand finden würde.“

An einem Geldautomaten in der Frankfurter Straße scheiterte die Abhebung mangels Kontodeckung. Hierbei wurde der Angeklagte gefilmt. Der entschuldigte sich nun: „Was ich gemacht habe, war das Allerletzte.“ Verteidiger Klaus-Peter Kniffka lockte das Gericht mit einem Angebot: „2400 Euro bei einer Strafe zur Bewährung.“ Das Geld wolle der Angeklagte als Opferentschädigung zahlen – in monatlichen 100-Euro-Raten.