Gewicht beim Auto – Der Trend geht wieder nach unten

Wolfgang Kirchhoff nennt automobilen Leichtbau "unseren Beitrag, Emissionen zu vermeiden".
Wolfgang Kirchhoff nennt automobilen Leichtbau "unseren Beitrag, Emissionen zu vermeiden".
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Was wir bereits wissen
Jahrelang wurden Autos beim Generationswechsel von Fahrzeugmodellen stets schwerer. Dank Fortschritten im Karosseriebau ist das nicht mehr so. Vor allem weil Gewicht gespart werden muss, um Abgase zu reduzieren.

Hagen.. Größer, sicherer, komfortabler und immer schwerer - das schien im Autobau der vergangenen Jahre und Jahrzehnte fast ein Naturgesetz zu sein. Und immer stärker, um das steigende Fahrzeuggewicht zu bewältigen. Ein aktueller VW Polo ist längst in die Dimensionen eines Golf IV aufgerückt. Aber die Trendwende ist da, wie Wolfgang Kirchhoff, Geschäftsführer der Iserlohner Kirchhoff Holding, beim Geschäftsfrühstück der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) vor rund 50 Unternehmern in Iserlohn berichtete: „Beim Leichtbau kommen wir langsam aus der Kurve heraus.“ Für Karosserien zuständig ist die Kirchhoff-Sparte Automotive.

Beispiele: Ein Audi 100 wog zu Beginn des Modellzyklus rund 1150 Kilogramm und in der Spitze etwa zwei Tonnen. Zu den 1150 Kilogramm hinzugekommen ist im Laufe der Jahre das Gewicht zahlloser elektronischer Helfer, meist mit drei Großbuchstaben, die dem Autofahrer das Leben am Steuer einfacher machen und die ihn entlasten sollen. Viele werden inzwischen schon in der Grundausstattung angeboten. Darauf will und kann allein aus Sicherheitsgründen niemand mehr verzichten. Auch wenn nicht alles nötig ist.

Viele elektronische Helfer

Gewicht gespart werden muss aber wegen der notwendigen Reduzierung der Abgasbelastung. „Und dieser Fortschritt kommt aus der Karosserie“, berichtete Wolfgang Kirchhoff. Beim aktuellen Audi A6 wurden etwa im Vergleich zum Vorgängermodell hier 80 Kilogramm eingespart. Das senkt Verbrauch und Emissionen. „Der Trend geht jetzt wieder nach unten“, ergänzt Kirchhoff.

Metallindustrie Möglich wird dies durch Fortschritte in der Technologie, zumal sich die Anforderungen an Crash-Tests etwa an der A- und B-Säule noch einmal deutlich verschärft haben. Warmgeformte Stähle, die innerhalb von fünf Minuten auf 920 Grad erhitzt und dann kontrolliert abgekühlt werden, was dem Werkstoff eine neue Festigkeit verleiht, sind Teil des Geheimnisses. Aber auch Versicherungen stellen Anforderungen, so der Geschäftsführer. Auf ihren Wunsch musste der Stoßfängerquerträger, zuvor eine schwache Blechkonstruktion, deutlich verstärkt werden und einem Aufprall bei 8 km/h unbeschädigt standhalten.

Pkw-Abgas immer sauberer

Früher habe es schnell geheißen: Rahmen verzogen - Totalschaden. Wolfgang Kirchhoff nennt automobilen Leichtbau „unseren Beitrag, Emissionen zu vermeiden“. Wobei man beim Thema Emissionen vieles ins richtige Verhältnis setzen muss. Kirchhoff bezeichnet sich selbst als „Missionar“, wenn er betont, beim Feinstaub-Ausstoß stehe der aktuelle Euro-6-Standard zu Euro 1 nach Einführung des geregelten Katalysators im Verhältnis 1:40.

Wenn die Entwicklung so weitergehe, emittierten Pkw 2020 fast keine Schadstoffe mehr, glaubt der Geschäftsführer. Ohnehin komme Pkw-Abgas in der Reihenfolge der schlimmsten Feinstaub-Verursacher hinter Kraftwerken und privatem Hausbrand, Industrie, Zigarettenrauch, Landwirtschaft, Lkw-Abgas und privatem Grillen ohnehin erst auf einem hinteren Rang.