Gesammelte Steine zu Schmuck verarbeiten

Geologin Antje Selter, Museumspädagoge Holger Flick und Austauschschülerin Domenica Zaldua (v. li.) sammeln im Hohenlimburger Steinbruch Fossilien und Mineralien, um sie im Wasserschloss Werdringen zu zeigen.
Geologin Antje Selter, Museumspädagoge Holger Flick und Austauschschülerin Domenica Zaldua (v. li.) sammeln im Hohenlimburger Steinbruch Fossilien und Mineralien, um sie im Wasserschloss Werdringen zu zeigen.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg..  Dass Hohenlimburg eine außergewöhnliche Geologie vorzuweisen hat, ist insbesondere jenen bekannt, die regelmäßig an den Exkursionen von Antje Selter teilnehmen (GeoTouring). Bereits in den vergangenen Jahren gelang es der Geologin, viele spannende Orte unterm Schloss zu erkunden. Für das laufende Jahr hat sie ein Programm gestrickt, das etliche Überraschungen und neue Perspektiven bereit hält. Im Gespräch mit dieser Zeitung gibt sie Einblicke in ihre Vorhaben und erklärt, warum ihr die Exkursionen so viel Spaß bereiten.

Frage: Man könnte meinen, dass der Hohenlimburger Steinbruch ihre zweite Heimat ist. Werden dieses Jahr erneut Exkursionen durchgeführt?

Antje Selter: Auf jeden Fall. Der Steinbruch der Hohenlimburger Kalkwerke ist geologisch betrachtet von besonderer Bedeutung. Daher werden wir dort in diesem Jahr auch viele neue Dinge berichten können. Unter anderem haben wir dort eine besonderer Quarzart entdeckt, die wir zum einen untersuchen, den Besuchern jedoch auch nicht vorenthalten wollen. Zu viel möchte ich über diese seltene Art nicht verraten. Nur so viel: Es ist für Geologen schon eine kleine Sensation.

Sie sprachen bereits im letzten Jahr von dem Vorhaben, gesammelte Steine in Schmuck umzuwandeln. Wie laufen die Vorbereitungen?

Sehr gut. Ich habe mit einer Schmuckdesignerin Kontakt. Wer zum Beispiel Steine im Steinbruch sammelt, kann diese später umarbeiten lassen. Dazu biete ich aber auch einen Workshop an. Weil die VHS in die Räumlichkeiten der Pestalozzischule ziehen will, werden wir dort versuchen, einen Mikro-skopier-Kursus anzubieten. So könnte man vorm Steinbruch in die nahe gelegene Schule wandern, um die Steine dort sofort zu untersuchen. Im Rahmen der Hundertwasser-Ausstellung im Osthaus-Museum wollen wir dort auch den Workshop „Natur-Kunst unter dem Mikroskop“ anbieten. Denn viele Steine sind, wenn man sie aufschneidet, so bunt wie die Hundertwasser-Gemälde.

Die Exkursionen sind beinahe jedes Mal ausgebucht. Wird es den Hagenern und Hohenlimburgern nicht langsam langweilig?

Keinesfalls. Zum Einen, weil wir dort noch immer neue Entdeckungen machen, und zum anderen sind es bei weitem nicht nur Hagener, die ich dort hinführe. Besonders bei den Holländern ist der Steinbruch ein höchst beliebtes Ausflugsziel, das immer mehr an Popularität gewinnt. Besucher aus den gesamten Niederlanden nehmen mehrere Stunden Anfahrt auf sich, um sich diesen Steinbruch anzusehen. Das zeigt deutlich, dass wir hier einen außergewöhnlichen Exkursionsort haben, dem immer mehr Interesse entgegengebracht wird. Allerdings sind noch eine Reihe weiterer Angebote für dieses Jahr geplant.

Geotop Hasselbach

Nämlich?

Wir haben begonnen, das Hasselbachtal als besonderes Geotop in die Exkursionsreihe aufzunehmen. In der Hasselbach gibt es einen Aufschluss, der deutliche Merkmale von Klimawandel und Klimaveränderung aufweist. Auch das ist höchst spannend, weil es eine von weltweit nur drei Stellen ist, an denen man diese Veränderungen geologisch deutlich machen kann. Ebenfalls interessant ist die Blätterhöhle an der Hünenpforte. Wir können die Höhle zwar nicht betreten, aber es ist möglich, Rückschlüsse auf die Besiedlungsveränderung anhand geologischer Untergrundverhältnisse zu erkennen. Auch eine Fotoexkursion mit Rainer Scholz ist geplant (8. März, 15-18 Uhr). Und wir werden uns mit steinernen Dünnschliffen beschäftigen. Dabei wollen wir herausfinden, was man alles in einem Stein lesen kann und wie man Geschichte rekonstruieren könnte. Die Angebote werden mit GeoTouring, der Volkshochschule Hagen und der Hagen-Agentur durchgeführt.

Sie kennen so ziemlich jeden Stein in Hagen und Umgebung. Was motiviert sie, immer wieder mit interessierten Menschen durch die Natur zu streifen?

Nun ja. Ich bin Hagenerin und habe mich immer gern in der Natur aufgehalten. Das Schönste ist jedoch, wenn man nach einer anstrengenden Exkursion zum Ende kommt und in die vielen strahlenden Gesichter schaut.

Das kann man mit Geld überhaupt nicht aufwiegen. Wenn die Kinder den ganzen Tag im Matsch verbracht haben, völlig geschafft mit ihren gesammelten Steinen in der Hand vor mir stehen und ein Lächeln im Gesicht haben, dann ist das für mich der größte Lohn. Daher freue ich mich jedes Mal, wenn es wieder los geht.