Hagen: 30 Prozent aller Arbeitsplätze Mini-Jobs
26.04.2011 | 18:05 Uhr 2011-04-26T18:05:00+0200
Wenn am Donnerstag die Hagener Agentur für Arbeit die Erwerbslosenstatistik für April veröffentlicht, gehört am Tag vorher kein prophetisches Geschick dazu, vorherzusagen, dass die Zahl der Arbeitslosen erneut gesunken sein wird. Irgendwann in diesem Jahr, so die Konjunktur es will, wird die Arbeitslosenquote in Hagen sogar unter die Zehn-Prozent-Marke tauchen.
Doch auf den sonnigen Ausblick fällt ein Schatten: Fast ein Drittel aller Arbeitsplätze in Hagen entspringt geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen. Diese Arbeitnehmer verdienen maximal 400 Euro im Monat und müssen keine Steuern und Sozialbeiträge leisten.
Zusätzliche Beschäftigung?
Im März 2003 gab es stadtweit 11 500 solcher Mini-Jobber. Dem gegenüber standen fast 67 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Heute stehen den immer noch 67 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fast 19 500 Mini-Jobber gegenüber. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten stieg seit 2000 also um rund 70 Prozent. Die Zahl der Gesamt-Arbeitsplätze wäre demnach in den vergangenen Jahren gestiegen. Aber handelt es sich bei Mini-Jobs tatsächlich um zusätzliche Beschäftigung? Oder wurden reguläre Stellen zumindest zum Teil zerlegt, um billige Arbeitsplätze zu schaffen?
Zum 1. Juni 2003 hatte die damalige Bundesregierung die Regeln für diese Beschäftigungsform gelockert. Eine wesentliche Änderung: Eine normale versicherungspflichtige und eine daneben ausgeübte geringfügige Beschäftigung müssen nicht mehr zusammengerechnet werden. Ein Mini-Job bleibt seitdem also auch abgabenfrei, wenn ein Arbeitnehmer darüber hinaus in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis steht.
„Es gibt einen zunehmender Anteil älterer Menschen unter den Mini-Jobbern“, sorgt sich der DGB-Kreisvorsitzende Jochen Marquardt. Viele ältere Arbeitslose hätten trotz belebter Konjunktur nur schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ihre persönliche Rentenkasse stocken diese Menschen mit den Mini-Jobs nicht auf. „Wir werden es in Zukunft daher immer häufiger mit Altersarmut zu tun haben“, fürchtet Marquardt.
Armutsfalle
Viele Arbeitnehmer bessern mit Mini-Jobs mittlerweile auch ihr eigentliches Gehalt auf. Fast 5800 Menschen in Hagen arbeiten aktuell neben ihrem regulären Beruf auch in einem Mini-Job. Bundesweit ist die Zahl der Menschen, die im Niedriglohnbereich arbeiten in den vergangenen Jahren gestiegen. Ein Mini-Job kann für diesen Personenkreis der einzige Ausweg aus der drohenden Armutsfalle sein.
10:32
@9: Der Arbeitgeber zahlt 520 Euro dafür, dass der Arbeitnehmer 400 Euro brutto=netto bekommt.
22:24
#Alex: Das ist nicht Ihr Ernst, oder?
Machen Sie doch bitte mal ein Rechenbeispiel auf für einen Arbeitgeber, der sich schon seit Jahren aus der Sozialversciherung verabschieden darf.
Da wäre ich aber mal gespannt.
Der kriegt heutzutage doch drei für einen. Pfui!
08:33
Wenn man von Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit bei Minijobs spricht, sollte man sich immer vor Augen halten, dass das nur für den Arbeitnehmer gilt. Nur deshalb lohnen sich diese als Zweitjob oder für diejenigen, die z.B. als Rentner, Student oder Sozialleistungsempfänger anderweitig krankenversichert sind. Für den Arbeitgeber sieht das aber schon anders aus. Der zahlt immerhin 30% an Steuer- und Sozialversicherungspauschale in die entsprechenden Kassen ein. Eine Gegenleistung in Form von Sozialansprüchen gibt es dafür fast gar nicht.
23:26
#offenfahrer: Mißverständnis ist ausgeräumt.
Jedermann/frau sollte in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis stehe.
Wenn Sie mir jetzt noch die Altersarmutler bennenen können, die neben ihrem Beruf auf Zeche oder bei Krupp noch Zeit und Energie übrig hatten, um schwarz zu arbeiten, dann wären wir uns ja in allen Punkten einig :)
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber das kann ich nicht nachvollziehen
12:08
#5rockingmom
Keine Frage, dass man in einem regulären Arbeitsverhältnis genug verdienen können sollte, um sich und seiner Familie ein lebenswertes Leben zu gewähren. Ich bin dafür, dass jedes Beschäftigungsverhältnis sozialversicherungspflichtig sein muss und - anderes Thema - Leiharbeitsverhältnisse verboten werden. Mein Kommentar oben bezog sich auf die, die früher unser Sozialversicherungssystem vermieden haben und heute dessen Leistungen in Anspruch nehmen.
20:29
#offenfahrer: ein zynischer Kommentar.
10:06
Diejenigen (meist Frauen), die sich auf die Rente des Mannes verlassen, werden sich wundern, was für sie übrig bleibt, wenn der Mann sie verlässt oder evtl. vor ihnen verstirbt.
Die GfB-Jobs sind die Pest für die Rentenkassen und die späteren Rentner-Generationen!
08:37
Wie viele der Altersarmutler haben wohl früher schwarz gearbeitet, die Kohle verprasst und jammern jetzt?
22:15
Helmut Schmidt ht schon vor fast 20 Jahren vor amerikanischen Verhältnissen und den sogenannten working poor gewarnt.
Jetzt haben wir diese Verhältnisse, und nicht nur in Hagen.
19:44
..wie war das noch mit dem Fachkräftemangel?
Warum denn wohl? Ach je, warum?