Großes Mundwerk und diebische Fans

Emst..  Eine Zeitreise mit Trio-Schlagzeuger Peter Behrens und Extrabreit-Sänger Kai Havaii von ihren Anfängen bis heute konnte das Publikum am Freitag im Kulturhof Emst erleben. Teile der Biografien „Der Clown mit der Trommel“ und „Hart wie Marmelade“ wurden vorgestellt, dazu gab es Musik von den beiden Neue-Deutsche-Welle-Bands.

Peter Behrens’ Biografie wurde von Klaus Marschall vorgelesen, mit dem er gemeinsam seine Erlebnisse festgehalten hat. Dazwischen ließ Klaus Marschall das ehemalige Trio-Mitglied immer wieder zu Wort kommen. Obwohl dieser mittlerweile in die Jahre gekommen und das Leben nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist, hat er sein großes Mundwerk behalten. Frech war er, was das Publikum meist mit Humor quittierte. So auch, als Klaus Marschall Peter Behrens zum Ende von Trio befragen wollte und dieser nur antwortete: „Ich hab’ nicht zugehört.“ Auch als er kurz die Bühne verließ, um das stille Örtchen aufzusuchen, trug das zur Erheiterung der Zuschauer bei.

Derbe Sprüche waren an diesem Abend aber auch im Publikum keine Seltenheit. Erwachsene Männer wurden im Antlitz ihrer früheren Stars wieder zu Teenagern, was sie mit lauthalsen Zwischenrufen in Richtung Bühne und rüden Bemerkungen zu ihren Freunden wie „Ey du Assi, bring Bier mit“, unter Beweis stellten.

„Musik unserer Jugend“

Conny Farthke, die an diesem Abend aus Wetter angereist war, gehörte zu der ruhigeren Sorte. Sie hatte ihrem Mann die Karten zum Geburtstag geschenkt und war begeistert von der Mischung aus Musik und Lesung. „Auf Konzerten von Extrabreit oder Trio waren wir früher gar nicht, aber die Musik hat uns in der Jugend begleitet“, erzählte sie. Besonders gefiel ihr das Ambiente des zweigeschossigen Fachwerkhauses, in dem die Lesungen stattfanden.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Extrabreit beziehungsweise mit Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg, die zunächst mit etwas Musik einstiegen. Anschließend begann Kai Havaii Teile seiner Biografie vorzutragen und stellte von Anfang an klar: „Die Drogengeschichten lass’ ich mal weg, davon haben wir heute Abend schon genug gehört. Und außerdem krieg’ ich dann Appetit.“ Er konzentrierte sich besonders auf die Anfänge von Extrabreit und die Gründung der Band in Hagen, genauer gesagt in Wehringhausen, und das Leben in diesem Stadtteil zu der damaligen Zeit.

Auch von einer Autogrammstunde bei Quelle erzählte er, die schließlich mit einer „kleptomanischen Orgie“ der Fans endete: Sie nahmen alles mit, was ihnen zwischen die Finger kam, woraufhin Extrabreit schließlich nur noch der Rückzug blieb. Zum Abschluss spielten Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg zusammen mit Peter Behrens am Schlagzeug noch einige ihrer Lieder wie „Flieger grüß’ mir die Sonne“ und „Polizisten“.