Griechisches Desperadotum

Gar nicht lange her, dass Hagen als Griechenland unter den deutschen Städten verhöhnt wurde. Seitdem ist einiges passiert: Die Hellenen haben dank der Hilfe von IWF, EZB und EU, der Entrümpelung des Staatswesens sowie der strengen Kasteiung des eigenen Volkes ihren Fall ins Bodenlose gestoppt und sogar wieder messbares Wirtschaftswachstum vorzuweisen. In Hagen wiederum sorgte der verordnete Stärkungspakt des Landes in Kombination mit diversen Sparpaketen und schmerzhaften Steuererhöhungen für zarte Hoffnungsschimmer. Der Kämmerer kann trotz eines 1,25-Milliarden-Minus sogar mit der stolzen Nachricht prahlen, dass sich der Schuldenstand im Vergleich zum Vorjahr verbessert habe: ein temporärer Fingerzeig, dass Konsolidierung möglich erscheint.


Aber was machen nun plötzlich die Südeuropäer von der Peloponnes? Die Tsipras-Regierung setzt die Troika vor die Tür, mit dem „Grexit“ droht die Rückkehr zur Drachme, und für frisches Geld steht womöglich der Russe parat. Was kann das deutsche Griechenland, also Hagen, aus diesem Tun lernen? Dem Innenminister den Stärkungspakt kündigen, einen Schuldenschnitt einfordern, die Steuererhöhungen zurücknehmen, doch wieder auf den Volmetaler setzen und als künftige Geldgeber auf dubiose Hasper Freunde aus Sizilien setzen?


Klingt verwegen, vielleicht reizvoll, aber vor allem absurd. Dieses ­finanzpolitische Desperadotum ist Kämmerer Gerbersmann kaum zuzutrauen. Zumal Hagen bei glücksspielartigen Finanzgeschäften noch nie überragendes Talent bewies . . .