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Interview

„Hagen braucht eine Perspektive“

04.01.2013 | 17:56 Uhr
„Hagen braucht eine Perspektive“
Dr. Hans-Toni Junius, Vorsitzender der Bürgerstiftung der Theaterfreunde Hagen.

Hagen.   Der Unternehmer Hans-Toni Junius ist neuer Vorsitzender der Bürgerstiftung der Theaterfreunde Hagen. Im Interview spricht er über die Bedeutung des Theaters Hagen für die Stadt und ihre Wirtschaft und über die Zukunft des Standorts.

Dr. Hans-Toni Junius ist der neue Vorsitzende der Bürgerstiftung der Theaterfreunde Hagen . Der Unternehmer leitet die Traditionsfirma C.D. Wälzholz, die seit mehr als 180 Jahren besteht und heute mit über 1900 Mitarbeitern eines der marktführenden Kaltwalzwerke weltweit ist. Starke Verwurzelung in der Region und globale Ausrichtung sind die Markenzeichen des Werks.

Mit seinem Engagement in der Bürgerstiftung möchte Dr. Junius für die Zukunft des Hagener Theaters eintreten. Im Interview spricht er über Nachhaltigkeit als Philosophie für Unternehmen und Stadtentwicklung gleichermaßen sowie über die Ziele der Theaterfreunde.

Welche Bedeutung hat das Theater Hagen für die Wirtschaft?

Dr. Hans-Toni Junius: Das Theater Hagen hat eine größere Bedeutung für Wirtschaft und Kulturleben, als allgemein im Bewusstsein ist. Es wird als Freizeit- und Kulturangebot hervorragend angenommen, man diskutiert über die Qualität der Aufführungen, aber man stellt sich zu selten die Frage, was es für Hagen bedeuten würde, wenn das eigenbespielte Theater tatsächlich weg wäre.

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Und was würde dies bedeuten?

Junius: Das wäre eine Katastrophe für die Stadt, von der Infrastruktur her, aber auch, was die Personen betrifft. Eine Folge wären sinkende Grundstückswerte und Leerstände im Theaterviertel. Aber noch gravierender wäre der Verlust der Persönlichkeiten als Bürger, die in Hagen Theater machen.

Können Sie das näher erläutern?

Junius: Schauen Sie, wir als Unternehmen arbeiten nachhaltig. Im Vordergrund steht immer die Frage, wie wir unser Unternehmen für die Zukunft sichern, wie wir Arbeitsplätze schaffen können. Wenn wir uns heute mit einer Entwicklung beschäftigen, ist das immer die Entwicklung von morgen. Diese Frage, wie wirkt sich das auf morgen aus, muss man auch bei den Entwicklungen stellen, die hier in der Stadt diskutiert werden. Für ein Unternehmen sind die tüchtigen Mitarbeiter das größte Kapital. Ähnlich ist das mit den Persönlichkeiten, die am Theater wirken. Hagen kann es sich nicht leisten, Bürger wie GMD Florian Ludwig und alle die begabten Ensemblemitglieder auf und hinter der Bühne zu verlieren. Gerade solche qualifizierten Einwohner brauchen wir in Hagen, denn wir haben eine Strukturveränderung in der Stadt, die äußerst schwierig ist. Wenn die Politik sich gegen das Theater ausspricht, wäre das eine irreversible Entscheidung. Deshalb müssen wir als Bürger für unser Bürgertheater eintreten.

Was vermissen Sie in der politischen Debatte um die Finanzkrise der Stadt Hagen?

Junius: Ich vermisse die Zukunftsorientierung. Die Hagener Politik reagiert nur defensiv. Hagen braucht aber einen Aufbruch, eine Perspektive, und das Theater ist eine Perspektive für Hagen.

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Welche Pläne hat die Bürgerstiftung?

Junius: Die Bürgerstiftung möchte einen Kapitalfonds bilden, der den Bürgerwillen zeigt. Wichtig ist, dass die Bürgerstiftung langfristig angelegt ist. Wir sammeln Kapital, aber wir müssen das auf eine breitere Basis stellen. Wir haben bislang 500 Zustifter, diese Zahl wollen wir mindestens verdoppeln. Wir sprechen auch die kleinen Zustifter an, jeden interessierten Bürger.

Informieren Sie nur in der Stadt Hagen über die Ziele der Theaterfreunde?

Junius: Nein, denn das Theater Hagen und gerade das Wirken von GMD Florian Ludwig strahlen weit in die Region hinaus. Und die Region müssen wir sicherlich mit einbinden, damit wir solche Edelsteine der Kultur weiter züchten können. Das Theater Hagen ist ein Theater für Südwestfalen, und wir sind ein südwestfälisches Familienunternehmen. Deshalb wollen wir gezielt schauen, wer uns in Südwestfalen unterstützen kann.

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Mit welchen Mitteln wollen Sie die Bürgerstiftung in Südwestfalen bekannter machen?

Junius: Wir müssen die Initiative mit Aktionen und Ideen noch viel mehr ins Gespräch bringen. Derzeit planen wir zum Beispiel für 2013 ein Benefizkonzert bei C.D. Wälzholz in der Nahmerhalle in Hohenlimburg.

Welche Hoffnung haben Sie, was das Engagement der Bürgerstiftung bewirken kann?

Junius: Durch die Finanznot der Stadt Hagen gibt es meistens negative Schlagzeilen über Hagen. Doch wir haben durchaus Leuchttürme, Mosaiksteine für eine positive Zukunftsperspektive, zum Beispiel erfolgreiche Unternehmen. Und das Theater Hagen ist auch ein Leuchtturm. Wir müssen uns stärker auf das Positive konzentrieren, um gemeinsam an einer Perspektive für Hagen zu arbeiten.

www.theater100.de

Monika Willer

Kommentare
06.01.2013
13:20
„Hagen braucht eine Perspektive“
von spatzenfreund | #35

ich denke, man darf den kulturbereich nicht immer nur in den einzelteilen betrachten, sondern muss ein gesamtpaket schnüren: das esm schließen, da es...
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1 Antwort
Muschelsalat
von erbsenzaehler | #35-1

Die einzigen Kosten für die Stadt sind Personalkosten für die hauptamtlichen MitarbeiterInnen im Kutlurbüro.
Der Rest wird über Sponsoren und ehrenamtliche Helfer abgedeckt !

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„Hagen braucht eine Perspektive“
„Hagen braucht eine Perspektive“
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http://www.derwesten.de/staedte/hagen/hagen-braucht-eine-perspektive-id7448121.html
2013-01-04 17:56
Hagen, Hans-Toni Junius,
Hagen