Hagen will Naturschutzgebiet "Ruhraue" für Touristen öffnen

Im Naturschutzgebiet Ruhraue Syburg gibt es seltene Pflanzen und Tiere.
Im Naturschutzgebiet Ruhraue Syburg gibt es seltene Pflanzen und Tiere.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Für Naturfreunde ist die Ruhraue Syburg ein wahres Paradies. Betreten werden durfte das Naturschutzgebiet jedoch bisher nicht. Das soll sich ändern.

Hagen.. Der Landschaftsbeirat will das Naturschutzgebiet Ruhraue Syburg für die Bevölkerung zugänglich machen. Wilhelm Bögemann, Vorsitzender des Gremiums, in dem Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, der Angler und Jäger, der Sportvereine und der Naturschutzverbände versammelt sind, plädiert für einen sanften Tourismus: „Die Menschen sollten die Möglichkeit haben, in das Naturschutzgebiet hineinzugehen und doch nicht hineinzugehen.“

Bögemann erläutert auch, wie diese paradoxe Forderung in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnte: „Mit einem Bootssteg, der Kanuten die Gelegenheit bietet, anzulegen und in die Auenlandschaft hineinzusehen.“ Außerdem macht er sich für einen Fuß- und Fahrradweg am Rande des Naturschutzgebietes stark, der zu einem Aussichtsturm oder zumindest erhöhten Aussichtspunkt führt, welcher ebenfalls einen Blick über die weitgehend unberührte Landschaft gewähren würde. Solche Maßnahmen würden Tourismus und Naturschutz in idealer Weise verknüpfen, so Bögemann: „Die Menschen können die Herrlichkeiten der Natur genießen, ohne dass diese beeinträchtigt wird.“

59 Vogelarten

Die Ruhraue Syburg ist 36 Hektar groß, 70 Prozent der Flächen bestehen aus Wiesen und Weiden. Das Gebiet zwischen der A1 und dem Fuß des Ardeygebirges ist ein von der Ruhr, mehreren Bächen und Gräben bestimmtes, grundwassernahes und in weiten Bereichen deshalb stark vernässtes Wiesengelände. Über 200 Pflanzen- und 59 Vogelarten nutzen das Gebiet als Lebensraum. Vor 20 Jahren wurde die Ruhraue unter Naturschutz gestellt, die NRW-Stiftung kaufte sie 2002 und stellt seither auch ein Budget für jährliche Arbeitsmaßnahmen zur Verfügung. Verantwortlich dafür ist die Biologische Station, deren Leiter Ralf Blauscheck ein Auge auf die Zusammensetzung von Pflanzen- und Tierarten hat. Ab 1. Juli darf das Gelände gemäht werden – geschähe das nicht, würden sich die Feuchtwiesen früher oder später in einen Wald verwandeln.

In der Stadtverwaltung stößt der Vorstoß des Landschaftsbeirates durchaus auf offene Ohren. Naturverträglicher Tourismus sei ein unterstützenswertes Anliegen, findet Umweltamtsleiter Ralf Rainer Braun, der auf ein von seiner Behörde vor zwei Jahren herausgegebenes Buch verweist, in dem alle Hagener Naturschutzgebiete beschrieben werden: „Darin zeigen wir ja auf, welche Wege es gibt, der Natur nahe zu kommen.“ Dem Naturschutzgedanken dürfe nicht der Ruf anhaften, gegen die Interessen der Bürger gerichtet zu sein.

Natur erlebbar machen

Auch Ralf Blauscheck, Leiter der Biologischen Station, hält es für ein berechtigtes Anliegen, die Natur für die Bevölkerung erlebbar zu machen: „Mit der Zielsetzung, die Menschen möglichst weit von der Natur fernzuhalten, wird man keine Begeisterungsstürme auslösen.“ Ein ordentlich begehbarer Fußgängerpfad würde das Gebiet für Besucherführungen attraktiv machen. Achtgeben müsse man jedoch darauf, das einzelne Hundebesitzer, die ihre Tiere in der Ruhraue von der Leine ließen, so dass diese am Boden brütende Vögel aufscheuchten und deren Nester plünderten, auf neuangelegten Wegen nicht noch mehr Unheil anrichteten.